
World Tour. Auf den ersten Blick wirkt das Flachbrett wie ein harmloses Urlaubsspielzeug. Wer den Sport jedoch auf die bunten Plastikschalen reduziert, verpasst eine der rasantesten Disziplinen im modernen Wassersport. Beim IBC Maldives Pro 2026 bewies die Weltspitze eindrucksvoll, wozu die kompakten Boards fähig sind.
Vom Strandspielzeug zum High-Tech-Sportgerät
Wir alle kennen das vertraute Bild aus den Strandläden der Urlaubsregionen: Für ein paar Euro stapeln sich dort bunte, weiche Styroporbrettchen zwischen Wasserbällen und Eimerchen. Was bei Urlaub meist nach dem ersten Tag in den Wellen im Müll landet, bildet im Profibereich nur die optische Verwandtschaft. Richtige Boards bestehen aus hochfestem Schaumstoff wie Polyethylen oder Polypropylen, verstärkt durch interne Carbonstäbe.
Historisch geht das Reiten der Brandung im Liegen auf hawaiianische Paipo Boards aus Holz zurück. Die Geburtsstunde des modernen Equipments schlug 1971, als der US-Amerikaner Tom Morey das erste Polyethylen-Board mithilfe einer Säge zurechtschnitt. Aus der einstigen Erfindung entwickelte sich rasch eine weltweite Hochleistungssportart, bei der die Athleten flach mit dem Oberkörper oder auf den Knien über die Welle steuern. Spezielle, kurze und harte Flossen an den Füßen sorgen dabei für die nötige Beschleunigung beim Anpaddeln.
Im Vergleich zum klassischen Surfen im Stehen ermöglicht der tiefe Schwerpunkt ein weitaus direkteres Gefühl für die Welle. Während Wellenreiter primär auf Carving-Turns setzen, punktet diese Disziplin mit extremer Manövrierfähigkeit im vertikalen Bereich. Durch die hohe Endgeschwindigkeit und die flache Körperhaltung können Sportler extrem steile, hohle Wellen anstarten, die für Stehsurfer oft als unsurfbar gelten. Spektakuläre Sprünge aus der Wellenlippe wie der El Rollo oder der Air Roll Spin (ARS) prägen das Wettkampfgeschehen.


Die kurzen, steifen Flossen sorgen für eine explosive Beschleunigung beim Anpaddeln.
© IBC WORLD TOURPerfekte 10 auf der World Tour
Über das gesamte Jahr hinweg reist die internationale Elite zu ausgewählten Küstenabschnitten weltweit, um wertvolle Weltranglistenpunkte im Rahmen der International Bodyboarding Committee (IBC) World Tour einzufahren. Das Maldives Pro Event gilt hierbei als eines der prestigeträchtigsten Rennen des Kalenders.
Als Schauplatz des Events diente die Welle Cokes Break vor der Malediven-Insel Thulusdhoo, die für ihre Kulisse über flachem Korallenriff bekannt ist. Am Finaltag herrschten Traumbedingungen, die der zweifache französische Weltmeister Pierre-Louis Costes optimal nutzte. Mit einer fehlerfreien Kombination aus Air 360, ARS sowie Inverted Air kassierte er die einzige Perfekt-10 des Turniers und feierte seinen 61. Tour-Podestplatz. Bei den Damen setzte sich die Japanerin Namika Yamashita durch, während der 16-jährige Lokalmatador Eyan Ahmed den Titel in der Juniorenklasse holte.
