Meyer Bootswerft

Seit 160 Jahren werden in Aggsbach Markt an der Donau Boote gebaut, gewartet und verkauft. Die jüngste und fünfte Generation hat die Weichen gestellt, um den Familienbetrieb weiterhin fit für die Zukunft zu halten

Meyer Bootswerft

Nur wer die Vergangenheit kennt, versteht die Gegenwart und kann die Zukunft gestalten. Erstreckt sich die Vergangenheit über einen Zeitraum von 160 Jahren, kann man besonders viel aus der Geschichte lernen, und so wird die von einem Onkel erstellte Meyer’sche Familien- und Werftchronik von den jüngeren Familienmitgliedern als wertvoller Schatz angesehen. "Es ist wichtig, sich vor Augen zu führen, wie es früher einmal war", ist Christopher Meyer überzeugt. Der ??-Jährige, der sich in der Motorenwerkstatt am wohlsten fühlt, arbeitet seit mehr als zehn Jahren im Familienbetrieb und hat 2011 dessen Leitung übernommen. In fünfter Generation und gemeinsam mit seiner Schwester Patricia, die für den Handel mit Sportbooten und die Betreuung von Stammkunden zuständig ist, sowie seiner Frau Christiane, die sich um Gewerbe- und Behördenkunden kümmert.

Der Grundstein für die Bootswerft wurde 1862 von Georg Meyer gelegt. Der “Zillenschoper”, wie er in der Familienchronik genannt wird, baute traditionelle Holzschiffe und Zillen sowie Rollfähren für die Gemeinden Spitz und Weißenkirchen an der Donau. Auch sogenannte Trauner, die Holz und Salz transportierten, gehörten zu seinem Repertoire. Diese bis zu 40 Meter langen Transportschiffe wurden manuell aus so genannten Wurzelkipfen, also Spanten aus entsprechend gewachsenem Wurzelholz, gefertigt.

Alleskönner Kunststoff

Bis in die 1950er Jahre verließen ausschließlich Holzschiffe die Meyer Bootswerft, erst in den 1960ern wurde das Ende dieser Ära eingeläutet, als Brunhilde Meyer, die Großmutter von Patricia und Christopher Meyer, die Zeichen der Zeit erkannte. Man stieg in den GfK-Bootsbau ein und fertigte Arbeitsboote für die Donaukraftwerke sowie Rundfahrtboote für Stauseen in Sperrholz-Polyester Mischbauweise. In den 1970er Jahren wurden aus dem neuartigen Werkstoff nicht nur maßgefertigte Boote für Einsatz- und Vermessungsorganisationen, sondern auch Segel- und Ruderboote für Verleih und Privatkunden gebaut. Mitte der 1980er Jahre ging die Familie den nächsten Schritt. An der Donau entstanden die ersten Sportboothäfen und damit waren Einstellplätze, Wartungs- und Servicedienstleistungen gefragt. Wenig später stieg man mit der Vertretung der schwedischen Werft Nimbus auch in den Handel mit Sportbooten ein; heute vertritt Meyer die Marken Quicksilver, Yamarin, Buster, Flipper, Bella und Aquador und ist Vertriebs- und Servicepartner für Motoren von Yamaha, Mercury sowie Volvo Penta.

Auf sicheren Beinen

Eigenproduktion, Handel und Service, das sind nach wie vor die drei Standbeine, die die Werft tragen und ihren Erfolg zu etwa gleichen Teilen sichern. Für Christopher Meyer, der eine HTL für Maschinenbau absolviert hat und den elterlichen Betrieb immer schon übernehmen wollte, macht genau diese Vielfalt den Reiz aus. "In einem anderen Betrieb würde mir die Abwechslung fehlen", glaubt er.

Sich zurücklehnen und mit dem Status Quo arrangieren, das wäre bequem, ist aber so gar nicht die Einstellung der Jungen. "In den letzten drei Jahren hat sich viel bei uns getan", erzählt Christiane beim Rundgang über das weitläufige Werftgelände. So wurde erst kürzlich die siebente Winterlagerhalle in Betrieb genommen, auf deren Dach sich eine PV-Anlage zur autarken Stromversorgung befindet. Aufgrund der langen Warteliste war sie bereits vor ihrer Fertigstellung ausgebucht … Insgesamt 130 Boote werden von der Meyer Bootswerft derzeit betreut – gut, dass Patricia und Christopher nach wie vor auf die Unterstützung ihrer Eltern zählen können, wenn Not am Mann oder an der Frau sein sollte.

Das gesamte Firmenporträt lesen Sie in der Yachtrevue 9/2022, am Kiosk ab 2. September!

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