Schule des Lebens

Ein Kärntner Junglehrer widerlegt das Vorurteil, dass Segeln elitärer Luxus ist, und bummelte mit begrenztem Budget auf einer 34 Jahre alten Elan 19 monatelang durch die Adria

Schule des Lebens

Ist das Studium beendet, nehmen manche eine Auszeit und bereisen die Welt. Die meisten stürzen sich voller Elan ins Berufsleiden, den wenigsten kommt eine Auszeit auf einer Elan 19 in den Sinn. Zu dieser Gruppe gehört Christoph Menner.
Als der Kärntner 2016 in die Zielgerade des Lehramtsstudiums einbog, träumte er von einem längeren Törn auf eigenem Kiel, der ihn von Istrien bis Athen führen sollte. Was fehlte, war allerdings das dafür nötige Kleingeld. Da erinnerte sich Menner, der als Skipper mehrere Chartertörns absolviert hatte, an das Familienboot, das seit Jahren in einem Stall verstaubte. Es handelte sich um eine Elan 19, die zu diesem Zeitpunkt 30 Jahre auf dem Buckel hatte, ausschließlich auf dem Wörthersee gesegelt worden war und daher für Menners Vorhaben erst einmal auf Vordermann gebracht sowie Meerestauglich gemacht werden musste.

Über den Winter erledigte der Student die wichtigsten Arbeiten, besserte kleinere Schäden aus, erneuerte das Antifouling, polierte den Rumpf, installierte ein Bordnetz mit Landstromanschluss, bezog die Pölster neu und tauschte laufendes Gut sowie Decksbeschläge aus. Kühlbox, Instrumente wie Logge und Echolot, Handfunkgerät und ein 5-PS-Außenborder mit angeschlossenem 30-Liter-Treibstofftank erstand der Kärntner günstig am Gebrauchtmarkt. Auch in anderen Bereichen machte die Not erfinderisch: Die 100-W-Solaranlage stammte von einem alten VW-Bus, ein ausrangierter Scooter wurde als Modul-Halterung zweckentfremdet, die sich zur Sonne ausrichten ließ.

"Meine finanziellen Mittel waren damals äußerst überschaubar“, erinnert sich Menner , „das hat mich aber nicht davon abgehalten, meinen Traum zu verwirklichen." Kaum hatte der frischgebackene Physik- und Sportlehrer sein Diplom in der Tasche, trailerte er die Woodpecker nach Izola, wo das 6,87 m lange und etwas mehr als eine Tonne schwere Boot von einem 60-Tonnen-Travellift zu Wasser gelassen wurde. Der erste Törn, bei dem Menner abwechselnd von zwei Freunden begleitet wurde, führte ihn zweieinhalb Monate durch die Adria bis nach Athen, die Heimreise erfolgte aus Zeitgründen auf der Straße.
Seither verbringt der inzwischen 31-Jährige jährlich mindestens einen Monat auf der Woodpecker und durchstreift damit die Adria. 2019 etwa ging es von Izola aus nach Lastovo, Manfredonia, Ancona und wieder retour. Meist ist Menner solo unterwegs – denn die von ihm so geschätzte minimalistische Art des Segelns ist definitiv nicht jedermanns Sache. Auch nicht jederfraus, wie Schwägerin Christina bestätigt, die immer wieder auf Kurzbesuch an Bord kommt: "Nach vier, fünf Tagen hab ich genug. Auf der Woodpecker gibt es zu wenig Rückzugsmöglichkeit. Und mir geht ziemlich rasch eine feine Dusche ab, die länger als zwei Minuten dauert."

Weniger ist mehr

Auf Annehmlichkeiten wie Toilette, Dusche und Frischwasseranlage muss man auf der Woodpecker nämlich verzichten. Menner bunkert sein Brauchwasser in leeren Trinkwasser-Flaschen, die er immer wieder im Hafen auffüllt; 40 bis 50 Liter kommen so zusammen. Geduscht wird meist am Campingplatz, wo er die Sanitäreinrichtungen gratis benutzen darf.
Auf Gleitschirme, Boards sowie ein Klapprad verzichtet der begeisterte Paragleiter und Kitesurfer hingegen nicht, verstaut werden die Sportgeräte in der Bugkajüte. Gute Kitespots sind fixer Bestandteil der Routenplanung, das Fahrrad erhöht den Aktionsradius an Land.

Der Umstieg von der großen Charteryacht auf den kleinen Hüpfer fiel Menner nicht schwer. "Vom Segeln her macht es keinen großen Unterschied“, ist er überzeugt, „wenn ich auf der Woodpecker unterwegs bin, muss ich halt Wind und Wetter genauer beobachten.“ Vor allem die Welle sei ein kritischer Faktor ist, so Menner, denn das Gegenan-Stampfen würde dem kurzen Rumpf nicht sonderlich liegen.

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