Trixis faule Tricks

Damentörn II. Auch die zweite Runde des sprichwörtlichen Mauserls auf einem Schiff mit lauter Frauen liefert erstaunliche Erkenntnisse

Trixis faule Tricks

„Männer sind Schweine, traue ihnen nicht, mein Kind,“ singen Die Ärzte. Trixi, meine Chefinformantin, die ich in der November-Yachtrevue vorgestellt habe, widerspricht nicht. Aber sie ergänzt: „Frauen sind genauso!“ Damit hat das Mauserl nicht gerechnet! Hat Trixi soeben das bestgehütete Geheimnis der Menschheit gelüftet? Den sagenumwobenen Inhalt von Frauengesprächen?

„Teilweise“, rudert die Seglerin zurück. „Sobald ein anderes Segelschiff in Sicht kommt, beginnt so wie bei Männern die Regatta.“ Mauserl ist enttäuscht. Es hatte nicht an das Kampfschwein gedacht, sondern sich eher auf verbale Schweinereien gefreut. „Naja“, grübelt Trixi. „Manchmal wird viel über Männer geredet. Weder zimperlich noch anständig.“
Mauserl platzt vor Neugier: Geht es auch um hervorstechende körperliche Vor- und Nachteile? Oder nur um unbedeutende Charakterzüge? Etwa darum, wer seine Hemden selber bügelt? „Mach dich nicht lächerlich“, sagt Trixi. „Glaubst du, dass ich dir das verrate?“ Jetzt kommt ihr sogar ein „Hi-hi-hi“ aus. Ich hab’ den Verdacht, dass es sich um ein schmutziges „Hi-hi-hi“ handelt.

Was auf dem Schiff passiert, bleibt auf dem Schiff! In diesem Punkt sind Frauen konsequenter. Trixi gibt zu, dass auch auf Frauenschiffen Missgeschicke passieren. „Besonders, wenn alle durcheinander reden. Vier Frauen führen oft fünf Gespräche gleichzeitig.“ Geht es um das Schätzen von Entfernungen, wird sogar Trixi rot: „Hast du gewusst, dass drei Bootslängen zehn Meter sind? Auch wenn das Boot fünfzehn Meter lang ist?“ Auch viele Männer können die Entfernung zum Steg beim Anlegen nicht gut schätzen. „Die rufen dann irgendeine Ziffer, sind davon aber hundertprozentig überzeugt“, lacht Trixi. „Frauen irren sich um das Drei- bis Vierfache, piepsen Zahlen zwischen fünf und fünfzig, fügen aber kleinlaut hinzu, dass sie ganz schlecht schätzen können.“

Einmal musste Trixi beim Anlegen lautstark kommandieren. Unmittelbar nach dem gelungenen Manöver wandte sich ein Bootsnachbar blöd grinsend an den einzigen Mann auf dem Frauenschiff: „Skipper, du bist wirklich ein armes Schwein!“ Und weiter: „Deine Frau ist ja mörderisch anstrengend!“

Das vom Nachbarn so herzlich bemitleidete Mannsbild war weder Trixis Ehegatte noch Skipper, sondern eine totale Landratte, die gar nicht segeln konnte. Aber immerhin war zumindest schon vor mir ein Nagetier auf einem Frauenschiff unterwegs. Eine Ratte, kein Mauserl. Das muss ich betonen! Mauserln verlassen beispielsweise keine sinkenden Schiffe …

Trixi seufzt. Manchmal sei es schwierig, eine Frauen-Crew aus dem Weiberl-Modus zu holen. „Da wollen alle in der Sonne sitzen und finden, dass das Segel zu viel Schatten wirft“, sagt sie ernst. Doch wenn Action aufkommt, sei alles ganz anders: Da mutiere die Zierlichste zur Kurbel-Löwin, die Kleinste zur Muring-Bärin und die mit der Piepsstimme zum Master & Commander. „Wo die Kraft nicht reicht, setzen die Mädls ihren Verstand ein: Winschkurbel, um Festmacher dicht zu holen. Spinnaker-Fall, um Dinghi zu wassern.“ Solche Tricks, so meint Trixi, könnten sich viele Männer abschauen. „Aber die Hirschen müssen ja um jeden Preis den Kraftprotz spielen.“

Männer aufgepasst: Manchmal setzen Frauen den Weiberl-Modus gezielt ein: Wir warten bei der Tankstelle. Zehn Yachten vor uns. Die Frauen-Crew beginnt lautstark zu schnattern. Ein Fender fällt ins Wasser, wird unter wildem Gekreische geborgen. Das Boot dreht sich scheinbar unkontrolliert am Teller. Der Skipper jener Yacht, die zum Tanken dran wäre, verliert aus Angst oder aus Mitleid die Nerven und winkt das Frauenschiff vorbei. „Das sind die Waffen der Frau“, lacht Trixi. Und diesmal ist ihr „Hi-hi-hi“ definitiv sehr, sehr schmutzig.

(Ende des Zweiteilers. Näheres über meine geheimen Quellen finden sich u.U. auf www.sailswoman.at)

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