Der Schotblock und die Revolution

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Marx wurde heuer 200. Der Kapitalismus, den er analysierte und kritisierte, hat ihn zwar überlebt, ist aber ein Auslaufmodell, weil jetzt, anders als zu Beginn der industriellen Revolution, Profit mit Software erzielt wird, die quasi ohne riesigen Kapitaleinsatz (also ohne große Fabriken und Maschinen) erstellt wird. Diese Programme sind selbstlernend und steuern immer mehr Prozesse, die bisher menschliche Arbeitskraft erforderten. Das trifft Übersetzer, Handwerker und Programmierer ebenso wie den Bootsbau, der technologisch oft noch in den 1970ern steckt. Doch Anfang des 19. Jahrhunderts war das anders, da waren Segelschiffe bekanntermaßen wichtige Instrumente des Handels und der Kriegsführung und somit Wegbereiter der Globalisierung. Weniger erinnerlich ist, dass sie auch bei der Geburt der maschinellen Fertigung Pate standen.

Damals lag die Royal Navy unter anderem mit Russland und Frankreich im Clinch. Kriegsschiffe aller Größen wurden gebaut, als gäb's kein morgen, doch die manuelle Herstellung der Blöcke für die vielen Fallen und Schoten auf diesen Rahseglern hinkte hinterher. Das stieß der Admiralität auf, denn ein Schlachtschiff ohne Blöcke ist nur ein nutzloser Haufen Holz.

Marc Isambard Brunel und Samuel Bentham glaubten, diesen Missstand beheben zu können, wenn es gelänge, diese Blöcke von dampfbetriebenen Maschinen, wie sie gerade im Aufkommen waren, fertigen zu lassen. Dazu musste aber einer her, der sich mit Maschinenbau auskannte, einer Disziplin, die es damals noch gar nicht richtig gab. Der Mann der Stunde hieß Henry Maudsley, der als Kind bei der Navy als "Pulveraffe" ausgebildet wurde und später als Hilfsarbeiter beim Schlosser John Bramah von sich reden machte. Maudsley war clever und geschickt, konstruierte unter anderem genau ausgerichtete Drehbänke aus Eisen, die für das präzise Schneiden von Schraubgewinden nötig waren.

Für den Großauftrag der Navy baute er nach Brunels Plänen 43 Dampfmaschinen, die in einer gigantischen Anlage in Portsmouth montiert wurden. In der sogenannten Block Mill wurde ab 1808 maschinell gesägt, geschnitten, gekerbt, gebohrt, verzinkt und poliert, um besagte Blöcke für die Kriegsschiffe seiner Majestät herzustellen. Der Job, für den es bisher hunderte Handwerker brauchte, konnte nun von ein paar Maschinisten erledigt werden.

Maudsley und Brunel wurden für ihr Werk und die damit erzielten Ersparnisse fürstlich entlohnt, die Handwerker hatten das Bummerl, standen samt Angehörigen job- und mittellos auf der Straße. Es war ein Vorspiel zum Luddismus, einer Bewegung, die die Zerstörung von mechanischen Webstühlen zum Ziel hatte, doch flugs zu einer historischen Fußnote geriet.

Ob Marx über Maudsley und seine Erfindungen Bescheid wusste, ist nicht bekannt. Doch Segler sollten sich vielleicht ab und zu erinnern, dass der triviale Schotblock eine Entwicklung anstieß, die heute aktueller scheint denn je.

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