Alles im Griff

Wer seine Schot nur nach der Farbe kauft, wird daran beim Segeln keine Freude haben. Wir haben recherchiert, welche Kriterien für die Wahl der richtigen Leine wirklich wichtig sind

Alles im Griff

Die Schot ist die entscheidende Verbindung zwischen Segel und Mensch – und wird dennoch häufig unterschätzt bzw. zu wenig beachtet. Das ist schade, denn eine zu Segel und Decksausrüstung passende Schot trägt wesentlich zu Segelleistung und Sicherheit bei. Der Trend zur immer stärkeren Spezialisierung hat auch vor dem Tauwerk nicht Halt gemacht: Heute wird für jeden Einsatzbereich eine spezielle Leine angeboten; Leinen, die genau auf einen bestimmten Stopper eines Herstellers abgestimmt sind, treiben diese Entwicklung auf die Spitze. Wer unvorbereitet in den bunten Katalogen der Leinen-Hersteller blättert, verliert ob der schieren Größe des Angebots schnell den Überblick und greift in der Not einfach zu einer Leine in der Lieblingsfarbe.

Dabei ist es gar nicht so schwierig, die richtige Wahl zu treffen, wenn man sich mit den Basics vertraut gemacht hat und einige Grundregeln befolgt. Ob eine Leine zum geplanten Einsatzbereich passt, hängt im Grunde nur von Material und Konstruktion ab. Beide Faktoren wirken sich direkt auf Preis, Dehnungsverhalten, Bruchlast, Abriebfestigkeit, Lebensdauer, Handling und Haptik aus.

Welches Material?

Leinen, die auf modernen Booten und Yachten zum Einsatz kommen, bestehen immer aus Kunstfasern. Das Grundmaterial, aus dem diese Fasern gefertigt werden, basiert bei Schoten aus fünf unterschiedlichen Kunststoffen, wobei Polyester und Polyethylen mehr als 90 Prozent ausmachen.

Polyester
Polyester ist eine Allround-Faser, die über eine für viele Anwendungen ausreichende Bruchlast und gute Abriebfestigkeit verfügt, eine passable Dehnung aufweist, zudem salzwasser- und UV-beständig sowie zu moderaten Preisen erhältlich ist. Polyester ist allerdings relativ schwer, nimmt Wasser auf und hat im Vergleich zu Dyneema (= hochfestes Polyethylen) schlechtere Werte bei Reck und Bruchlast.
Einsatzbereich: Gut geeignet für Anwendungen, bei denen die Langlebigkeit und das Preis-Leistungs-Verhältnis im Vordergrund stehen. Wird oft auf Fahrtenyachten mit handbedienten Großschot-Taljen und überlappenden Genuas verwendet. Kommt sowohl als Kern- als auch Mantelmaterial zum Einsatz. Bei Leinen mit High-Tech-Kernen wird Polyester gerne im Mantel verwendet, um die UV-empfindlichen Vectran- oder PBO-Fasern vor Strahlung zu schützen. "Polyester hat nach wie vor eine Daseinsberechtigung. Mit unserer Allround-Polyesterleine Herkules kann man das gesamte Schiff ausstatten und damit um die Welt segeln", ist Sven Rosenberger, CEO des deutschen Leinen-Herstellers Liros, überzeugt.

Hochfestes Polyethylen
Auf der Basis von Polyethylen, dem weltweit am häufigsten verwendeten Standardkunststoff, wird eine synthetische Chemiefaser mit ultrahoher Molekularmasse erzeugt, die vor allem unter den Markennamen Dyneema und Spectra bekannt ist. Dyneema ist leicht, weist eine sehr hohe Bruchlast sowie wenig Reck auf und hat eine hohe Beständigkeit gegen Abrieb, Feuchtigkeit, UV-Strahlen und Chemikalien. Die High-Tech-Faser ist jedoch teuer und neigt unter Dauerlast zur Kriechdehnung. Dyneema ist in verschiedenen Qualitätsstufen erhältlich, gebräuchlich im Wassersport sind v.a. SK78 und SK99. Je höher der Reinheitsgrad, desto hochwertiger und desto höher die Bruchlast des Materials.
Einsatzbereich: Dyneema wird überall dort eingesetzt, wo die Leine bei Belastung nicht nachgeben darf, also in erster Linie bei Fallen. Aber auch Schoten im German-Main-Sheet-System und von Membran-Segeln (siehe Seite xy) sollten möglichst wenig recken. Im Regattabereich hat sich Dyneema sowohl als Kern als auch Mantel durchgesetzt. “Sobald die Schot über eine Winsch oder durch einen Ratschblock läuft, sorgt ein bisschen Dyneema im Mantel für weniger Ruckeln beim Fieren und eine deutlich längere Lebensdauer“, weiß Arthur Thüringer, Gründer der Firma Ropes Experts, die nicht nur Leinen des österreichischen Herstellers Teufelberger verkauft, sondern für Kunden weltweit im großen Stil spleißt.


Aramid
Aramide sind aromatische Polyamide, die vor allem unter den Markennamen Technora, Twaron und Kevlar bekannt sind. Diese Faser punktet durch ihre hohe Temperaturbeständigkeit, wenig Reck und hohe Bruchlast. Sie ist allerdings empfindlicher für Sonnenlicht und scharfe Kanten, wird daher nur sehr selten pur verflochten, sondern Mänteln zugesetzt.

Die gesamte Story lesen Sie in der Yachtrevue 3/2021, am Kiosk ab 5. März!

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