Die stille Riviera Lykiens

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 © Werner Meisinger

Seltenheitswert. Ankerplatz vor dem Tal der Schmetterlinge, in dem der Tourismus ganz still und langsam betrieben wird

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Im Süden ostwärts. Die Türkische Riviera ist ein besonders reizvolles Fahrtgebiet. Auch der Küstenabschnitt östlich von Fethiye, der von vielen Yachties unbeachtet bleibt, aber von Werner Meisinger intensiv erkundet wurde

Wer seine Hausaufgaben im Fach „Kleinasiatische Geschichte“ gemacht hat, weiß, was es mit Lykien auf sich hat. Andere werden nur raten können, wo dieses Land zu finden wäre. In unserer Zeit ist es gar nicht mehr zu finden, weil es seit Jahrhunderten in der Geographie und weitgehend auch im türkischen Sprachgebrauch keine Rolle mehr spielt. Lykien, ein über mehr als tausend Jahre gewachsenes, zerfallendes und weiter gewachsenes Staatengebilde mit seiner größten Bedeutung im 4. Jahrhundert vor Christus, geographisch unpräzise verortbar an der türkischen Südküste im Bereich zwischen dem heutigen Fethiye und Antalya, ist eher ein mystisches Gebilde als eine Destination, in die man vom Reisebüro vermittelt wird.

Aus dem Blickwinkel von Bootstouristen liegt die Lykische Küste in der ungünstigeren Richtung. Der Yachtverkehr spielt sich hauptsächlich am westlichen Ende der Türkischen Riviera ab. In diesem Bereich zwischen Fethiye, Göcek, Marmaris und Bodrum, in dem man auch Rhodos, Kos und den Golf von Gökova mitnehmen kann, treiben sich die meisten Charteryachten herum. Die touristische Infrastruktur und die Zahl der Anker- und Liegeplätze sind in diesem Fahrtgebiet erstklassig. Hingegen bietet sich von Fethiye ostwärts nur noch Antalya als großes Reiseziel an, eine Stadt mit knapp drei Millionen Einwohnern und kilometerlangen Sandstränden, aber ohne Inseln und Ankerbuchten. Da wollen die meisten Segler eher nicht hin.

Mit der überwiegenden Schar der wind- und wellenbewegten Fraktion Richtung Westen zu treiben, kann für wunderbare Eindrücke und Erlebnisse sorgen (die Yachtrevue berichtete mehrfach darüber). Doch häufig führt der Weg zur Erkenntnis gegen den Strom. In der Philosophie ebenso wie im praktischen Leben.

Ob man ostwärts von Fethiye zu großartigen Erkenntnissen findet, liegt im individuellen Geschick der Weltbetrachtung. Jedenfalls befinden sich auch dort historisch bedeutende, landschaftlich bezaubernde und gastronomisch angenehme Orte. Je weiter im Osten, desto unverstellter lässt sich der türkische Alltag erleben. Nicht eben ein Leben des gehobenen Komforts, doch eines der zufriedenen Gelassenheit.

Mit einer Ladung Komfort und Luxus kann man in den Törn starten, wenn man von Fethiye losfährt. Die Bucht ist mit Einrichtungen für hedonistisch gestimmte Gäste bestens ausgestattet. Wer beispielsweise die Marina des Yacht Classic Hotels (siehe Kasten auf S. 101) als Ausgangspunkt seiner Reise gewählt hat, den erwarten Gourmetmenü, Jahrgangschampagner und fancy Drinks.

Abschied vom Gewusel

Auf der Fahrt nach Osten erreicht man nach rund 40 Meilen Kalkan und damit die nächste Hafenstadt. Der Hafen dient dem regionalen Ausflugs- und Transportverkehr, für Gästeandrang ist er nicht eingerichtet. Außerhalb der Hochsaison, wenn ein guter Teil der Guletflotte zur Renovierung an Land steht, sollten aber Liegeplätze verfügbar sein. Bei entsprechender Information (zum Beispiel durch diese Zeilen) wird man vor dem Ankerfall den Zustand des Ankergrunds inspizieren. Dort nämlich ruhen einige Trossen und Ketten, die zwar die Haltekraft des Ankers erhöhen, das Auslaufen aber beträchtlich verzögern können. (Der Hafen ist nur wenige Meter tief, das Wasser ist sauber, im Notfall lässt sich das Problem per Tauchgang aus der Welt schaffen.)

Der breite Betonstreifen rund um das Hafenbecken von Kalkan dient als Arbeitsfläche und Lagerraum. Von Autoreifen über Maschinen, Boote, Fischereigeräte, Hunde und Katzen lagert und ruht hier alles, was einen Hafen ausmacht, der dem Wirtschafts- und nicht dem Urlaubsleben gewidmet ist. Kein Restaurant drängt sich an die Hafenkante.

Die touristische Infrastruktur ist ein Stockwerk höher angesiedelt. Dort windet sich, von Gummibäumen beschattet und mit Blütenpflanzen verziert, eine Zeile mit Tavernen, Bars und Geschäften des täglichen Bedarfs um die Ostseite des Hafens. In den verwinkelten Gassen den Hügel hinauf sind noch zahlreiche weitere, fallweise anspruchsvollere Restaurants zu finden, einige, wie das Blue Terrace, mit wunderbarem Ausblick.

Den kompletten Törnbericht lesen Sie in der Yachtrevue 2/2026 – am Kiosk ab 20. Februar.