
Benetti. Mit der 67 Meter langen Dagger zeigt die italienische Werft, wie sich Hybridtechnologie, individuelles Design und großzügiger Lebensraum zu einem stimmigen Ganzen verbinden lassen. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht Höchstleistungen, sondern Ruhe, Komfort und maximale Flexibilität an Bord.
Wer bei einer 67 Meter langen Superyacht vor allem an opulente Salons, großzügige Sonnendecks und luxuriöse Eignersuiten denkt, liegt grundsätzlich richtig. Bei der jüngsten Benetti B.Now 67M kommt allerdings eine weitere, weniger offensichtliche Qualität hinzu: Stille. Mit der in Livorno gebauten Dagger (FB288) setzt die italienische Traditionswerft ihren bereits vor zwei Jahrzehnten eingeschlagenen Weg in Richtung alternativer Antriebstechnologien konsequent fort.
Die äußere Formensprache stammt vom britischen Designstudio RWD, für die individuelle Gestaltung der Innenräume zeichnet Sinot Yacht Architecture & Design verantwortlich. Die schiffbauliche Konstruktion kommt aus dem Hause Benetti selbst. Zusammengeführt wurden die unterschiedlichen Disziplinen unter einer klaren Vorgabe: Die Technik soll sich den Menschen an Bord unterordnen und nicht umgekehrt.
Leise Kraft
Das Herzstück der Dagger liegt naturgemäß tief im Schiff. Dort arbeiten zwei Caterpillar-C32-Dieselmotoren mit jeweils 1.193 kW, drei Generatoren sowie zwei elektrische Maschinen von VEM, die sowohl als Wellengeneratoren als auch als Antriebsmotoren fungieren können. Ergänzt wird das System durch einen Batteriespeicher mit 360 kWh Kapazität. Der eigentliche Clou liegt jedoch im Zusammenspiel der einzelnen Komponenten.
Dank der modular aufgebauten Anlage kann der Kapitän zwischen unterschiedlichen Betriebsmodi wählen. Bei sieben Knoten erfolgt der Vortrieb rein elektrisch, die Hauptmaschinen bleiben abgeschaltet. Den benötigten Strom liefern die Dieselgeneratoren, während die Batterien kurzfristige Lastspitzen abfangen. Bei zwölf Knoten übernimmt der konventionelle Dieselantrieb die Fortbewegung. Gleichzeitig versorgen die Wellengeneratoren sämtliche Verbraucher mit Strom. Laut Werft lassen sich dadurch gegenüber herkömmlichen Systemen bis zu 15 Prozent Treibstoff einsparen. Für längere Überstellungen steht ein Eco-Modus zur Verfügung, bei dem nur eine Hauptmaschine läuft und vom Batteriesystem unterstützt wird.
Mit 15,5 Knoten Höchstgeschwindigkeit und einer Reichweite von rund 4.500 Seemeilen bei zwölf Knoten Marschfahrt sind auch längere Passagen ohne Tankstopp möglich.


Modernste nautische Hybridtechnologie für die neue Benetti B.Now 67M - der Dieseltank fast trotzdem 115.000 Liter. Für eine Tankfüllung muss das durchschnittliche Kreditkartenlimit wohl hochgeschraubt werden.
© Tom van OosanenSalz statt Lithium
Einen bemerkenswerten Weg beschreitet Benetti bei der Batterietechnologie. Statt der mittlerweile weit verbreiteten Lithium-Ionen-Akkus kommen Natrium-Metallchlorid-Batterien, vereinfacht als Salzbatterien bezeichnet, zum Einsatz. Ihr wesentlicher Vorteil liegt im Sicherheitsprofil: Der nicht brennbare Elektrolyt reduziert das Brandrisiko und ermöglicht eine Unterbringung in bestehenden Technikräumen.
Besonders angenehm wird es vor Anker: Bis zu zwei Stunden können sämtliche Bordverbraucher ausschließlich über den Batteriespeicher versorgt werden. Die Generatoren bleiben abgeschaltet, lokale Abgasemissionen entfallen und an Bord herrscht Ruhe. Ergänzend wird die Abwärme der Generatoren über Wärmetauscher für die Bordsysteme nutzbar gemacht.
Bei aller technischen Raffinesse ist trotzdem festzuhalten, dass auch die Dagger auf fossile Energieträger angewiesen ist. Der hybride Ansatz dient vor allem dazu, deren Einsatz effizienter zu gestalten und gleichzeitig den Komfort zu erhöhen.
Offene Grenzen
Im Mittelpunkt des Bordlebens steht das für die B.Now-Serie charakteristische Oasis Deck am Heck. Seitlich ausklappbare Plattformen erweitern die nutzbare Fläche unmittelbar über dem Wasser und lassen die Breite in diesem Abschnitt auf stattliche 14 Meter anwachsen. Ein Infinity-Pool bildet den optischen Mittelpunkt.
Das Hauptdeck beherbergt den Salon sowie sechs Gästekabinen mit Panoramafenstern. Ein Deck höher befindet sich der private Eignerbereich mit Master-Suite, Büro, zwei Bädern und eigener Terrasse über dem Bug. Achtern schließt an die Eignerlounge eine weitere Terrasse an. Besonders beeindruckend sind die rund sechs Meter langen, raumhohen Fensterflächen. Im Unterdeck finden sich unter anderem der Beach Club mit Wellnessbereich sowie die Tendergarage.


Infinity-Pool und ausklappbare Plattformen sind typisch für den Heckbereich der B.Now-Serie. Auf zwei weiteren Ebenen darüber lässt es sich aber auch fein im Freien aufhalten.
© Tom van OosanenWandelbar wohnen
Im Inneren setzt Sinot auf moderne Eleganz mit wohnlicher Zurückhaltung. Helle Hölzer, Naturstein und strukturierte Oberflächen treffen auf dunkle, präzise gezogene Linien. Gerundete Ecken und großzügig gepolsterte Möbel nehmen der klaren Architektur ihre Strenge.
Mindestens ebenso wichtig war den Designern die Anpassungsfähigkeit der Räume. Im Hauptsalon ersetzen zwei kleinere Esstische die klassische große Tafel. Bei Bedarf lassen sie sich zu einer gemeinsamen Anordnung für bis zu 14 Personen verbinden. Vier der sechs Gästekabinen können wahlweise mit Doppel- oder Einzelbetten genutzt werden, die beiden vorderen sogar zu einer großzügigen VIP-Suite verschmelzen.
Mit der Dagger gelingt Benetti eine stimmige Verbindung aus moderner Antriebstechnologie, variablem Raumkonzept und klassischem Superyacht-Luxus. Bemerkenswert ist dabei vor allem, dass der technische Aufwand nicht Selbstzweck bleibt, sondern einen spürbaren Mehrwert schafft. Und dass auf einer Superyacht mitunter nicht das lauteste Statement den größten Eindruck hinterlässt.

