Firmenporträt Raudaschl

Die Segelmacherei am Wolfgangsee wurde vor genau 50 Jahren gegründet

Firmenporträt Raudaschl

Salzkammergut um die Jahrhundertwende. Schlanke, flache Boote mit auffällig hochgezogenem, spitzem Bug gleiten lautlos über den Wolfgangsee. Bewegt und gelenkt werden sie von einem stehenden Steuermann; ähnlich einem venezianischen Gondoliere zieht er ein seitlich angebrachtes, langes Ruder geschickt durch das Wasser. Traunerl nennt sich diese kleine Schwester der Plätte, die vor allem dem Warentransport dient, aber auch für Ausflüge oder zum Fischen genutzt und üblicherweise aus Tannen- oder Lärchenholz gefertigt wird. Die schnellsten, die schönsten, die besten Traunerl der Region baut ein gewisser Hans Raudaschl in seiner Werkstatt in Ried; auch seine Fischerplätten gelten als exzellent.
Michael Raudaschl, der um 1930 das Geschäft des Vaters übernimmt, erweitert die Produktpalette. Traunerl und Plätte kommen zunehmend aus der Mode, deshalb setzt er auf herkömmliche Ruder-, aber auch Motor- und Segelboote in Klinkerbauweise. Als zweites Standbein eröffnet er in Ried eine Bootsvermietung, die sich bald großer Beliebtheit erfreut. Sein Sohn Hubert, der am 26. August 1942 das Licht der Welt erblickt, wird in ein wirtschaftlich erfolgreiches, angesehenes Familienunternehmen hineingeboren und wächst zwischen Booten aller Art auf. So ist es nur schlüssig, dass er nach Abschluss seiner Pflichtschulzeit eine Bootsbauerlehre im väterlichen Betrieb absolviert.
Im Laufe der Ausbildung entwickelt er ein intuitives Gespür für Form, Material und Funktion, das ihm später noch sehr zugute kommen wird. Zeitgleich lernt Hubert Raudaschl segeln, fasst im UYC Wolfgangsee Fuß, entwickelt eine heftige Leidenschaft für den Regattasport im allgemeinen und die olympische Einmann-Jolle Finn im speziellen. 1956 baut der Teenager Hubert seinen ersten eigenen Finn. Unter Ausnutzung aller Toleranzen und nach seinen ganz persönlichen Vorstellungen, wie ein maximal schneller Rumpf auszusehen hat. Doch der Bootsbau scheint ihm beschränke Perspektiven in Österreich zu haben. Er sieht die Zukunft vielmehr in der Segelmacherei und so zieht es ihn im Alter von gerade einmal 18 Jahren in die Ferne.

Lehrjahre im Ausland

Sein Ziel ist das Steinhuder Meer, ein flacher, windiger See nordwestlich von Hannover, Heimatrevier vieler engagierter deutscher Finn-Segler. Dort lernt der junge Hubert Raudaschl das Handwerk des Segelmachens von der Pike auf. Und trainiert in jeder freien Minute auf dem Wasser. Während eines Besuches daheim schneidert er sein erstes Finn-Segel. Nachts und im Musikpavillon von St. Wolfgang – dort gibt es genügend Platz. Wir schreiben das Jahr 1963. Nur ein Jahr später gewinnt Hubert Raudaschl den Gold Cup und wird Finn-Weltmeister. Mit eigenem Segel selbstredend.

Den gesamten Artikel lesen Sie in der Yachtrevue 4/2015!

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