Salz im Blut

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Es ist Anfang Februar, von Frühling keine Spur. Das Absegeln liegt eine gefühlte Ewigkeit zurück, die ersten Entzugserscheinungen machen sich breit. Was hilft gegen die Wartezeit bis zum nächsten Törn? Ganz einfach: ab nach Tulln zur Bootsmesse. Dort kann man sich inspirieren lassen, dort trifft man Gleichgesinnte – Freigeister, Traumtänzer, Menschen mit Salz im Blut. Und irgendwo zwischen Masten und Bootszubehör liegt der Hauch vom Meer in der Luft.

Doch worin besteht die Magie des Meeres? Warum zieht es uns immer wieder dorthin? Vielleicht ist es die scheinbare Unvergänglichkeit. Während an Land die Zeit unaufhaltsam voranhetzt und sich alles ständig ändert, ist das Meer da, wo es immer war. Ein Ort des Halts. Ein Ort der Ewigkeit. 3,5 Milliarden Jahre lang spielte sich alles Leben ausschließlich im Wasser ab. Dann wagten sich die ersten Tiere an Land. Sie passten sich an. Aus Flossen wurden Beine, anstelle von Kiemen bildeten sich Lungen. Und wir? Wir tragen das Salz des Meeres noch immer in uns: im Blut, im Schweiß, in unseren Tränen. Wir sind Landwesen mit einer Vergangenheit im Meer.

Wasser bedeckt drei Viertel unseres Planeten. Seit jeher steht das Meer für Ursprung und Herkunft, für Leben und Tod. Es reflektiert unsere Entwicklung, unser elementares Schicksal. Alles kommt aus dem Meer – und alles fließt irgendwann wieder dorthin zurück. Und dennoch begegnen wir dem Meer mit so wenig Respekt, davon zeugen Überfischung, Erwärmung, schmelzendes Eis, Plastikmüll, sterbende Korallenriffe. Wir alle wissen, dass wir Teil des Problems sind. Umso klarer meine Botschaft: Wir müssen das Meer schützen.

Wolf und ich segeln seit 37 Jahren über die Ozeane. Wahrscheinlich habe ich mehr Zeit am Wasser verbracht als an Land. Für dieses Privileg bin ich mehr als dankbar. Der Moment des Ablegens ist für mich bis heute etwas ganz Besonderes. Es vollzieht sich eine Art Metamorphose. Ich lasse das Land hinter mir, trete in eine andere Welt. Auf See sehe und erfahre ich alles anders, intensiver, unmittelbarer. Ein Gefühl von Gegenwart, das sich mit nichts vergleichen lässt. Solange es das Meer gibt, ist unsere Welt nicht elend.

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Salz im Blut | Yachtrevue