Not macht erfinderisch

Kolumne Kreuzpeilung
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Wie bekommt man Clubmitglieder dazu, ihr Boot zu bewegen? Vieles ist denkbar, eine originelle Variante entstand in meinem Heimatclub, dem UYC Neusiedlersee. Ralph und Wolfi, beide aus etablierten Fahrtenseglerfamilien stammend, mit großem Herz für dieses Genre ausgestattet und stets auf ein gutes Miteinander bedacht, hatten eine Idee: Heuriger zur See. Der Grundgedanke ist ebenso einfach wie bestechend: Auf ihren Dickschiffen laufen sie einen vorab bekanntgegebenen Punkt an, ankern dort und bieten an Bord Grill & Co. für all jene, die sich ebenfalls dort versammeln. Quasi eine Art Pop-up-Heuriger am Wasser.

Die Aktion fand sehr großen Anklang und wurde bereits mehrmals erfolgreich umgesetzt. Doch heuer, im Jahr der großen Trockenheit, kamen die beiden Hauptproponenten am angekündigten Termin im August mit ihren Dickschiffen nicht mehr aus dem Hafen. Was also tun mit dem Heurigen zur See?

Not macht erfinderisch. Flugs wurde ein Plastikponton aufs freie Wasser gezogen und verankert, darauf platzierten sich die beiden Grillmeister unter einem improvisierten Sonnenschirm und gaben in einem zweistündigen Zeitfenster knackig gebrutzelte Würstel aus; Getränke brachte jeder selbst mit. Das schlug ein bei den Clubkolleginnen und -kollegen: Bei 8–10 Knoten aus Süd fand sich eine bunte Armada aus Jollenkreuzern, Jollen und Elektrobooten ein. Die Anker waren schnell ausgebracht, Wasserstand und Wetter machten es den bis zum Bauchnabel im Wasser stehenden Gästen leicht, einfach zum Grillplatz zu waten und mit den Menschen auf den anderen Booten zu plaudern. Sharing is caring, gute Stimmung, schöne gemeinsame Zeit am Wasser.

Ja, klar, jetzt könnte Kritik aufkommen: Raus­segeln, um sofort zu ankern? Das ist wie Skifahren mit Einkehrschwung bei der ersten Abfahrt, das darf doch nicht sein! Doch, darf es. Aus der Not wurde eine Tugend, die Beziehung zum See gefestigt. Boote wurden bewegt, alte Beziehungen vertieft und neue geknüpft. Segelherz, was willst du mehr!

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