„Kopiert uns ruhig"

Interview mit Bavaria-Chef Lutz Henkel über das Erbe des Werftgründers Winfried Herrmann, aktuelle Entwicklungen im Yachtdesign und die Richtung, die Bavaria in Zukunft einschlagen wird

„Kopiert uns ruhig"

Yachtrevue: Als Chef einer der größten Werften der Welt haben Sie den Finger am Puls der Yachtbranche. Wie würden Sie die momentane Lage einschätzen?
Lutz Henkel: Seit 2008 hat sich in der Branche viel getan, der eine oder andere hat die Krise nicht überlebt. Die Marktbereinigung ist aus meiner Sicht immer noch nicht abgeschlossen. Für uns entwickelt sich der Markt stabil. Wir sichern uns Anteile durch unsere Modellpolitik, mit der wir wachsen.

YR: Was bedeutet das konkret?
Henkel: Ich bin seit 2015 für Bavaria verantwortlich. In dieser Zeit blieb die Anzahl der verkauften Schiffe insbesondere in Europa relativ stabil. Für Bavaria ergab sich das Wachstum aus dem Verdrängungswettbewerb.

YR: Betrifft das alle Marktbereiche, also Segel- und Motoryachten, oder gab es Verschiebungen?
Henkel: Es gab interessanterweise dieses Jahr auf der boot in Düsseldorf Verschiebungen, die wir zum ersten Mal so deutlich gemerkt haben. Bisher war unsere Verteilung Segel zu Motor 60:40. Heuer hat der Anteil von Motoryachten stark zugenommen und wir sind nun bei einem Verhältnis von nahezu 50:50.

YR: Betrifft dieser Trend zu Motorbooten alle Märkte oder vor allem Europa?
Henkel: Wir sind traditionell nach wie vor sehr stark in Europa vertreten und beobachten diesen Trend daher hier besonders genau. In den USA ist der Markt für Motorboote wesentlich stärker als der für Segelyachten, der Verkauf von Segelbooten zieht aber aufgrund der Veränderungen, die wir im Händlernetzwerk vornehmen mussten, an.

YR: In der Vergangenheit wurden große Hoffnungen auf neue Märkte wie USA, Asien und Pazifikraum gesetzt. Sind sie nach wie vor intakt?
Henkel: Am asiatischen Markt definitiv. Wir haben einen extrem guten Partner in Asien, mit dem wir langsam und beständig wachsen. Nach der Krise 2008 gab es viele, die die Zukunftsmärkte in dieser Region gesehen haben und hofften, dass man dort ganz schnell all das aufholen kann, was im Rest der Welt verloren ging. Daran glaube ich nicht. Aber es sind definitiv Märkte, die man entwickeln kann, wenn man die richtigen lokalen Partner hat. Wir sehen ein beständiges Wachstum sowohl in den USA als auch in Asien.

YR: Sie haben vorhin Veränderungen im Händlernetz angesprochen. Inwiefern wurde da umstrukturiert?
Henkel: Bavaria ist traditionell eine Werft mit einem sehr großen und vor allem sehr lange gewachsenem Händlernetzwerk. Wir haben Händler, die von Beginn an dabei waren und wie wir nächstes Jahr 40. Geburtstag feiern. Aber natürlich wollen wir neue Märkte auch durch neue Händler dazugewinnen. In den USA waren wir gezwungen recht kurzfristig einen Wechsel vorzunehmen; mehr kann ich leider dazu nicht sagen, der Rechtsstreit dauert noch an. Aber wir sehen, dass uns die neuen Partner in den USA sehr schnell sehr weit nach vorne bringen.

YR: In den letzten Jahren hat Bavaria einerseits viel in die Qualität investiert, andererseits hat sich das nicht wirklich in den Preisen niedergeschlagen. Wie kann dieser Spagat gelingen?

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