
Vor einigen Wochen sprachen wir noch von „demnächst“, vor ein paar Tagen von „bald“ und in greifbarer Nähe wird es „heute“ heißen. Unsere Abreise steht bevor und damit die Rückkehr in unser Nomadenleben an Bord. Mir scheint, dass uns der Abschied von Jahr zu Jahr schwerer fällt. Ein Kraftakt, sich hier von allem und jedem zu lösen. Oft diskutieren wir unser Lebenskonzept, wägen die Verlockungen der Fremde gegen die Geborgenheit der Heimat ab und stellen fest, dass es auch eine Sehnsucht nach dem Vertrauten gibt. Dennoch ist das Zuhause-Bleiben keine Option.
Vielleicht liegt das in der Natur der Sache. Wir Segler sind Suchende. Jeder neue Aufbruch fühlt sich an wie eine Heimkehr in die Fremde. Ja, es zieht uns wieder hinaus, zurück zu unserem Boot, das seit Ende November letzten Jahres in Bundaberg an Australiens Ostküste auf uns wartet. Noch ist unser Flug nicht bestätigt. Ein Zwischenstopp in Dubai steht im Raum. Ein Detail, das uns beschäftigt, wohl wissend, dass es sich um ein Luxusproblem handelt. Ein Privileg, überhaupt an unsere Weiterreise zu denken, während anderswo Krieg herrscht, Bomben fallen, Menschen sterben.
Das Reisen hat ein weiteres Stück Unschuld verloren. Darf man in Zeiten wie diesen überhaupt noch die Welt entdecken? Bis vor kurzem genügte die Abfolge von Flughafenkürzeln auf den sozialen Medien und alle wussten Bescheid. VIE – DXB – BNE, ein Code für Aufbruch, für ein Leben unterwegs. Heute braucht man eine sehr gute Begründung, um einen Langstreckenflug zu rechtfertigen. Sollten wir es also lieber lassen? Ich glaube nicht. Die Sehnsucht, die wir alle in uns tragen, lässt sich nicht abschalten oder verbieten. Doch sie fordert etwas ein. Aufmerksamkeit. Respekt. Verantwortung. Für die Menschen, denen wir begegnen. Für die Orte, die wir besuchen. Für das, was bleibt, wenn wir weiterziehen. Wir werden aufbrechen. Trotz aller Fragen, trotz aller Zweifel. Nicht, weil die Welt uns gehört, sondern weil wir lernen wollen, zu ihr zu gehören.

