Friede, Freude, Eierkuchen

Wer seine Sprösslinge für das Segeln begeistern möchte, sollte sie behutsam in die Materie einführen und den Spaß über das Leistungsprinzip stellen – das gilt für den Opti-Kurs ebenso wie für den Chartertörn mit der Familie

Friede, Freude, Eierkuchen

Wenn Kinder für das Hobby der Eltern Feuer fangen, hat das Vorteile für alle Beteiligten. Eine gemeinsame Leidenschaft stärkt den Zusammenhalt der Familie, erleichtert eine sinnvolle Freizeitgestaltung und legt die Basis für positive Erfahrungen und Erlebnisse. Aber wie kann man den Kleinen das Segeln schmackhaft machen?

Typischerweise werden für den Einstieg in die Thematik drei Szenarien genutzt: der Sommer-Kurs im Segelverein, das von einer Segelschule veranstaltete Ferien-Camp oder ein Segeltörn im Familien- oder Freundeskreis. Jede dieser Optionen hat etwas für sich und birgt famose Chancen – sofern ein paar Grundregeln beachten werden.

Jugend-Woche im Verein


So gut wie alle großen, aber auch viele kleinere Segelclubs haben in den Schulferien eine Segelwoche für den Nachwuchs im Programm. Das Ambiente ist familiär, Hauptzielgruppe sind die Kinder der Mitglieder, meist können aber auch externe Gäste teilnehmen, die Jüngsten sind üblicherweise am Optimisten unterwegs. Wichtiges Qualitätskriterium: Eine Anfängergruppe sollte aus nicht mehr als acht Kindern bestehen und von mindestens zwei, besser drei Coaches betreut werden. „Wir achten auch darauf, dass die Gruppen möglichst altershomogen sind, also lediglich zwei Jahrgänge umfassen“, sagt Michael Dirnbacher, Veranstaltungsleiter der in ganz Österreich legendären Opti-Woche im UYC Attersee, die heuer ihr 50-jähriges Jubiläum feiert. Das macht absolut Sinn – schließlich hat ein sechsjähriger Einsteiger andere Bedürfnisse als seine zwölfjährige Kollegin –, realisieren lässt sich das aber nur bei einer ausreichend großen Zahl an Teilnehmern. Im UYCAs, wo Jahr für Jahr weit über hundert Kinder an der Opti-Woche teilnehmen, bekommt man das gut hin, dort bemüht man sich sogar um eine ausgeglichene Balance zwischen ruhigen, zurückhaltenden Kids und wilden Draufgängern in jeder Gruppe. Davon würden beide Typen profitieren, ist Dirnbacher überzeugt. Auch bereits bestehende Freundschaften werden bei der Einteilung berücksichtigt – „Der soziale Aspekt hat einen enorm hohen Stellenwert beim Nachwuchs!“ – zudem achtet man aus Gründen der Identifikation und Ansprechbarkeit auf Geschlechtergerechtigkeit im Betreuerteam.

Neben den förderlichen Rahmenbedingungen hält Dirnbacher den Fun-Faktor für ein zentrales Prinzip: „Wenn wir die Kinder für das Segeln interessieren wollen, müssen sie sich erstens in ihrer Gruppe wohl fühlen und zweitens Spaß haben“, bringt er es auf den Punkt und stellt im gleichen Atemzug klar, dass man Segeln nicht mit Regatta-Segeln gleichsetzen dürfe. Eine Opti-Woche sei keine Olympiaschmiede, betont Dirnbacher, und Erfolg bedeute nicht, dass das Kind nach ein paar Tagen kreuzen kann, sondern dass es grundsätzlich Gefallen an der Aktivität findet. „Wenn es am Ende der Woche sagt: Das war cool, da will ich nächstes Jahr wieder dabei sein!, dann haben wir unser Ziel erreicht.“ Im UYCAs bietet man den Teilnehmern der Opti-Woche daher eine Reihe von attraktiven Side-Events, etwa Kinderdisco, Rätselralley oder Hüpfburg, die aber nicht priorisiert, sondern bewusst bei Flaute abgewickelt werden.

Den Eltern rät er, sich während des Kurs-Betriebs möglichst nicht in der Nähe ihrer Kinder aufzuhalten, egal ob sie spielen, Knoten lernen oder das Boot aufbauen. „In der Schule sitzen Mama oder Papa ja auch nicht daneben“, so sein Kommentar, „die Autonomie der Kids ist ein echter Knackpunkt und sollte nicht hintertrieben werden, auch wenn es noch so verlockend ist, sie zu beobachten.“ Hinderlich seien auch zu hoch gesteckte Erwartungen, speziell bei Einsteigern. „Wenn die Kids am ersten Tag ohne Segel im Opti sitzen und zu zweit paddeln, haben Eltern manchmal das Gefühl, das wäre verlorene Zeit“, kennt Dirnbacher aus Erfahrung die typischen Vorbehalte, „tatsächlich folgen wir damit aber einem bewährten didaktischen Konzept.“

Wer sich abseits des eigenen Clubs über entsprechende Angebote informieren möchte, nutzt dafür am besten die Homepage des OeSV (www.segelverband.at). Sie erlaubt es, gezielt nach Vereinen in der Nähe eines bestimmten Standorts zu suchen, über die jeweiligen Links lässt sich dann rasch prüfen, wer was anbietet (Termin, Kosten, Altersgruppe, Klasse etc.). Achtung: Bei manchen Jugendwochen ist zu Mittag nicht nur Verpflegung, sondern auch Betreuung inkludiert, bei anderen sind die Kids in dieser Zeit sich selbst überlassen.

Camp in der Segelschule

Einen Schritt weiter gehen Angebote, bei denen die Kinder eine ganze Woche vor Ort untergebracht sind. Der Urlaubscharakter ist deutlich höher, außerdem muss sich die Location nicht in der Nähe des Arbeitsplatzes oder Wohnorts der Eltern befinden. Voraussetzung auf Seiten der Kinder ist ein gewisses Maß an Selbständigkeit – das Alterslimit liegt daher meist bei zehn Jahren –, auf Seiten der Erwachsenen braucht es vor allem die Fähigkeit loszulassen. „Die Kids hängen weniger am Rockzipfel, als die Eltern glauben“, ist Harry Brandstötter überzeugt. Er betreibt gemeinsam mit seiner Frau Josephine die Segelschule Mondsee, die seit Jahrzehnten Jugend-Segelcamps anbietet.

Die gesamte Story lesen Sie in der Yachtrevue 7/2022, am Kiosk ab 1. Juli!

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