
America’s Cup. Spektakuläre Rennen, Kenterungen und ein italienischer Triumph vor großer Kulisse: Bei der zweiten Preliminary Regatta zum 38. America’s Cup zeigte Luna Rossa im Golf von Neapel eindrucksvoll auf.
Neapel und der America’s Cup – das passt. Zehntausende Fans an Land, tausende Boote entlang der Regattabahn und mittendrin neun AC40, die dem Publikum drei Tage lang Foiling-Segelsport auf höchstem Niveau boten. Die zweite Preliminary Regatta zum 38. America’s Cup war nicht nur sportlich ein Vorgeschmack auf das kommende Jahr, sondern auch ein Test für das Revier, in dem 2027 um die älteste Sporttrophäe der Welt gesegelt wird. Und der Golf von Neapel lieferte: wechselnde Windrichtungen, kurze Welle, Druckunterschiede und Böen machten die Rennen taktisch anspruchsvoll und sorgten für reichlich Action.
Schon der Auftakt am Freitag hatte es in sich. Nach dem Durchzug einer Kaltfront und mehreren Startverschiebungen setzte sich schließlich ein Nordostwind mit 14 bis 15 Knoten, in Böen bis 18 Knoten durch. ARC Team USA nutzte im ersten Rennen seine freie Bahn im Fleetrace perfekt und holte den Premierensieg, doch bereits dahinter kündigte sich an, wer das Wochenende prägen sollte: Luna Rossa 1 übernahm mit Peter Burling und Marco Gradoni am Steuer die Führung in der Gesamtwertung.
Am Samstag legte die Bucht vor Neapel sozusagen noch einmal nach. Vier Wettfahrten wurden bei teilweise knapp 20 Knoten Wind absolviert, auf den Raumschotschenkeln kratzten die AC40 an der 50-Knoten-Marke. Luna Rossa eröffnete den Tag mit einem souveränen Sieg, zur großen Überraschung entwickelte sich La Roche-Posay Racing Team zum schärfsten Gegner. Die Franzosen rund um Quentin Delapierre und Diego Botín gewannen zwei Wettfahrten – und sorgten gleichzeitig für die spektakulärsten Bilder des Wochenendes. Zweimal kenterte ihr AC40, einmal davon auf der letzten Halse und mit komfortabler Führung. Nur rund 15 Minuten nach dem zweiten Malheur stand das Team wieder an der Startlinie – und gewann die folgende Wettfahrt. Am Ende reichte diese Achterbahnfahrt mit 48 Punkten für Rang drei.


Die Flotte der baugleichen AC40, die schon beim letzten Cup für Youth und Women im Einsatz waren flog auch beim ersten Pre-Event in Neapel im Einsatz.
© IAN ROMAN / AMERICA‘S CUPDer Schlusstag gehörte dann uneingeschränkt den Hausherren. Bei drehenden 11 bis 14 Knoten Wind gewann Luna Rossa die beiden verbleibenden Fleet Races und zog mit 71 Punkten gemeinsam mit Emirates Team New Zealand ins abschließende Match Race ein. Dort ließen Burling und Gradoni mit Maria Giubilei und Gianluigi Ugolini nichts mehr anbrennen. Nach einem starken Start kontrollierten sie die Kiwis konsequent, deckten jeden taktischen Befreiungsversuch ab und bauten ihren Vorsprung auf dem letzten Kreuzschlag auf mehr als 200 Meter aus. Luna Rossa überquerte die Ziellinie ungefährdet und machte den Heimsieg perfekt.
Auch beim Nachwuchs blieb es bis zuletzt spannend. Emirates Team New Zealand Women & Youth und Luna Rossa 2 beendeten die Serie punktegleich; weil die Neuseeländer im letzten Rennen vor den Italienern ins Ziel kamen, ging die Sonderwertung an das Kiwi-Team.
Für Luna Rossa war Neapel jedenfalls mehr als nur ein gelungener Auftritt vor heimischem Publikum. Das Team präsentierte sich schnell, taktisch abgeklärt und im Manöver nahezu fehlerlos. Bis zum eigentlichen America’s Cup bleibt noch reichlich Entwicklungsarbeit – ein erstes Ausrufezeichen im zukünftigen Cup-Revier ist aber gesetzt.


Mister America's Cup fliegt nicht nur über das Wasser, sonder auch durch die Luft. Pete Burling liefert auch als Steuermann bei Prada ab.
© Andrew Baker / America's Cup
