Aller Anfang ist schwer

Ulli und Christoph Potmesil haben sich für ein Jahr freigespielt und wollen auf eigenem Kiel von Holland aus Richtung Süden segeln. Ehe sie die Leinen lösen konnten, waren die beiden Niederösterreicher aber mit Herausforderungen aller Art konfrontiert

Aller Anfang ist schwer

Der Captain hat alles im Griff: Rechts hält er das Steuerrad, links eine Flasche Perrier-Jouët Grand Brut in Händen. Wind und Welle rauschen über das Heck von Maha Nanda, über der Schmetterlingsbesegelung wölbt sich kitschig blau der Himmel. Was für eine Premiere! Nein, wir sind keine Segel-Novizen, aber hier und heute, am niederländischen IJsselmeer und auf dem Weg von Stavoren nach Enkhuizen, segeln wir unsere Yacht zum ersten Mal unter Vollzeug. Wenn das kein Grund für Champagner ist ...

Der Weg bis Stavoren war weit, aber vor uns liegt ein noch viel weiterer. Wir, Captain Christoph und Crew Ulli, ein Paar aus Niederösterreich, wollen dem meerlosen Zustand der Heimat für ein Jahr den Rücken kehren und Richtung Süden segeln. Geheimes Ziel: Karibik. Aber alles ist möglich und nach Portugal links ins Mittelmeer abbiegen auch keine Schande.

Jetzt aber die Niederlande, genauer gesagt Friesland, denn wir haben den wahnsinnig anmutenden Plan, in Lemmer am IJsselmeer eine 40 Jahre alte Stahlyacht zu erwerben, trotz vieler mitleidiger Blicke in die Tat umgesetzt. Unsere alte Lady ist eine Wibo 1100 Van de Stadt Design 36, ein gemäßigter Langkieler mit Stehflosse.

Zwei Jahre lang haben wir all unsere freien Tage für 1.300-Kilometer-Reisen nach Lemmer genutzt, wo wir nach und nach die Schönheitsfehler unserer Maha Nanda ausmerzten. Nicht alle, aber einige, denn wie jeder Eigner weiß, wird die To-Do-Liste komischerweise mit jedem abgehakten Punkt länger. Dieses Paradoxon ist, wie ebenfalls jeder Eigner weiß, gekoppelt mit dem Phänomen, dass eine Arbeit, die daheim fünf Minuten dauern würde, an Bord fünf Stunden in Anspruch nimmt. So wuchs uns die Werft im Jachthaven Friese Hoek, in der wir wochenlang hausten, richtiggehend ans Herz. Schrebergarten-Feeling machte sich breit, während wir wie in einer Raumkapsel über dem Parkplatz schwebten und es uns in Maha Nanda häuslich einrichteten; Kräutergarten an Deck inklusive. Wir gehörten quasi schon zum Werft-Inventar, denn in Friese Hoek ist man unkompliziert, was Gastarbeiter anbelangt: Werkzeug ausleihen? Kein Problem. Mal für ein paar Stunden die Werkbank benutzen? Aber gerne. Ein bisschen Lack für das Unterwasserschiff? In der Garage steht eine Dose.

Dass wir unserem Schicksal als Werft-Faktotum entkamen und Lemmer letztendlich doch verließen, ist nur unserer unbändigen Reiselust sowie vollstem Arbeitseinsatz zu verdanken. Einen Monat lang gelang uns das Kunststück, täglich Maha Nandas Inneres nach außen zu kehren und den gemütlichen Salon in eine Kombination aus Rumpelkammer und Werkstatt zu verwandeln. Von Bilgepumpe über Wassersystem, von Ankerwinde über Navigationsinstrumente – alles wurde erneuert. Fast hätten wir, die wir im Akkord schufteten, unseren geplanten Ablegetermin eingehalten. Fast …

Große und kleine Hürden


Da gibt es nämlich noch den Faktor X, der für unplanbare, unsteuerbare und durch Fremdeinwirkung verursachte Verzögerungen steht. Nehmen wir als Beispiel den Träger-Mann, sprich den Chef jener Ein-Personen-Firma, bei der wir im Spätsommer den Nirosta-Träger für Windgenerator und Solarpaneel in Auftrag gegeben hatten. Leider hatte er über den Winter offenbar Besseres zu tun, als diesen zu montieren. Gerade als wir gemütlich im Cockpit beim Frühstück saßen, tauchte er auf und begann Maha Nanda zu vermessen – so wie er es bereits im Herbst 2018 getan hatte. Tage später kehrte er zurück, warf die Teile an Deck, erklärte, er habe keine Berechtigung diese zu montieren, und rauschte ab. Captain Christoph tat also zähneknirschend, wofür er eigentlich den Träger-Mann bezahlt hatte: Er montierte das Ding. Und zwar drei Mal, denn Sekunden bevor wir den Windgenerator in Gang setzten wollten, entdeckte der scharfsinnigste aller Captains einen kleinen Konstruktionsfehler, der den Generator beim ersten Windstoß zertrümmert hätte: Der Träger war zu kurz, die Flügel stießen an der Querstange an.

Zum Glück ist Lemmer nicht der miserabelste Ort der Welt, um festzusitzen.

Die gesamte Story lesen Sie in der Yachtrevue9/2019, am Kiosk ab 6. September!

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