Theater der Jugend

Das britische Team holte beim Red Bull Youth America’s Cup den Sieg, das österreichische Candidate Sailing Team scheiterte an der letzten Hürde vor dem Finale

Theater der Jugend

Was die Vorbilder und Mentoren nicht zuwege brachten, haben die jungen Wilden von Land Rover BAR Academy geschafft: Das Nachwuchsteam der Briten bringt zumindest eine Version der ältesten Sporttrophäe der Welt in das Ursprungsland zurück – ganz nach dem von Ben Ainslie ausgegebenen Motto „Bring The Cup Home“.

Der Weg dorthin war an Dramatik kaum zu überbieten. Nach dem ersten Tag lag das BAR-Team bei Leichtwind souverän in Führung, während sich die neuseeländischen Titelverteidiger nur auf Platz fünf wiederfanden. Am zweiten Finaltag, an dem bei stärkeren und drehenden Winden gesegelt wurde, gelang den Kiwis mit drei Siegen eine sensationelle Aufholjagd, die Briten hingegen schienen mit den geänderten Bedingungen weniger gut zurecht zu kommen, segelten über weite Strecken hinterher und produzierten außerdem einen Frühstart. Die Sache schien gelaufen, der Sieg für das NZL Sailing Team gesichert zu sein.

Doch dann kam es an der letzten Wendemarke im letzten Flight zu einer folgenschwere Szene: Das deutsche Team wurde bei der Rundung vom schwedische Team Artemis so bedrängt, dass es die Tonne zwischen die Kufen nahm und dort festhing, die Jury bestrafte dieses Vergehen mit einem Penalty gegen Schweden, später auch gegen Schweiz. Das bedeutet, dass diese beiden Mannschaften stoppen und sich hinter den Deutschen einreihen mussten, was eine kleine Ewigkeit dauerte. Nutznießer des allgemeinen Durcheinanders waren die Briten, die eigentlich weit abgeschlagen auf Rang fünf lagen. Sie segelten an den wartenden oder mit der Boje kämpfenden Kollegen vorbei, verholten sich auf den zweiten Platz – und sicherten sich damit den Gesamtsieg.

Selbst ein alter Hase und America’s-Cup-Insider wie Hans Peter Steinacher rang ob dieser nervenaufreibenden Szenen mit der Fassung. „Das gibt es doch gar nicht. Das hat mit Segeln nichts zu tun. Das ist das Glück dieser Erde. Und das in zwei Minuten. So etwas habe ich noch nie gesehen“, schnaufte der TV-Kommentator.

Glück und Verstand

Das BAR-Academy-Team lediglich als Profiteur einer glücklichen Fügung abzustempeln, greift aber deutlich zu kurz. Die Briten zählten nicht umsonst zu den Top-Favoriten und zeigten im Wettbewerb eine sehr konstante Leistung. Auch Sir Ben Ainslie von der „Senior“-Mannschaft Land Rover BAR, der alle Rennen der Jungen aufmerksam verfolgte, war voll des Lobes: „Wir könnten kaum stolzer auf unser Team sein. Ich war wirklich beeindruckt von der Kommunikation an Bord, vom Bootshandling bei kniffligen Bedingungen und wie sie auch unter Druck Ruhe bewahrten.“
Kompetenzen, die nicht von ungefähr kommen.

Die gesamte Story inklusive einem Interview mit Skipper Lukas Höllwerth und Stefan Scharnagl lesen Sie in der Yachtrevue 7/2017, am Kiosk ab 3. Juli!

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