Was gibt es Altes?

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Schatzkiste. Aktuell ist die 33. Auflage von „Die Seemannschaft“ auf dem Markt. 75 Jahre nautische Kompetenz mit kabarettistischen Nebenwirkungen

Sie kennen alle die ORF-Sendung „Was gibt es Neues?“. Moderator Oliver Baier sitzt seit mehr als 600 Folgen einem Rateteam aus Kabarett-Profis gegenüber und fragt nach ungewöhnlichen Begriffen. Die Kultsendung gibt es seit 22 Jahren. „Die Seemannschaft“ wird seit einem Dreivierteljahrhundert gedruckt. In dieser Schatzkiste finde ich immer wieder Begriffe, die perfekt in die Sendung passen. Vorweg: Bullenstander ist zu simpel. Ein diesbezüglicher Lösungsansatz von Superstar Michael Niavarani würde mich aber brennend interessieren.

Dass Seilspannblöcke einst Jungfern genannt wurden, wüsste nicht einmal Clemens-Maria Schreiner, der dank seiner „Fakt-oder-Fake“-Routine ab und zu ungewollt in die Rolle des Spiel­verderbers schlüpft.

Apropos schlüpfrig … pardon. Apropos Schreiner: Eine Nagelbank hat nichts mit der „Besetzungscouch“ in Film- und Fernsehstudios zu tun. Es handelt sich um eine gänzlich unschuldige Holzleiste zum Fixieren von Leinen. Publikumsliebling Viktor Gernot hätte trotzdem seine Hetz damit.

Die Frage nach dem Besteck auf Schiffen wäre eine Beleidigung für die Allgemeinbildung des Freizeitgelehrten Thomas Maurer: „Es besteht nicht aus Löffel, Gabel, Messer, sondern aus Dreiecken, Zirkel, Bleistift.“

Wir alle können die 830 Seiten der „Seemannschaft“ ja im Schlaf aufsagen, oder? Und nicht einmal Ulrike Beimpold aus dem prominenten Rateteam würde eine Windhose für ein Beinkleid halten, in dem nach unmäßigem Konsum dalmatinischen Zwiebelsenfs ein Flatulenzen-Ventilator anspringt. Auf die veralteten Begriffe Pissdalben, Arschpütz und Kackstag will ich nicht näher eingehen. Speziell die niederdeutsche Seebären-Sprache war nie für den Hochadel gedacht. Ich fürchte, man könnte solche Fragen selbst in der Ratesendung höchstens dann stellen, wenn ein anderer auf Michael Niavaranis Stammplatz sitzt. Sogar „Die Seemannschaft“ hat sich von einigen Wörtern längst verabschiedet.

Seit ich einst den Begriff Hundsfott an den ORF geschickt habe, warte ich jeden Freitag spät­abends vor dem Fernseher wie der Hund aufs Würschtel auf meinen 300-Euro-Büchergutschein (natürlich schon für die 34. Ausgabe der „Seemannschaft“). Ich bin langsam ein bissl gekränkt, denn es handelt sich ja um eine völlig harmlose Öse in einem Block, durch die eine Sicherungsleine geführt wird.

Apropos Hund: Als Nautik-Champions wissen wir, dass die Hundswache nichts mit Vierbeinern zu tun hat. Es handelt sich um die verhasste Spätschicht bei Nachtfahrten. Doch was besagt die Dackelregel? (Nein, lieber Michael, das ist es nicht!) Wahr ist viel mehr, dass man mit ihrer Hilfe den wahren Aufgang oder Untergang der Sonne bestimmen kann. Man soll sich dabei vorstellen, dass die Sonne ein Ball ist, der über der Kimm [unseemännisch: über dem Horizont; Anm.] steht. Wenn unter diesem Ball gerade noch ein Dackel durchlaufen könnte, gilt die Sonne als vollständig auf- oder gerade noch nicht untergegangen. Die aus der Dackelregel gewonnenen Erkenntnisse haben meiner unerheblichen Meinung nur begrenztes Lebensrettungspotenzial. Wahrscheinlich bin ich aber einfach nur ein Banause. Irgendwie erinnert mich diese tierische Metapher an den überaus beliebten Baby-Elefanten während der Pandemie.

Tiere spielen auf Schiffen oft Nebenrollen: Kielschwein unten im Rumpf. Schweinsrücken als Anker-Lager auf Großyachten. Der berüchtigte Wurfknoten Affenfaust, ist bei Reeperbahn­-Zuhältern angeblich gebräuchlicher als bei ­Seglern.

Dann ist da noch der gefinkelte Begriff Blöder Affe. Die beliebte alpenländische Ausprägung – Bleda Off – bezeichnet einen Mitsegler, der grundsätzlich alles besser weiß, in Wahrheit aber komplett ahnungslos ist. Der kommt in der „Seemannschaft“ nicht vor und wäre auch für das Rateteam keine Herausforderung. „A Voitrottl“, würde Niavarani antworten. Das Rätsel wäre auf Anhieb gelöst.

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