
Furio Benussi holt mit Arca SGR zum vierten Mal in Folge den Sieg bei der größten Segelregatta der Welt. Bei ungewöhnlichen Bora-Bedingungen liefern sich 1.858 Yachten vor Triest ein eindrucksvolles Rennen. Für besondere Spannung sorgt das Duell um die Plätze zwei und drei.
Sonnenschein, feine Bora und ein schier endloses Meer aus Segeln: Die 58. Ausgabe der Barcolana präsentierte sich von ihrer sonnigen Seite. Nach tagelangen Diskussionen über die zu erwartenden Windverhältnisse fanden die 1.858 gemeldeten Yachten am Sonntag, dem 11. Oktober, nahezu perfekte Bedingungen vor. Mehr als 15.000 Seglerinnen und Segler bevölkerten den Golf von Triest, vom ambitionierten Regattaprofi bis zum gemütlichen Fahrtensegler. Sie alle vereinte einmal mehr die Faszination dieser einzigartigen Veranstaltung: Auf einer gemeinsamen Startlinie treffen die schnellsten Rennmaschinen der Adria auf kleine Kielboote und klassische Fahrtenyachten.
Der Wind kam mit rund zwölf Knoten aus östlicher Richtung und damit für die Bora ungewöhnlich weit von See. Das versprach ein schnelles, taktisch aber durchaus anspruchsvolles Rennen. Die Favoriten waren bekannt, allen voran Furio Benussi mit seiner Arca SGR. Der Lokalmatador hatte die vergangenen drei Ausgaben gewonnen und wollte die Serie fortsetzen. Doch zunächst schien ihm die Technik einen Strich durch die Rechnung zu machen.


Trotz technischer Schwierigkeiten in der Vorstartphase segelte Furio Benussi und sein Fast & Furio Sailing Team mit seiner 100-Fuss-Maxi Arca Sgr zum vierten Sieg in Folge.
© Studio BorlenghiSchrecksekunden zum Start
Ausgerechnet in der entscheidenden Phase vor dem Start versagte an Bord der Arca die Elektronik zur Steuerung wichtiger Bordsysteme. Rund zwei Minuten blieb der Maxi manövrierunfähig, ehe die Crew das Problem beheben konnte. Benussi hielt dennoch an seiner Strategie fest und positionierte sich im mittleren Bereich der rund dreieinhalb Kilometer langen Startlinie. Der Plan: einen möglichst kurzen Weg zur ersten Bahnmarke wählen und gleichzeitig auf einen Rechtsdreher spekulieren.
Letzterer blieb zwar aus, dennoch ging die Rechnung auf. Nach nur 18 Minuten rundete Arca SGR als erste Yacht die Auftaktmarke und setzte sich zunehmend von den Verfolgern ab. Dahinter entwickelte sich ein spannendes Matchrace zwischen Mitja Kosmina auf Prosecco DOC Schockwave3 und Marta Benussi auf Marta 07. Die Tochter des späteren Siegers hatte sich mit ihrer Crew weit in Luv positioniert, musste nach einem intensiven Duell aber zunächst Kosmina den Vortritt lassen. Der Slowene nutzte bei der Begegnung der beiden Verfolger sein Wegerecht und sicherte sich Rang zwei.


FD-Olympiasegler Mitja Kosmina steuerte den von Reichel/Pugh gezeichneten 90-Fuss-Maxi Prosecco DOC Shockwave 3 auf Platz zwei und durchkreuzte damit die Familienfeier der Benussis.
© Studio BorlenghiFamilienangelegenheit
Während Arca SGR an der Spitze einsam davonzog, blieb das Duell dahinter bis zum letzten Schenkel offen. Marta 07 versuchte mehrfach, sich aus der taktischen Kontrolle von Prosecco DOC zu lösen, fand aber keinen Weg vorbei. Kosmina und sein Taktiker Lorenzo Bressani segelten ein nahezu fehlerfreies Rennen und behaupteten ihre Position bis ins Ziel.
Dort war Furio Benussi längst angekommen. Nach exakt einer Stunde, fünf Minuten und neun Sekunden überquerte Arca SGR um 11.35 Uhr die Ziellinie. Der vierte Sieg in Folge war perfekt. Für Benussi hatte dieser Erfolg eine besondere Bedeutung: Es war seine 50. Teilnahme an der Barcolana. Schon als Kind war er gemeinsam mit seinem Vater auf dem Wasser gewesen, mittlerweile wird die Familientradition von der nächsten Generation fortgesetzt.
Rund dreieinhalb Minuten nach Arca folgte Prosecco DOC Schockwave3, weitere eineinhalb Minuten später Marta 07. Für Marta Benussi bedeutete Rang drei gleichzeitig den zweiten Gewinn der Generali Women in Sailing Trophy, die an die bestplatzierte Steuerfrau vergeben wird. Auf den weiteren Plätzen folgten Big Sky, Manticore-Edilimpianti Trieste und Fiamme Gialle Nice.


Marta Benussi segelte erneut aufs Podest und sicherte sich die zweite Generali Women in Sailing Trophy.
© Studio BorlenghiUnter rot-weiß-roter Flagge
Der (auch) in Triest wohnhafte Gerald Martens segelte mit seinem bei Ice-Yachts gebauten 10m-Umberto-Felci-Racer als 54. über die Ziellinie, behauptete sich damit vor und unter zahlreichen größeren Yachten. Doppelolympiasieger Hans Peter Steinacher reiste von seinem Arbeitsplatz in Monfalcone mit der Solaris 50 aus dem Hause Mateschitz ins benachbarte Triest an und platzierte sich als 98. ebenfalls noch in den Top-100. Christian Bayer verbrachte die Tage vor der Barcolana noch in Punat, gemeinsam mit Ex-Ex-Yachtrevue-Chefredaktuer Luis Gazzari und der Unterstützung von OeSV-Präsident Dieter Schneider seinen nächsten Hochsee-Staatsmeistertitel, vor Triest wurde er auf der XP-44 Aqua Nomis 105.
Fest für alle
Das eigentliche Erfolgsrezept der Barcolana zeigte sich allerdings hinter den Spitzenyachten. Während vorne längst die Sieger gefeiert wurden, kämpften noch Hunderte Crews um jede Position. Der Wind drehte im Lauf des Nachmittags auf Nordwest und wurde zunehmend schwächer, ermöglichte aber einem Großteil des Feldes noch den Zieleinlauf, ehe gegen 16 Uhr weitgehend Flaute einsetzte.
Für die Veranstalter war die 58. Ausgabe ein voller Erfolg. Nach zehn Tagen Programm an Land und auf dem Wasser ging eine Barcolana zu Ende, die ihrem Ruf als weltweit größte Segelregatta einmal mehr gerecht wurde. Auch die internationale Segelprominenz war vertreten, darunter SailGP-Star Jimmy Spithill und mehrere America's-Cup-Akteure.
Der Blick richtet sich bereits auf 2027. Dann wird Triest im Umfeld des America's Cup in Neapel zusätzliche internationale Aufmerksamkeit genießen. An der grundsätzlichen Erfolgsformel der Barcolana wird das wenig ändern: eine Startlinie, ein gemeinsamer Wind und die Möglichkeit, dass sich Weltklassesegler und Hobbycrews auf Augenhöhe begegnen. Zumindest für den Augenblick vor dem Startschuss.

