Urlaub. Die private Oktober-Bilanz von Robert Grünwald

Rodeo im Scirocco: Längsseits mit Seitenmurings in der praktisch völlig offenen Marina Pignataro. Wie fühlt sich eigentlich eine Spinne in ihrem Netz, wenn man ein paar Fäden kappt?

Rodeo im Scirocco: Längsseits mit Seitenmurings in der praktisch völlig offenen Marina Pignataro. Wie fühlt sich eigentlich eine Spinne in ihrem Netz, wenn man ein paar Fäden kappt?

Urlaub! Ein Törn zu den Liparischen Inseln – leuchtende Vulkane, warme Schlammbäder, italienisches Flair! Und ein kräftiges, durchrauschendes Tief: Scirocco, garniert mit Gewittern aus West. Reicht der 16-Kilo-Britany für 41 Fuß? Ankerwache und stressig-schlaflose Nacht, die Erste.
Suche mit dem Finger auf der Seekarte für den nächsten Tag besseren Schutz – und finde nix. Beim Anlaufen der einzigen Marina weit und breit kreisen plötzlich Fähren, Tragflächenboote und andere Yachten um uns, legen aber nicht in Lipari an. Minuten später geht die Welt in einer weißen Wand aus 50-Knoten-Böen, Gischt und Sintflut unter.
Urlaub? Marina Pignataro. Rappelvoll, kein Marinero weit und breit, dafür ein wackeliger Schwimmsteg ohne Landzugang und in kürzester Zeit so rapide zunehmender Schwell, dass beim Nachbarschiff Festmacher brechen. Hängen uns mit allen verfügbaren Leinen und Murings wie eine Spinne im Netz längsseits an den Steg, der hüpft wie ein Cowboy beim Rodeo. Abends taucht der Marinadirektor mit Sekretärin zum Dolmetschen auf und fordert rüde die „Räumung der unsicheren Stege“. Totaler Aufruhr, die meisten bleiben trotzdem, wohin sollten wir auch? Ankerwache und nie erlebte Extrem-Rollerei, die Zweite, diesmal in einer Marina! Wer hat da je was gegen die Adria gesagt?
Daheim. Bin erledigt und leide unter Landkrankheit: Das Schlafzimmer dreht sich wie im Vollrausch, verirre mich nächtens im Schrankraum und muss mich in der Dusche anhalten. Erhole mich im Büro und träume von einem Runabout mit eigener Bootsgarage. Am Wörther See.

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