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 © Thomas Semelliker

Rundreise. Wir haben alle Modelle dem Wiener Schuh-Innungsmeister vorgelegt, sind auf verschiedenen Belägen trocken und nass bis 40° gestanden und waren natürlich auch auf Booten und Yachten unterwegs

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Prüfung. Bordschuhe müssen ein breites Anforderungs­spektrum abdecken – unser Test zeigt die Stärken und Schwächen der jeweiligen Modellkategorien. Plus: Leitfaden zur Beurteilung der Qualität sowie Tipps und Tricks aus der Praxis

Für Innungsmeister Mirko Snajdr­­ ist der Yachtrevue-Schuhtest ein vertrautes Szenario, das bis obenhin mit Schuhkartons vollgepackte Auto bringt ihn nicht ins Schwitzen. Die Testkandidaten werden allesamt in die Räume der Sparte Gewerbe und Handwerk Wien der Wirtschaftskammer verfrachtet, dort hat auch die Landesinnung Wien der Schuhmacher ihren Platz. Deren Chef Snajdr erwartet uns bereits mit Kaffee, Geduld und guter Laune. Schon nach wenigen Minuten ist klar: Hier gehen Wissen, Erfahrung und Schmäh Hand in Hand – oder besser gesagt Fuß nach Fuß. Ob seiner Profession steht Snajdr grundsätzlich dem Leder näher als dem Kunststoff, er ist sich aber sehr wohl bewusst, dass im Yachtumfeld und vor allem im Sportboot-Segment spezielle Anforderungen an Material und Funktion herrschen.

Seit dem letzten Bordschuh-Test der Yachtrevue sind einige Jahre ins Land gezogen, die Auswahl der eingereichten Schuhe oblag aber wie immer ausschließlich den Herstellern bzw. den für den heimischen Markt zuständigen Händlern. Eindeutig zu erkennen ist die Tendenz zu funktionellen Bordschuhen und die Abkehr von klassischen Docksides aus Leder; lediglich ein Hersteller übermittelte uns zwei Paar davon zur Begutachtung. Dafür fragmentiert sich das erstgenannte Segment immer stärker, wobei die Spreizung bei sehr sportlichen, stark auf Funktion ausgerichteten Schuhen beginnt und beim Lifestyle-Sneaker mit maritimen Akzenten endet. Reine Damenmodelle sind in dieser Sparte eine Seltenheit. Zwar laufen zahlreiche Segelschuhe unter der Bezeichnung Unisex, dabei handelt es sich aber um einen für Männer optimierten Leisten, der halt auch in kleinen Größen angeboten wird. Nicht sehr frauenfreundlich, muss man sagen …

Auffällig war, dass fast alle getesteten Modelle über eine gelochte und damit wasserdurchlässige Einlagesohle verfügen. Bei der Ableitung des Wassers aus dem Schuh wird entweder auf eine ebenfalls durchlässige Zwischensohle gesetzt oder das Wasser muss seitlich durch das durchlässige Mesh-Gewebe entweichen. Letzterem System traut Snajdr weniger, denn es kommt ja nur jenes Wasser aus dem Schuh, das von der Sohle aus nach oben über die Verklebung bzw. Naht von Ober- und Unterschuh gedrückt wird. Auch für den Laien offensichtlich sind die Unterschiede in der Gestaltung der Untersohle. Manche erinnern an einen Sneaker, also mit gerader Lauffläche ohne Abrollabsatz sowie schmaler Sohlenführung (zum Beispiel Zhik ZKG, Elvström, EdV, Slam Docksides). Sie eignen sich für den gepflegten Landgang durch die Marina und das lässige Betreten der Clubbar. Für längere Ausflüge zur Erkundung des Umfelds oder ausgedehntere Spaziergänge sind sie hingegen weniger geeignet, da der Fuß schneller ermüdet.

Den kompletten Testbericht samt übersichtlicher Tabelle lesen Sie in der Yachtrevue 3/2026 – am Kiosk ab 30. April.

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