Dollar, Wodka oder Powidl

Laut einem unbekannten Philosophen ist die Art und Weise, wie ein Mensch Probleme löst, von seiner Herkunft abhängig

Dollar, Wodka oder Powidl

Goran Nešić, im Brotberuf Stützpunktleiter in Griechenland, sitzt in einer kleinen Taverne. Ich darf ihm Gesellschaft leisten bei einem griechischen Kaffee mit wenig Zucker. Wir beobachten ein überaus schwieriges Buganker-Manöver. Ein Norweger macht seine Yacht bei dreißig Knoten Seitenwind binnen Sekunden fest. Unter anderem, weil der zweite Mann eine Leine wie ein Lasso gegen den Wind über die Klampe des Nachbarschiffs wirft und so den Bug stabilisiert.

„Problem gelest“, konstatiert Goran anerkennend. „Sind nur zwei Mann. Keine Zufall. Sind Norweger.“ Jetzt holt der kroatische Griechenland-Legionär zu einer reichhaltigen Analyse aus seinem internationalen Erfahrungsschatz aus:

„Ami lest Problem mit Dollar. Russe lest Problem mit Wodka. Schwede lest Problem mit Imbusschlissl. Finne redet nicht iba Problem. Kroate lest Problem morgen. Problem von Slowene is immer Kroate. Problem von Serbe ist immer Bosniak, genauso wie umgekehrt. Grieche lest Problem gor net. Pole nix merkt, dass hat Problem. Problemlesung von Schweizer is optimal perfekt, aber dauert Minimum eine Jahr. Deitsche sagt, Problem is nicht Problem, sondern is Herausforderung und macht große Organisationsplan, was geht total schief wie Flughafen Berlin. Franzose sagt: Ganze Problem is nur Test fir Crew, geht bumsen mit seine Mdame Pompadour in die Vorschiff, raucht nachher Gitanes ohne Filter und stirbt an Lungenkrebs, bevor Problem is gelest.“

Goran raucht sich eine griechische Karelia an, hustet kurz und redet weiter:

„Slowak lest erste Problem, mit machen zwei neiche, gressare Problem.

Tscheche ist sehr froh, dass Problem ist nicht die Backrohr und schickt Frau in Kiche, dass macht Knedliki mit Powidl. Chinesa steckt erste Mann, was verwendet die Wort Problem, in Gefängnis. Japaner kopiert deitsche Organisationsplan, lest Problem aber schneller als Deitsche. Mann von Portugal holt Gitarre, singt Fado und alle Crew weint iba Problem. Engländer sagt Europe continent makes all big problems und singt Good Save the Queen! Irishman trinkt drei Guinness, schreibt eine Song iba Problem und wird weltberihmt. Wenn Schotte hat Problem, versteht keiner, was ibahaupt is Problem, weil ibahaupt keina versteht Schotte. Dafir hat Schotte immer Whisky. Apropos: Danke für die Ouzo! Živjeli! Oder besser: Jamas!“

Ich bin so fassungslos, dass ich nicht einmal das Wort „Prost“ rausbring‘. Aber Goran ist eh nicht zu bremsen.
„Holländer raucht kleine Joint für kleine Problem und große Joint für große Problem, bis Problem ist lustig. Belgier findet Problem auch dann lustig, wenn nicht hat geraucht Joint. Dass Luxemburger hat Problem, ist nicht wahrscheinlich, weil gibt zu wenig Luxemburger. Wenn Türk hat Problem, holt Bruder, Cousin, Schwager, die was missen lesen Problem fir Ehre von Familia.

Italiener reden, reden, reden mit Hände und Fiße, bis keine weiß mehr, was is ibahaupt Problem. Anders Sizilianer. Sizilianer sagt gar nix. Sizilianer lässt verschwinden Problem in Beton in Meer. Spanier niemals selba hat Schuld fir Problem und fordert Mann, was zufällig steht auf Steg, zu Duell mit Pistole auf zehn Schritte. Friher bei Problem Spanier ist geritten mit Lanze gegen Windmihle. Hat aber sich nicht bewährt. Anders Ungar: Wenn Ungar hat Problem, erschießt sich selba. Noch anders Sidamerikaner: Sidamerikaner erschießt Problem.“
Unvorstellbar, dass ein einziger Mensch innerhalb von fünf Minuten so viele Klischees abfeuern kann, ohne wirklich bösartig zu sein. Eines fehlt aber noch. Naturgemäß das interessanteste für mich. „Und was bitte ist mit uns Österreichern?“, frage ich.

„Haaa, Estareicha! Estarreicha brüllt die einzige Mann an, was kann lesen Problem, und fragt ihn, ob er is deppat.“
So eine Frechheit! Soll er sich den verdammten Ouzo doch selber zahlen!

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