Louis Vuitton World Series

Interview mit Jochen Schümann über sein deutsch-französisches Team

Jochen Schümann (rechts) gibt den Skipper, am Steuer ist der Franzose Sebastian Col

ALL4ONE nennt sich die Truppe, mit der der dreifache Olympiasieger und AC-Hero Jochen Schümann bei der neu gegründeten Louis Vuitton Serie mitmischen will, außerdem sind Engagements in TP52, RC44 sowie der World Match Racing Tour geplant – alles was schnell ist und Spaß macht, sozusagen. Im Interview spricht der Deutsche über Teamstrukturen, Motive und Finanzen

Sie haben Ihrem neuen Segelrennstall den Namen All4One gegeben. Werden Sie mit Ihren 55 Jahren plötzlich nostalgisch?

Gute Sachen sollte man nicht vergessen. So hieß nun mal unser Soling, mit dem wir Silber bei Olympia 2000 in Sydney geholt haben. Gesegelt sind wir zu dritt, es gab noch einen Ersatzmann. Vier Leute für ein Ziel eben.

Sie sprechen aber heute noch von Ihrer bittersten Niederlage, damals im Finale gegen den Dänen Jesper Bank.

Das war sie auch. Aber das Motto der vier Musketiere ’Einer für alle, alle für einen’ war dennoch die richtige Motivation.

Wie groß ist Ihr neues Team, das Sie als Sportdirektor und Skipper führen?

20 Leute bestreiten dieses deutsch-französische Projekt. Dazu nutzen wir in Valencia die ehemalige America’s-Cup-Basis der Neuseeländer und auch deren Cup-Boote von 2007. Finanziert wird es übrigens vom französischen Syndikatschef Stephane Kandler vom ehemaligen America’s- Cup-Team K-Challenge.

Was hat letztlich die Gründung des deutsch-französischen Teams ausgelöst?

Der vor Gerichten nicht enden wollende Streit zwischen Alinghi und BMW Oracle Racing hat dazu geführt, dass die nächste Austragung des America’s Cup immer noch völlig offen ist. Es musste also etwas passieren, damit auch wieder auf hohem Niveau gesegelt werden kann. Übrigens macht BMW Oracle mit und Alinghi hat nichts dagegen.

Warum tun Sie sich das alles noch an?

Segeln ist mein Leben. Ich kann nicht nur ein Detail herausnehmen, das mir besonders gefällt, mir gefällt alles daran.

Mit welchen Kosten rechnen Sie im Vergleich zum America’s Cup?

Mit einem Bruchteil davon. Die Teams haben für den Cup-Zeitraum von 2003 bis 2007 ja etwa 100 Millionen Dollar ausgegeben, die Spitzenteams wie BMW Oracle eher noch mehr. Jetzt gehen wir von zwei Millionen aus.

Wie ist diese Reduzierung möglich?

Die neu gegründete World Sailing Team Association gibt identische Boote vor, die von den Teams gestellt werden. Letztlich segelt nicht jeder mit seinem Boot. Dadurch entfällt der Drang, mit einem besseren Boot den Gegner herauszufordern.

Aber Hochseesegeln faszinierte bisher vor allem auch durch Hightech-Yachten.

Das wird auch so bleiben, aber nicht mehr für 100 Millionen, davon bin ich fest überzeugt. Auch in der Formel 1werden die Kosten deutlich reduziert, aber es bleibt dennoch die Top-Serie im Motorsport.

Ist der America’s Cup noch Ihr Ziel?

Ja. Die Luis Vuitton World Series, mit Start vor Nizza, beenden nur die tatenlose Zeit. Wir trainieren dabei auch für den nächsten America’s Cup. Für 2010 sind Starts in drei weiteren Serien geplant.

Mit Ihnen am Steuer?

Nein, als Skipper. Am Steuer wird der sehr talentierte Franzose Sebastian Col sein. Ich bin Führungsperson an Bord.

www.all4onechallenge.com

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