Gegen den Strom

Klare Strategie. Die slowenische Werft setzt auch bei der preiswerten Fahrten- und Charteryachtlinie auf den Input von Stardesignern. Das bleibt nicht ohne Auswirkungen

Gegen den Strom

In den Jahren der Pandemie startete die slowenische Werft eine Offensive und stellte den Konstrukteuren Rob und Tom Humphreys Produktdesigner zur Seite, die für das Styling über der Wasserlinie und das Interieur zuständig waren. Den Anfang machte die Elan GT6, das Flaggschiff der Gran-Turismo-Linie, dem das Studio F. A. Porsche den Stil einer Megayacht verpasste. Angespornt durch den Erfolg, engagierte man das Turiner Designstudio Pininfarina für die Entwicklung der Elan E6, die ebenfalls großen Anklang fand.

In die Breite

Zuletzt überraschte die Werft mit der Elan Impression 43. Die Impression-Linie umfasste bislang mit 40.1, 45.1 und 50.1 drei klassische Fahrtenyachten, die auch erfolgreich im Charter eingesetzt werden; die neue 43er, die im Jänner auf der boot in Düsseldorf Weltpremiere feierte, löst die 40.1 und 45.1 ab. Für deren Entwicklung holte man erneut die Designer von Pininfarina zu Rob und Tom Humphreys ins Boot. Sie sind übrigens allesamt selbst Segler, was die Zusammenarbeit, so wurde unisono betont, erleichterte und höchst effektiv gestaltete.

Klares Konzept

Die Impression 43 soll viel Platz an und unter Deck bieten und trotzdem ordentlich segeln. Humphreys Yacht Design schuf einen breiten Rumpf mit voluminösem Vorschiff und hohem Freibord, der speziell zum Bug hin deutlich höher wird. Typisch für eine moderne Konstruktion ist die vergleichsweise schmale Wasserlinie im Heckbereich. Erst darüber wird der Rumpf ausladend, bei genauer Betrachtung kann man beidseits sanfte Chines erkennen. Dadurch wird im Inneren mehr Volumen generiert und das Boot bei Lage stabilisiert. Typisch für ein Humphreys-Design ist die Doppelruderanlage, die Elan mit viel Know-how umgesetzt hat. Sie kann punkto Steuerverhalten überzeugen und bleibt dank zweier separater Kabelzüge und einer Schubstange, die die Quadranten verbindet, auch dann funktionsfähig (zumindest auf einer Seite), wenn ein Kabelzug brechen sollte. Da der Autopilot zudem direkt auf die Quadranten zugreift, verfügt die Impression 43 über drei voneinander unabhängige Steuersysteme – ein echter Sicherheitsfaktor.

Den Einfluss von Pininfarina erkennt man am Rezess auf halber Rumpfhöhe und einer weiteren optischen Bruchlinie unterhalb der Fußreling. Beides lässt den Freibord niedriger erscheinen, als er tatsächlich ist, und gibt der Yacht eine sportive Note. Auffallend ist die deutlich höher liegende Rumpfluke im Vorschiffsbereich. Sie verleiht der Impression ein unverkennbares Äußeres und erlaubt gute Aussicht aus der Bugkajüte.

Kunst der Reduktion

Auch beim weit nach achtern gezogenen Kajütaufbau, der eleganter wirkt als bei den Vorgängerinnen, bewies Pininfarina ein gutes Händchen. Er konnte aufgrund des hohen Freibords flach gehalten werden, wobei die Formensprache der langgestreckten Lukenbänder ein wenig an die Elan E6 erinnert. Gleiches gilt für die frei tragenden Steuersäulen, die vergleichsweise weit vorne positioniert sind. Direkt hinter den Rädern befinden sich zwei breite Sitzbänke, die in der Standardversion viel Stauraum bieten. Gegen Aufpreis lassen sich darin, wie es beim Testschiff der Fall war, eine Freiluftpantry mit Grillplatte, Spüle und Kühlbox installieren.

Das Cockpit ist nicht übertrieben lang, aber keinesfalls beengt und es gehen sich dank der beachtlichen Breite zwei L-Sitzbänke und zwei separate Klapptische aus. Das ist insofern praktisch, weil es so einen freien Durchgang vom Niedergang bis zur Badeplattform gibt.

Den gesamten Fahrbericht lesen Sie in der Yachtrevue 4/2023, am Kiosk ab 2. Juni!

Der komplette Bericht als PDF-Download:

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