Trügerische Sicherheit

Nie zuvor standen Blauwasser-Seglern so viele elektronische Hilfsmittel zur Verfügung wie heute. Trotzdem gibt es erstaunlich häufig Schiffbruch zu beklagen – oder gar deswegen? Erfahrungsbericht und Analyse von Birgit Hackl und Christian Feldbauer

Trügerische Sicherheit

Segeln, das war einmal etwas für wagemutige Abenteurer. Sie machten sich auf, um die sieben Meere zu erkunden, mit nichts anderem im Gepäck als Papierkarten, einem Sextanten und einer großen Portion Optimismus. Alleine der Gedanke, nach Tagen ohne Sonne auf einem durch Koppeln ermittelten Kurs durch unbekannte Gewässer zu rauschen, verursacht uns modernen Yachties eine Gänsehaut. Unvorstellbar auch ein Landfall, bei dem man erst einmal markante Landschaftspunkte mit den Angaben im Hafenhandbuch vergleichen muss, um herausfinden, wo der sichere Hafen oder Pass durchs Riff liegen könnte. GPS, elektronische Karten, Plotter und ausgeklügelte Autopiloten haben das Segeln revolutioniert und Navigation scheint heutzutage ein Kinderspiel zu sein. Warum landen dann immer noch rund um den Globus Yachten auf Felsen oder Riffen?
Als Cruiser, die ganzjährig im Südpazifik segeln, werden wir immer wieder Augenzeugen von solchen Vorfällen, hören auf unserer täglichen Funkrunde Berichte darüber und können auf dem UKW-Funkgerät Rettungsaktionen des JRCC Tahiti mitverfolgen. Dabei handelt es sich keinesfalls um Ausnahmeerscheinungen. Kaum ein Monat vergeht ohne einen ernsthaften Zwischenfall und dazwischen passiert eine Unzahl kleinerer „Auffahrunfälle“.

Gefahr in der Lagune

Der Großteil davon ereignet sich in einer Lagune. Die meisten Segler küssen den Boden nur sanft mit dem Kiel, manche landen aber auch mit vollem Karacho hoch oben am Riff. Crews navigieren im Blindflug durch korallendurchsetzte Lagunen und verlassen sich ausschließlich auf die elektronischen Charts. Sie wissen nicht, dass viele Lagunen abseits von Pässen und Schifffahrtskanälen praktisch unkartographiert sind. Elektronische Karten zeigen Tiefenangaben und Korallenköpfe, aber beim vorsichtigen Navigieren bei guter Sicht mit einem Ausguck am Bug haben wir festgestellt, dass nur ein Teil der Hindernisse tatsächlich auf den Karten erfasst ist – und wenn, dann oft weit versetzt und mit falschen Konturen. Die Genauigkeit, die da fälschlicherweise vorgespiegelt wird, macht solche Karten für unerfahrene Cruiser oder Chartercrews gefährlicher, als wenn man sie ehrlicherweise einfach blank gelassen hätte.

So wurden wir im Pass von Fakarava, Tuamotus, Zeuge, wie ein Mitglied der „Oyster World Rally“ auf eigene Faust eine Abkürzung zwischen klar markierten Kanälen suchte und prompt auf Grund lief. Vielleicht hatte der Skipper angenommen, dass das hochpreisige Service der Rally-Organisatoren eine automatische Hindernisräumung vor seinem Bug inkludiert …
Andere Crews düsen einfach dahin, ohne sich um Karten oder Ausguck zu scheren.

Die gesamte Story lesen Sie in der Yachtrevue3/2020, am Kiosk ab 28. Februar!

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