Flowers in your hair

Ort: Hampton Channel Islands Harbor, südlich von Ventura an der kalifornischen Pazifikküste. Zeit: Samstag bei Sonnenuntergang. Einsicht: Wir sind alle Schwestern und Brüder.
Aber der Reihe nach.
Ein Forschungssemester bringt eine willkommene Unterbrechung meines Berufsalltags und führt mich nach Nordamerika, unter anderem an die Westküste. Bevor es in Stanford richtig losgeht, gönne ich mir einen Tapetenwechsel und mache mich auf in den Süden. Buche Hotel in oben genannter Marina, wo ich tagsüber im mobilen Büro auf der Terrasse arbeiten, am Abend den Blick schweifen lassen und das Szenario genießen kann. Alles ein wenig künstlich und aus dem Boden gestampft, aber Wasser ist Wasser und viele Boote gibt es auch. Die Weite der Pazifikküste legt noch ein Schäuferl nach, meine Lektüre passt perfekt dazu: Drop City von T. C. Boyle, der im nahegelegenen Montecito lebt. Die Geschichte spielt im Kalifornien der 1970er und handelt von einer Hippie-Kommune, die – alle sind Schwestern und Brüder und möglichst oft high – nach Alaska zieht und dort mit den Besonderheiten von Land und Leuten konfrontiert ist.
Mit diesen Bildern im Hinterkopf sitze ich im Freien und blicke auf die sehr ansehnliche Zahl von Yachten in der weiteverzweigten Hafenanlage. Alles bunt gemischt, Segel- wie Motorboote, Länge und Qualität stark variierend. Plötzlich wird mir bewusst, dass ich auch die Nicht-Segelboote mit einer gewissen Liebe betrachte. Mehr noch, ich sehe das Gemeinsame stärker als die Unterschiede. Das Befahren der See eint uns über alle Grenzen hinweg. Wow! Fragen Sie, liebe Leserin, lieber Leser, bitte nicht, warum es so lange gedauert hat um zu dieser Einsicht zu kommen. Auch nicht, ob die Liebe zu Bruder Motorboot und Schwester Jet-Ski anhält, wenn sich diese lautstark in der idyllischen Ankerbucht austoben. Heute gilt, dass Mutter Erde und ich alle gern haben, die am Wasser sind.
Und nur zur Sicherheit: Nein, ich habe kein einschlägiges Kraut inhaliert …

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Selbst als nur halber Lateiner aus einem naturwissenschaftlichen Realgymnasium habe ich ursprünglich ‚Forum‘ mit dem Forum Romanum assoziiert, das „in republikanischer Zeit politisches, religiöses und ökonomisches Zentrum der römischen Welt“ war und für viele Touristen einen Fixpunkt im Programm eines Rom-Besuchs darstellt. Wir Heutigen haben andere Assoziationen. Forum ist der Platz, an dem wir virtuell, aber wirklich im Internet in einen Dialog – oder was manche davon halten – eintreten. Bei mir ist das nicht anders. Ich leide als bekennender Anhänger des Fußballklubs Austria Wien im entsprechenden Forum, bin dann und wann erstaunt über Äußerungen im Forum meines Yachtclubs oder schockiert über geäußerte Ansichten zur Politik, Dschungelcamp & Co. im Forum von Der Standard.









 

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Die Nordwestpassage öffnet die Verbindung zwischen Atlantik und Pazifik nördlich von Kanada. Sie ist derzeit vielleicht nicht in aller, aber doch in vieler Munde: Die Seenomaden Doris Renoldner und Wolfgang Slanec lassen uns mit Buch und Multivisions-Show an ihrem abenteuerlichen Törn von Grönland nach Alaska teilhaben. Studien zeigen, dass die Passage zunehmend ohne Meereseis ist. Wirtschaftliche Interessen lassen Der kommerzielle Schiffsverkehr steigt aufgrund wirtschaftlicher Interessen rapide an, was mit möglichen negativen Effekten für die dort lebende Tierpopulation, etwa den Narwal, verbunden ist.









 

Go North-West?

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Vorweihnachtliche Kälte. Die stille Zeit, oft gar nicht mehr so still, aber am heutigen Abend doch: Die Tasse Tee dampft, Kerzenlicht, ein Buch am elektronischen Lesegerät. Auf einmal ein gedämpftes Geräusch von draußen: „F, f, f.“ Neugierig öffne ich die Terrassentür. Da, etwas lauter: „Fai, fo, fi.“ Stirnrunzelnd will ich wieder zurück, als mit einem pfeifenden Woosh das Weihnachtsengerl vor meinen Füßen landet. In seltsamer Aufmachung allerdings. Auf den Flügeln eine Reihe von Tattoos mit in blauen Wellen geschriebenen Namen wie Paul, Willy, Valentin, Serge, Jochen, Esko, Russel, José, Mateusz, Ian, Ben und Giles und, mit ☹ versehen, Kim.









 

Kein Titel!

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Vervollständigung meiner Kollektion der Großen Seen im Grenzgebiet von Kanada und USA. Lake Ontario, Lake Erie, Lake Huron, Lake Michigan und Lake Superior (von Ost nach West) sind mit etwa 245.000 km2 die flächenmäßig größte Ansammlung an Süßwasser weltweit, allein Lake Superior ist etwa so groß wie Österreich. Meine Rundreise führte mich u.a. nach Copper Harbor, Michigan, am Ende der Keweenaw-Halbinsel, die fast bis in die Mitte des Lake Superior hineinreicht. Eher bekannt als Paradies für Mountainbiker, hat Copper Harbor auch eine nette, von öffentlicher Hand betriebene Marina. Sieben reguläre Liegeplätze, ein überschaubares Büro und Sanitäranlagen machen es zu einem kleinen, aber feinen Aufenthaltsort für die Segel- und Motorbootgemeinde im südlichen Teil des Sees.









 

Aquatic Hitchhikers

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In Reichweite

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Ende April in Portsmouth. Während in Österreich der Sommer Urständ feiert, hat es im Herzen der Royal Navy standesgemäß unter 10 Grad. Besuch des Historic Dockyard. Ganz oben auf der britischen Bedeutungsskala vermutlich die HMS Victory, die unter Vize-Admiral Lord Nelson in der Schlacht von Trafalgar gegen die Spanier und Franzosen ikonenhafte Bedeutung erlangte. Ebenfalls beeindruckend: Die HMS Warrior 1860, das erste hochseetaugliche Panzerschiff der Navy mit eisernem Rumpf, die HMS M33, ein küstennah operierendes Kanonenboot aus dem Ersten Weltkrieg mit nur knapp 2 m Tiefgang, das einen Ruf als „lucky ship“ hatte, da sie kein einziges Besatzungsmitglied im Laufe ihres Dienstes verlor, oder die Ausstellung über die 36 Stunden dauernde Seeschlacht vor Jütland 1916 (Skagerrakschlacht) zwischen den von Vize-Admiral Scheer auf deutscher und Admiral Jellicoe auf britischer Seite befehligten Flottenverbänden.









 

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