Spann deine Schwingen

Hans Spitzauer hat seiner Lago 26 tatsächlich Foils verpasst. Die ersten Segelversuche der Baunummer 1 fanden am Plattensee statt, verliefen vielversprechend, aber nicht ganz friktionsfrei

Spann deine Schwingen

Wer Neuland betritt, geht selten die kürzesten Wege. 2017 wurde Hans Spitzauer vom Unternehmer Dieter Schneider beauftragt, den Jollenkreuzer Lago 26 mit Tragflächen auszustatten und ihn damit zum Abheben zu bringen. Der Weltklasse-Segler stellte sich dieser Herausforderung mit großem Engagement, holte sich für die Entwicklung der Foils einschlägige Unterstützung bei dem neuseeländischen Spezialisten Hugh Welbourne, ließ Anfang des Jahres 2018 in der ungarischen Lago-26-Werft einen Prototypen bauen und wollte mit diesem im Frühjahr aufs Wasser gehen. Doch ganz so schnell wollte sich das Rad nicht drehen. Zum einen erwies sich der Einbau der Foils schwieriger als gedacht und gelang erst zufriedenstellend, nachdem der in England lebende Welbourne angereist war und konkreten Input gegeben hatte, zum anderen war Spitzauers persönlicher Kalender so engmaschig durchgetaktet, dass ihm kaum Zeit und Energie für sein jüngstes Kind blieb. Die Dinge verzögerten sich – für ein Projekt dieser Größenordnung nicht unüblich – und so wurde es Ende November, bis die Lago26 F erstmals in ihr Element durfte. Schauplatz der Wasserung war der Hungária Yacht Club in Balatonfüred, der Segeltest für vier Tage anberaumt. Vor Ort am Plattensee befand sich neben Spitzauer und Schneider das neu formierte Candidate Sailing Team (siehe auch Kasten), darunter fünf Burschen, die Österreich vor Bermuda beim Youth America’s Cup vertreten hatten. Alle waren bis in die Haarspitzen motiviert und konnten es kaum erwarten, die Lago 26 in der Luft zu sehen. Gemeinsam wurde das Boot zunächst segelfertig gemacht: Mast stellen, Wanten ablängen und vordehnen, Rigg einstellen, Systeme einbauen und überprüfen und so weiter und so fort. Als alle und alles bereit für die erste Ausfahrt waren, mangelte es allerdings an Wind; kein Lüftchen strich über den spätherbstlich-nebeligen Plattensee. Spitzauer machte das Beste daraus und ordnete einen Schlepptest hinter dem Motorboot an: Gezogen von 200 PS, rauschte die Lago über den See und hob sich mit Leichtigkeit auf die beiden geschwungenen, in der Höhe verstellbaren Tragflügel. An den nächsten Tagen konnte dann bei Wind zwischen 5 und 12 Knoten gesegelt und zum Teil auch gefoilt werden – bis irgendwann das Karbonschwert abriss. „Drei Mann sind im Trapez gestanden, wir waren knapp davor abzuheben und haben bewusst noch mehr Druck genommen um ganz aus dem Wasser zu kommen“, beschreibt Spitzauer die Situation, „auf einmal gab es einen gewaltigen Kracher, der Rumpf ist seitlich weggerutscht beziehungsweise nach Luv gekippt und die Crew im Trapez ordentlich ins Schleudern gekommen. Ein Blick in den Schwertkasten hat genügt um zu wissen: Das Ding ist ab.“ Zurück an Land wurde das ramponierte Kohlefaser-Schwert ausgebaut und durch ein herkömmliches GfK-Modell ersetzt, das allerdings dasselbe Schicksal erlitt – glatter Bruch bei etwa zwölf Knoten Wind.

Aufschlussreiche Erkenntnisse

Frustriert ist Hans Spitzauer ob dieses Zwischenfalls nicht. „Das zu beheben ist keine Hexerei“, ist er sich sicher, „das Teil war schlicht und einfach zu gering dimensioniert.“ Denn die löffelartig geformten Foils würden gar keine seitlichen Kräfte aufnehmen, so Spitzauer, und diese daher zur Gänze auf das Schwert einwirken.

Die gesamte Story lesen Sie in der Yachtrevue 1/2019, am Kiosk ab 2. Jänner!

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