
Kennen Sie den Ohridsee? Wenn nicht, sind Sie wohl in guter Gesellschaft. Gelegen in der etwa 1,8 Millionen Einwohner zählenden Republik Nordmazedonien, wie Österreich ein Binnenland, ist es der älteste und tiefste See mit dem größten Süßwasservolumen in Europa; als Namensgeberin fungierte die Stadt Ohrid (mit direkter Flugverbindung nach Wien!). Gemeinsam mit dem auf der anderen Seite des Galičia-Nationalparks gelegenen Prespasee bildet er das Herzstück der Segelaktivitäten in diesem Land. Das Jahresbudget des Nordmazedonischen Segelverbands beträgt ca. 20.000 Euro. Ja, richtig gelesen! Kein Wunder, dass der Spielraum für professionelle Kräfte beschränkt ist. Zwar wurde erstmals in einem der fünf lokalen Segelclubs ein Trainer engagiert, ansonsten ruht das Werkl komplett auf den Schultern der Freiwilligen. Slavcho Moshoski, Generalsekretär des Verbands, weist unumwunden darauf hin, dass Segeln in seinem Land einen schweren Stand habe. Handball ist populär in Nordmazedonien, dorthin fließt einiges an öffentlicher Förderung, aber für das Segeln entsprechende Resonanz im Sportministerium zu erzeugen, sei schwierig. Sein Präsident Stevcho Stavrev ist dennoch hoffnungsfroh: Die Chancen stünden nicht schlecht, dass demnächst ein Segler an die Spitze des nationalen olympischen Comités aufrückt. Und dann, ja dann könnte vielleicht auch der Segelsport den ihm gebührenden Rang einnehmen. Und wenn nicht, dann wollen er und sein Team dennoch alles geben, damit Segeln weiter auf die Beine kommt. Und vielleicht, nur vielleicht gelingt dann in acht Jahren einer Person die Qualifikation für die olympischen Segelbewerbe.
Eine Geschichte wie diese berührt mich. Es besteht keinerlei Aussicht, dass aus Nordmazedonien in absehbarer Zeit Großes im Sinne von internationalen Regattaerfolgen kommt. Aber wo die Liebe zum Segeln hingefallen ist, leisten Menschen Großes. Sie investieren Zeit, Geld und Energie, um den Segelsport in ihrem Land nicht nur irgendwie aufrechtzuerhalten, sondern weiterzuentwickeln.
Die Liebe setzt positive Kräfte frei – wenn das keine gute Nachricht in diesen verrückt-bedrohlichen Zeiten ist …

