Die berüchtigten Aushecker

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Errungenschaften. Den zu erwartenden Shitstorm von Verpackungskünstlern, Händetrocknern und Laubbläsern werde ich heldenhaft abfendern

Vor jedem Törn hoffst du, dass du den Diesel nur zum An- und Ablegen brauchen wirst. Da geht’s um den seglerischen Spaßfaktor. Davon abgesehen wissen (fast) alle von uns, dass wir Energie sparen sollten. Halbwegs vernünftige Menschen halten es sogar für klug, weder auf die Chinesen noch auf die Amis damit zu warten. Ich find es wichtig, dass Bootseigner ihre nervigen Dinghi-­Außenborder durch lautlose Elektromotoren er­setzen. Klug wäre es jetzt noch, diese Entwicklung zu beschleunigen.

Schon auf der Anreise lässt mich aber ein spezielles Gerät an der besagten Vernunft zweifeln: In jeder öffentlichen Toilette bläst dir ein Händetrockner mit gefühlt 10 Beaufort ins Gesicht. Mit der Wucht einer Flugzeugdüse verteilt das Ding die Bazillen von Urlaubern aus der halben Welt in der Raststation. Ausgebleichtes Pickerl: „Hygienischer als ein Handtuch.“ Echt jetzt? Die Wassertropfen hast du danach auf der Brille, die Hände sind leicht verformt aber immer noch feucht. Hättest du so ein Kastl an Bord einer Yacht, müsstest du nach dem Händewaschen die Maschine auf 1.000 Touren laufen lassen, damit die Sicherung nicht kapituliert.

Apropos Sicherung: Wenn mich früh morgens nicht das Lachen einer Möwe, sondern der mutmaßliche Start einer Saturn-Rakete aus dem Tiefschlaf reißt …

Wenn ich dann sehe, wie per Laubbläser Blätter, Staub und Papierln von einer Seite der Promenade auf die andere befördert werden …

Wenn ich schlaftrunken mitansehen muss, wie die natürliche Morgenbrise den Urzustand postwendend wiederherstellt …

Spätestens jetzt fliegt bei mir eine Sicherung raus. Es handelt sich um ein gesamteuropäisches Phänomen. Egal, ob an der Algarve, auf Menorca, Sardinien, Korčula oder in Lignano: Der Gemeindearbeiter hält bei jedem Wind an seinem öffentlichen Auftrag fest. Durch das Einschalten des oft benzinbetriebenen Lärminstruments wird das Hirn – falls vorhanden – ausgeschaltet. Ich kann mir einen noch böseren Gedanken nicht verkneifen: Der pflichtgetreue Mann ist aus gutem Grund Hilfsarbeiter. Und eben nicht Quantenphysiker oder Tiefenphilosoph.

Vielleicht hätte er ja Verpackungskünstler werden sollen. Nein, nicht ein so genialer wie der bulgarische Gigant Christo, der einst den Arc de Triomphe und ganze Inselgruppen kunstvoll verhüllte. Sondern ein Erfinder im Auftrag der Lebensmittelverpackungsindustrie. Denn auch dort arbeiten berüchtigte Aushecker [© Herbert Hufnagl]: Menschen also, die durch ihre vermeintlichen Errungenschaften ihren Mitmenschen den Alltag versauen.

Wir haben uns leider längst daran gewöhnt, tonnenweise Plastik- und Pappmüll zu hinterlassen. Um an den Fisch in der Dose oder an Schinken- und Käsescheiben in Folie zu gelangen, müssen wir oft auch noch knifflige Geschicklichkeitsübungen bewältigen. Bei Törns im anderssprachigen Ausland manchmal sogar unlösbare Rätsel.

Den mit der Flasche untrennbar verbundenen Plastikstöpsel meine ich übrigens nicht! Mit der Fingerfertigkeit eines durchschnittlich begabten Bürgers ist es ja tatsächlich möglich, aus einer solchen Flasche unfallfrei zu trinken. Ohne sich das Hemd zu besudeln und ohne deswegen gleich die EU zu beschimpfen.

Viel mehr ärgern mich winzige Aufreiß-Eckerln an Plastikfolien. Der hier eingesparte halbe Quadratzentimeter Folie wird die Umwelt wohl kaum retten. Zum Glück befindet sich ja immer noch eine Lupe im Kartentisch, selbst wenn kaum noch einer mit Papierkarten navigieren will. Ich hab’ auch noch ein wiederverschließbares Sackerl mit Nüssen erworben. Dieses ist jedoch nicht wiederverschließbar, weil es erst gar nicht zu öffnen gewesen wäre, ohne dass ich eine Nagelbettentzündung riskiert hätte. Leider verfüge ich nicht über die Feinmotorik eines Uhrmachers. Ähnlich geniale Erfindungen haben mich so weit gebracht, dass ich die Verpackung samt Inhalt entsorgte. Mein Freund Georg brachte es auf den Punkt: „Es ist viel einfacher, einen Impeller auszutauschen und einen Spinnaker zu flicken, als dieses […] Emmentaler-Packl zu öffnen!“

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