Sommertörn in den Kornaten

Wie segelt es sich in der Hauptsaison im beliebtesten Archipel Kroatiens? Judith Duller-Mayrhofer ließ sich zu einem Lokalaugenschein überreden

Sommertörn in den Kornaten
Sommertörn in den Kornaten

Schnapsidee. Kroatien im Hochsommer ist eine Schnapsidee, finde ich. Überlaufen, überteuert, überschätzt. Muffige Menschen, kulinarische Wüste. Aber der Liebste, der hier seine Jugend versegelt hat, hält die Kornaten für das schönste Revier der Welt; auch und erst recht nachdem ich ihn über alle sieben Meere geschleppt habe. Er soll auch wieder mal auf seine Kosten kommen. Bitte schön, dann also Kroatien. In den Sommerferien. Mit Freunden, Kind und Kegel, auf einer bei TrendTravel gecharterten Sun Odyssey 49, ab Murter. Nur fürs Protokoll: Ich hab’s gleich gesagt.
*

Der summenden Betriebsamkeit in der Marina Betina wollen wir möglichst bald entfliehen. Also Leinen los, auch wenn es nach Schiffsübernahme und Einkauf schon fast 18 Uhr ist. Ein Hupfer um die Ecke reicht und wir sind in einer anderen Welt. Wie ein Hufeisen umschließt die kleine Insel Zminjak eine nach Südwesten offene Bucht samt Bojenfeld. Plätze wären noch frei, doch wir bevorzugen den Schwimmsteg, der zu einem gepflegt aussehenden Restaurant gehört. Ein gut deutsch sprechender Abgesandter reicht uns artig die Muring, fragt, um welche Uhrzeit wir Abendessen möchten und für wie viele Personen er den Tisch decken darf. Ein netter Empfang, da kann man nicht meckern. Weniger nett ist unser Gegenüber, ein längsseits liegendes Ausflugschiff, das Horden lärmender Touristen ausspuckt. Wir lösen das Problem, indem wir einen ausgedehnten Spaziergang rund um das Inselchen unternehmen. Ein ganz für sich stehendes, romantisches Haus mit liebevoll angelegtem Garten begeistert uns, die Pflanztöpfe sind aus Stein gemauert, die Madonna an der kleinen Mole schaut entrückt aufs Meer.Hier ließe es sich eine Weile aushalten; richtige Begleitung vorausgesetzt. Pünktlich um acht sitzen wir auf der Terrasse, bestellen Thunfisch, Tintenfisch und Koteletts. Die Hauptspeisen sind okay, mehr aber auch nicht; wie man ordentliche Steaks aus einem Tuna schneidet, wissen die Kroaten offensichtlich immer noch nicht. Wirklich fein mundet hingegen der Nachtisch, selbstgemachte Panna cotta mit frischen Beeren. Das Lokal gehört Kresˇimir Plesli´c, der es gemeinsam mit seiner Familie seit 14 Jahren betreibt. Begonnen hat er mit fünf Tischen, jetzt sind es fünf Mal so viele. Der Schwimmsteg wurde heuer verlängert, man muss investieren und sich weiterentwickeln, findet Kresˇimir. 230 Olivenbäume nennt er auf der Insel sein eigen, er presst selber herrlich duftendes Öl, auch der Rotwein kommt aus eigener Produktion, schmeckt allerdings ein wenig gewöhnungsbedürftig. Als das Licht über der Bucht schwindet, hat der Liebste einen von Kresˇimir spendierten Kirsch-Grappa vor sich stehen und schaut so entspannt aus wie schon lange nicht. An den Bojen schaukeln ein paar Segelschiffe, der Touristendampfer hat abgelegt und uns als einzige Yacht am Steg zurückgelassen. Überlaufen schaut echt anders aus.
Ein guter Tag beginnt mit einer Schwimmrunde vor dem Frühstück, das Wasser ist glasklar, sauber und perfekt temperiert. Ein herrlicher Segelschlag bei Leichtwind bringt uns zu der autofreien Insel Vrgada. Wir schnappen uns eine der Bojen, lassen das Beiboot zu Wasser und tuckern an Land.

Dieser Revierbericht ist Teil eines umfangreichen Sonderteiles zum Thema Kroatien und findet sich in seiner gesamten Länge in der Yachtrevue 4/2015

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