Sansibar Archipel

Außergewöhnlicher Törn in ein Revier ohne jede maritime Infrastruktur

Segeln in Sansibar? Wie kommt man auf so eine Idee? Ganz einfach: Wenn man Himmel und Wasser miteinander kombinieren möchte. Wir planten eine Besteigung des Mount Meru, der 65 Kilometer vom Kilimandscharo entfernt im Nordosten von Tansania liegt, und wollten im Anschluss daran eine Yacht chartern; zuerst Berg- dann Seeluft, das schien uns eine reizvolle Idee. Beim Blick in die Landkarte stach uns sofort der vor Tansanias Küste gelegene Archipel Sansibar ins Auge. Sansibar! Schmelztiegel für afrikanische, arabische und indische Kulturen, Insel der Gewürze, Heimat der Dhaus mit ihren markanten Segeln. Der Duft von Nelken, Kardamom und Zimt stieg uns in die Nasen … Schnell waren wir uns einig: Dieses völlig unerschlossene Revier unter Segeln zu entdecken wäre der perfekte Abschluss für unsere Reise. Also machten wir uns per Internet auf die Suche nach einem geeigneten Schiff. Die Wahl fiel uns nicht schwer: Es gab ein einziges Charterunternehmen, das eine einzige Yacht – einen 50 Fuß langen, 17 Jahre alten, in Südafrika gebauten Katamaran – ab Sansibar anbot; auch eine Form von Exklusivität. Dieser Törn würde in mehrerer Hinsicht ein Wagnis werden, das war uns klar. Aber heißt es nicht: Nur wer wagt gewinnt?
*
Das Abenteuer Berg lag hinter uns, der Meru war bezwungen. Nun also aufs Meer. Das Flugzeug bringt uns von Arusha nach Sansibar-Stadt, ein Taxi durch das historische Zentrum Stonetown. Es zählt seit 2000 zum Weltkulturerbe der UNESCO, ein brodelndes, buntes Viertel, dessen Straßen von prächtigen Flammenbäumen gesäumt sind. Datteln, Mangos und andere exotische Früchte türmen sich auf den Gehsteigen, die Luft ist schwer und süß. Unser Ziel ist die im Norden von Stonetown gelegene Marina Mtoni, eine Bezeichnung, die uns hoffen lässt. Allerdings stellt sich bald heraus, dass es sich dabei um keine wie immer geartete Hafenanlage handelt, sondern um ein schnuckeliges, kleines Hotelressort. Davor schaukelt, als einziges Schiff weit und breit, Julia, jener Kat, der für die nächste Woche unser Heim sein soll, an der Ankerkette. Begrüßt werden wir von Sabina, einer gebürtigen Katalanin, die in Sansibar aufgewachsen ist, perfekt Suaheli spricht und als Skipperin, Köchin, Tauchlehrerin und Reiseleiterin in Personalunion fungieren wird. Weiters zählen Alex, ihr Freund, sowie ein junger Einheimischer namens Salum zur Crew der Julia. Mit dem Dinghi geht es an Bord, Sabina zeigt uns Schiff und Kojen, wir richten uns mit unseren Siebensachen ein. An Julia hat der Zahn der Zeit schon ganz schön genagt, das ist nicht zu übersehen, und für europäische Begriffe lässt auch die Sauberkeit ein wenig zu wünschen über. Aber zumindest die Tauchausrüstung scheint in Ordnung. Bauer-Kompressor, Alu-Flaschen, passt; Atemregler und Westen haben wir ohnehin selbst mitgebracht.
Am frühen Abend laufen wir aus, vor uns liegt eine Etappe von rund 80 Meilen. Wir wollen nach Pemba, zur zweitgrößten, im Nordosten gelegenen Insel des Archipels. Nach einer unruhigen, holprigen Nacht gegenan – der Wind kommt in diesem Revier konstant mit 3 bis 4 Beaufort aus Nordost – erreichen wir bei Sonnenaufgang die überwältigend schöne Lagune Njao Gap an der Nordwestecke von Pemba. Die von Riffen gespickte Einfahrt ist abenteuerlich; spätestens jetzt leuchtet uns ein, warum hier nicht bareboat verchartert wird.

Den kompletten Artikel finden Sie in der Ausgabe 09/13

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