Lago di Garda

Charmant mediterraner Törn unter Ora und Vento

Ich bin Chauvinist – zumindest, wenn es um die Schönheit von Alpenseen geht. Da lasse ich nichts über meine heimatlichen Gewässer kommen, egal ob sie nun von den Gletschern der letzten Eiszeit südlich oder nördlich des Alpenhauptkammes aus dem Kalkstein gefräst wurden. Schweren Herzens muss ich gestehen, dass es doch einen See gibt, der es mit den smaragdgrünen Kleinoden meiner Heimat aufnehmen kann, vielleicht sogar übertrifft: den Gardasee. Zugegeben, es gibt auch andere Gewässer, denen senkrechte Felswände entsteigen, doch welcher kann an seinen Ufern mit einem so hohen, von Wolken meist geheimnisvoll verhüllten Berg wie dem Monte Baldo aufwarten, der ihn zu jeder Stunde des Vormittages in ein anderes, noch zauberhafteres Licht taucht?
Der Gardasee verdankt seine Existenz einem eiszeitlichen Gletscher, der sein Bett im Norden 350 Meter tief in den Dolomitfels geschrundet und im Süden weit in die Po-Ebene getrieben hat. Hier verwandelt sich der raue Alpensee in einen Endmoränensee mit Ufern, deren mediterran anmutendem Charme noch jeder erlegen ist. Vorsicht ist allerdings geboten, denn im Süden ist es vorbei mit sorglosem Segeln: Vor den Ufern können gefährliche Untiefen lauern! Und das Wichtigste: Die Lage des Gardasees zwischen kalter Bergwelt und der bis in den September vor Hitze dampfenden Tiefebene beschert dem See Windsysteme, die die Herzen der bereits in frühen Morgenstunden herumdüsenden Surfer und Segler höher schlagen lassen.

Im Banne des Vento. Wir starten unseren Törn in Cassone, einem kleinen Ort südlich von Malcesine am Ostufer des Sees, und wollen nach Norden. Nachdem wir die Leinen einer First 27.7 gelöst haben, stellt sich die Frage: Wie viel Segel verträgt das Boot an der Kreuz an einem Tag wie diesem? Schwierig, wenn man das Revier und das ungewohnt kleine Boot mit seinem sportlichen Outfit nicht kennt. Als wir mit dichten Schoten hart an den Wind gehen, merken wir schon bald, dass ungerefft doch etwas zu viel des Guten ist. Erstes oder zweites Reff? Bescheidet sich der Wind damit, uns als thermischer Pelér (dieser Nordwind wird auch Vento oder Sover – Súer – genannt) frisch zu verwöhnen, könnte das erste reichen, wächst er sich hingegen zum gefürchteten Bali oder Tramontana aus, dann wäre auch das zweite Reff vielleicht noch zu wenig. Nordwind in Sturmstärke gibt es dann, wenn eine Kaltfront im Norden durchzieht, was wir bei der zur Zeit flachen Druckverteilung über Mitteleuropa zum Glück nicht zu fürchten brauchen.

Den kompletten Artikel finden Sie in YR 7/2009. Diese Ausgabe kann online nachbestellt werden.

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