Prüfung. Bordschuhe müssen ein breites Anforderungsspektrum abdecken – unser Test zeigt die Stärken und Schwächen der jeweiligen Modellkategorien. Plus: Leitfaden zur Beurteilung der Qualität sowie Tipps und Tricks aus der Praxis.
Für Innungsmeister Mirko Snajdr ist der Yachtrevue-Schuhtest ein vertrautes Szenario, das bis obenhin mit Schuhkartons vollgepackte Auto bringt ihn nicht ins Schwitzen. Die Testkandidaten werden allesamt in die Räume der Sparte Gewerbe und Handwerk Wien der Wirtschaftskammer verfrachtet, dort hat auch die Landesinnung Wien der Schuhmacher ihren Platz. Deren Chef Snajdr erwartet uns bereits mit Kaffee, Geduld und guter Laune. Schon nach wenigen Minuten ist klar: Hier gehen Wissen, Erfahrung und Schmäh Hand in Hand – oder besser gesagt Fuß nach Fuß. Ob seiner Profession steht Snajdr grundsätzlich dem Leder näher als dem Kunststoff, er ist sich aber sehr wohl bewusst, dass im Yachtumfeld und vor allem im Sportboot-Segment spezielle Anforderungen an Material und Funktion herrschen.


Innungsmeister Mirko Snajdr arbeitete sich mit geduldiger Strenge durch neunzehn Modelle und bewertete anhand seines bewährten Schemas.
© Active Agents/SemellikerSeit dem letzten Bordschuh-Test der Yachtrevue sind einige Jahre ins Land gezogen, die Auswahl der eingereichten Schuhe oblag aber wie immer ausschließlich den Herstellern bzw. den für den heimischen Markt zuständigen Händlern. Eindeutig zu erkennen ist die Tendenz zu funktionellen Bordschuhen und die Abkehr von klassischen Docksides aus Leder; lediglich ein Hersteller übermittelte uns zwei Paar davon zur Begutachtung. Dafür fragmentiert sich das erstgenannte Segment immer stärker, wobei die Spreizung bei sehr sportlichen, stark auf Funktion ausgerichteten Schuhen beginnt und beim Lifestyle-Sneaker mit maritimen Akzenten endet. Reine Damenmodelle sind in dieser Sparte eine Seltenheit. Zwar laufen zahlreiche Segelschuhe unter der Bezeichnung Unisex, dabei handelt es sich aber um einen für Männer optimierten Leisten, der halt auch in kleinen Größen angeboten wird. Nicht sehr frauenfreundlich, muss man sagen …
Auffällig war, dass fast alle getesteten Modelle über eine gelochte und damit wasserdurchlässige Einlagesohle verfügen. Bei der Ableitung des Wassers aus dem Schuh wird entweder auf eine ebenfalls durchlässige Zwischensohle gesetzt oder das Wasser muss seitlich durch das durchlässige Mesh-Gewebe entweichen. Letzterem System traut Snajdr weniger, denn es kommt ja nur jenes Wasser aus dem Schuh, das von der Sohle aus nach oben über die Verklebung bzw. Naht von Ober- und Unterschuh gedrückt wird. Auch für den Laien offensichtlich sind die Unterschiede in der Gestaltung der Untersohle. Manche erinnern an einen Sneaker, also mit gerader Lauffläche ohne Abrollabsatz sowie schmaler Sohlenführung (zum Beispiel Zhik ZKG, Elvström, EdV, Slam Docksides). Sie eignen sich für den gepflegten Landgang durch die Marina und das lässige Betreten der Clubbar.
Für längere Ausflüge zur Erkundung des Umfelds oder ausgedehntere Spaziergänge sind sie hingegen weniger geeignet, da der Fuß schneller ermüdet. Wer sich gern und viel bewegt, sei es an Land oder auf einer größeren Yacht, sollte besser ein Modell wählen, das sich an Lauf- und Outdoor-Schuhen orientiert. Angeführt wird dieses Feld vom Zhik Surge, aber auch Gill Pursuit, Marinepool Rid II Tec und Musto LPX Pro Trainer stachen positiv hervor. Eine breit ausgebaute Sohle (= Überstand) sorgt für mehr Standfestigkeit, am breitesten ist der Slam OD Shoe. Auf die Rutscheigenschaften hat die – wir sagen es im Seglerjargon – „Vorbiegung“ des Schuhs weniger Einfluss, als man intuitiv annehmen würde. „Auf schiefem Untergrund wie einem krängenden Boot wird der Druck in erster Linie über den Vorfuß und den Schuh auf das Deck übertragen“, erklärt Meister Snajdr, „entscheidend dabei sind in erster Linie die Materialeigenschaften: Je näher die Plastiksohle an den Naturkautschuk herankommt, desto weniger rutscht man mit dem Schuh. Und je kälter es ist, desto stärker wirkt sich der Materialeffekt aus.“


Außergewöhnlicher Hybrid
Ein Schuh stach in jeder Hinsicht hervor. Er mischte sich geschickt unter die aktuellen Kandidaten, hätte aber auch bei dem für den Herbst angesetzten Stiefeltest gut und gern dabei sein können. Die Rede ist vom Zhik Surge X, dem SUV unter den Fuß-Bekleidungen. Sein Unterbau stammt vom ebenfalls getesteten Surge-Modell, darüber hat Zhik eine wasserdichte Stiefelette gesetzt und so den Look und Komfort eines Bordschuhs mit den Eigenschaften eines Segelstiefels kombiniert. „Als Jurymitglied von EYOTY und EPY bin ich oft für einige Tage unterwegs um Yachten zu testen. Meist mit dem Flieger, fast immer nur mit Handgepäck. Platz für Stiefel gibt es nie, sie fehlen aber häufig, denn wir gehen bei jedem Wetter aufs Wasser. Bei seinem ersten Einsatz im frostigen Schweden hat der Surge X alle Erwartungen erfüllt“, schildert Roland Regnemer, Chefredakteur und subjektiver Bootsschuhtester, seine persönlichen Erfahrungen mit diesem Modell.


Der Zhik Surge überzeugte Innungsmeister Mirko Snajdr am meisten.
© ZhikDer Kriterienkatalog
Wie bei den vergangenen Tests vertrauten wir bei der Qualitätsbeurteilung der Schuhe auf das Know-how von Mirko Snajdr. Der Innungsmeisters der Landesinnung Wien der Schuhmacher fertigt in seinem Betrieb in der Wiener Spengergasse Maßschuhe und bietet darüber hinaus ein kleines, ausgewähltes Sortiment von der Stange an. Auch heuer hat er für uns alle Schuhe anhand der folgenden fünf Kriterien mit jeweils ein bis fünf Sternen bewertet.
Einlegesohle
Zu diesem Aspekt ging der Innungsmeister (wie auch schon in der Vergangenheit) mit den Herstellern hart ins Gericht, da selbst relativ teure Schuhe lediglich mit dünnen Billigprodukten ausgestattet waren. Eine gute Einlegesohle ist herausnehmbar (um sie trocknen zu können), stabil, ergonomisch geformt und im Fersenbereich gedämpft. Sie stützt den Fuß, verbessert den Halt und sorgt für ermüdungsfreies Gehen sowie weichen Tritt. Beim aktuellen Test gab es zwar keine herben Enttäuschungen, so richtig überzeugen konnte den orthopädischen Schuhmacher jedoch kaum ein Modell.
Wichtig zu wissen: Beim klassischen Dockside ist die fehlende Einlegesohle kein Mangel sondern eine Art Markenzeichen; hier findet sich in der Regel (wie beim Mokassin) eine halbe, hauchdünne und eingeklebte Ledereinlage.


Flexibilität
Diese Eigenschaft ist wichtig, weil sie die natürliche Abrollbewegung des Fußes unterstützt. Überprüfen lässt sie sich, indem man den Schuh an der Ferse festhält und den Vorfußbereich auf eine ebene Fläche drückt. Bleibt die Sohle von der Ferse bis zum Ballen steif und biegt erst danach, ist aus ergonomischer Sicht alles im Lot. Biegt der Schuh hingegen in der Mitte, ist das ungünstig, weil der Rand dann im Ristbereich nach außen knickt.
Fersenführung und Fersenversteifung
Die Ferse sollte steifer sein als der Rest, dann ist sie stabil, sprich sie gibt dem Fuß Halt und sorgt für sicheren Tritt. Zu Überprüfungszwecken quetscht man den Fersenbereich zwischen Daumen und Zeigefinger zusammen – spürt man ordentlich Widerstand, ist alles fein. Weiters wichtig: Der Fersenteil darf nicht zu hoch geschnitten sein, sonst kann es zu Druckstellen unter dem Knöchel kommen.
Verarbeitung
Ist die Innensohle angeklebt, kann das ein Warnsignal sein; möglicherweise versucht der Hersteller auf diese Weise schlampige Verarbeitung zu kaschieren. Mit losen Fäden kann man leben, problematisch sind Unebenheiten im Schuh, die Druckstellen generieren. Besonders heikel ist jener Bereich, in dem die Zunge angenäht ist, und wo Fütterung oder Fersenführung enden. Potenzielle Problemstellen lassen sich durch Ertasten lokalisieren.
Sohlenstruktur
Eine möglichst geringe Schmutzaufnahme ist vor allem für jene Schuhe wichtig, die an Bord und an Land gleichermaßen getragen werden. Am wenigsten Schmutz nimmt die Messerschnitt-Profilsohle auf, überraschender Weise schlägt sich in dieser Hinsicht auch die sehr grobe Sohle der Crocs ausgezeichnet. Insgesamt scheint das Messerschnittprofil aber aufgrund der aufwendigen und damit teuren Fertigung zunehmend von der Bildfläche zu verschwinden. Der Praxistest zeigte jedoch, dass sich auch in gröberen Strukturen weniger Steinchen festsetzen, als man befürchten würde. Generell empfiehlt der Schuhmachermeister bei heiklen Decksbelägen die Bordschuhe wirklich nur für die Zeit am Wasser zu nutzen und für den Landgang auf anderes Schuhwerk zurückzugreifen.
Tipps und Tricks
Praxisnah. Wir haben die Gelegenheit genutzt und sowohl mit Mirko Snajdr als auch einigen Herstellern die drängendsten Alltagsfragen besprochen.
Was mache ich mit Salzwasser-nassen Schuhen?
„Mit Süßwasser spülen, sonst fangen sie schnell und übel zu stinken an. Die Sohlen falls möglich herausnehmen und beides an einem warmen Ort – zum Beispiel im Maschinenraum – trocknen lassen. Direkte und intensive Sonneneinstrahlung ist auf jeden Fall zu vermeiden“, rät Michael Schnell von der Peter Frisch GmbH, die unter anderem die Marken Musto und Zhik vertreibt.
Wie reinige ich meine Bootsschuhe – auch die Sohle – richtig?
„Eine sanfte Seifenlösung verwenden, um Schmutz, Sand und organische Rückstände materialschonend zu lösen. Schuhe an der Luft trocknen lassen, dabei direkte Sonneneinstrahlung oder künstliche Hitzequellen wie Heizkörper oder Heizlüfter meiden, um Materialermüdung und Verformung vorzubeugen“, schildert Robert Appelt von Marinepool die korrekte Vorgehensweise. Mirko Snajdr warnt zusätzlich vor der Waschmaschine: Sowohl Waschmittel als auch das schnelle Drehen in der Trommel (Abschürfungen!) schaden dem Material.
Für Stiefel zu warm, für Bordschuhe zu kalt – was tun?
„In der Übergangszeit empfehlen wir Thermal- oder Merino-Socken Sie halten die Füße warm, ohne dass es zu Überhitzung und damit Schweißbildung kommt, und die Feuchtigkeit wird effektiv abgeleitet. Alternativ können wasserdichte Socken eine hervorragende Wahl sein, insbesondere bei wechselhaftem und kaltem Wetter. Sie lassen sich gut mit Deckschuhen kombinieren“, erklärt Gunnar Struckmann von Gill.
Wie erkenne ich die für mich richtige Schuhgröße?
„Die Faustregel lautet: Zwischen Schuhspitze und großer Zehe sollte eine Daumenbreite des Schuhträgers Platz finden. Dann hat man üblicherweise genug Platz zum Bewegen der Zehen und trotzdem der Passform entsprechend Halt im Schuh“, erklärt Mirko Snajdr.
Gibt es einen Schuh für alle Gelegenheiten?
Da sind sich Schuhmachermeister und Segelindustrie einig: „Idealerweise geht man mit einem Paar Schuhe bis zum Boot und zieht dort dann den eigentlichen Bordschuh an. Eine Sohle, die gar keine Steinchen oder Steine aufnimmt, wurde nämlich noch nicht erfunden.“
Boardschuhe: Testergebnis
Deckschuh Unisex
Slam OD Shoes

Marke: Slam
Modell: OD Shoes
Typ: Deckschuh Unisex
Allrounder Unisex
Slam Nabuck Boat Shoe
Marke: Slam
Modell: Nabuck Boat Shoe
Typ: Allrounder Unisex
Slam Boat Shoe
Marke: Slam
Modell: Boat Shoe
Typ: Allrounder Unisex
Zhik ZKG Shoe

Marke: Zhik
Modell: Boat Shoe
Typ: Allrounder Unisex
Deckschuh Herren
Sail Racing X On Cloudregatta
Marke: Sail Racing
Modell: SR X On Cloudregatta
Typ: Deckschuh Herren
Gill Pursuit Trainer

Marke: Gill
Modell: Pursuit Trainer
Typ: Deckschuh Herren
Marinepool Tempest Sneaker

Marke: Marinepool
Modell: MP Tempest Sneaker
Typ: Deckschuh Herren
Marinepool Rid II Tec Sneaker

Marke: Marinepool
Modell: MP Rid II Tec Sneaker
Typ: Deckschuh Herren
Musto LPX Pro Trainer

Marke: Musto
Modell: LPX Pro Trainer
Typ: Deckschuh Herren
Elvström Rimini 54

Marke: Elvström
Modell: Rimini 54
Typ: Deckschuh Herren
Equipment de Vie Offshore Leno White

Marke: Equipment de Vie
Modell: Offshore Leno White
Typ: Deckschuh Herren
Gill Verso Race Trainer

Marke: Gill
Modell: Verso Race Trainer
Typ: Deckschuh Herren
Zhik Surge Performance Race

Marke: Zhik
Modell: Surge Performance Race
Typ: Deckschuh Herren
Musto Dynamic Race Trainer

Marke: Musto
Modell: Dynamic Race Trainer
Typ: Deckschuh Herren
Rooster SB Deck Trainer

Marke: Rooster
Modell: SB Deck Trainer
Typ: Deckschuh Herren
Special
Crocs Classic Boat Shoe

Marke: Crocs
Modell: Classic Boat Shoe
Typ: Special
Zhik Surge X

Marke: Zhik
Modell: Surge X
Typ: Special
Deckschuh Damen
Marinepool Ocean Lady Deckshoe

Marke: Marinepool
Modell: MP Ocean Lady Deckshoe
Typ: Deckschuh Damen
Musto Dynamic Race Trainer

Marke: Musto
Modell: Dynamic Race Trainer
Typ: Deckschuh Damen

