Fels und Brandung

Legendär. Das Rolex Fastnet Race findet heuer zum 50. Mal statt. Anlässlich des Jubiläums unternimmt Roland Regnemer einen Streifzug durch ein knappes Jahrhundert Segelgeschichte

Fels und Brandung

Ein Fels, ein Leuchtturm, jede Menge Geschichten und Legenden sowie die größte Tragödie in der Geschichte des Regatta-Segelsports. Das Rolex Fastnet Race lässt niemanden kalt und strahlt wie kaum ein anderer Wettkampf weit über die Grenzen des Segelsports hinaus. Die Route verspricht auch Ende Juli, also im Hochsommer, durchaus herausfordernde Wind- und Wetterverhältnisse: Start im britischen Cowes, durch den Solent raus aus dem Ärmelkanal und nach der Rundung des namensgebenden Fastnet Rocks zurück auf die französische Seite des Kanals nach Cherbourg. Zum „Seitenwechsel“ kam es erst im Jahr 2021, davor endete die Regatta 96 Jahre lang in Plymouth. Mit der Verlegung der Ziellinie wurde nicht nur der Größenordnung Rechnung getragen, man zollte damit auch der Dominanz der französischen Teilnehmer in den Siegerlisten sowie der Anzahl an professionellen Hochsee-Skippern aus Frankreich Tribut. Auf dem knapp über 600 Seemeilen langen Kurs wird den Teams ein Maximum an Hochseeerfahrung abverlangt, aber auch das klassische taktische Regattageplänkel in küstennahen Bereichen kommt nicht zu kurz.

Begonnen hat alles im Jahr 1925, mit sechzehn Meldungen und schlussendlich sieben Yachten, die sich am Samstag, den 15. August, zu Mittag an der Startlinie einfanden. Gaffelriggs waren noch State of the Art und die Line Honours gingen bei durchwegs Leichtwind nach respektablen 6 Tagen, 2 Stunden und 45 Minuten an Jolie Brise. Das Rennen hieß damals „Ocean Race“, zugelassen waren laut Regulativ Yachten mit Volldeck und beliebiger Takelage sowie einer Wasserlinienlänge von 30–50 Fuß. Berufssegler durften nur beschränkt eingesetzt werden und die Skipper waren – wie damals üblich – auch die Eigner. Nach der Premiere wurde das Rennen jährlich ausgetragen und bereits 1926 der Streckenrekord mit 3 Tagen, 19 Stunden und 5 Minuten beinahe halbiert. Mit Aitken Dick stand in diesem Jahr bereits die erste Frau am Steuer, sie pilotierte ihre Yacht Altair – das Ziel sah sie nicht, die Regatta endete für die Engländerin in einem Irischen Hafen. 1931 stellte man auf den bis heute geltenden Zwei-Jahres-Rhythmus um, 1939 – wenige Wochen vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges – sorgte ein Schiff der deutschen Kriegsmarine für einen neuen Streckenrekord. Optimiert für das damals geltende RORC-Reglement, hielt die Bestzeit der Nordwind bis 1965. Eine Ausgabe davor, also im Jahr 1963, wurde erstmals die Hunderter-Marke bei den Teilnehmern übertroffen. Bis in die 1980er-Jahre wuchs das Fastnet Race stetig, schillernde Persönlichkeiten trugen zur Steigerung der Bekanntheit maßgeblich bei. So holte Medienmogul und America’s-Cup-Sieger Ted Turner zwei Mal in Serie mit seiner American Eagle die Line Honours, 1971 mit neuem Streckenrekord. Legendär auch der Sieg des französischen Segelhelden Éric Tabarly mit dem von ihm gezeichneten und gebauten Zweimaster Pen Duick III.

Schwarzes Kapitel

Das Fastnet Race war mittlerweile die größte Hochseeregatta der Welt, sein Ruf als überaus herausfordernde Sportveranstaltung legendär. Leichtwind-Rennen wechselten mit stürmischen Jahren, schwerere Schäden oder Verletzungen blieben Einzelfälle. Das änderte sich schlagartig mit der Sturm-Ausgabe von 1979, die als größte Tragödie in die Geschichte des Segelsports eingehen sollte. Zugrunde lagen ihr eine unglückliche Verkettung meteorologischer Entwicklungen sowie die vergleichsweise unausgereifte Bauweise vieler Yachten. Von den erstmals über 300 Teilnehmern – eine Zahl, die erst drei Jahrzehnte später wieder erreicht werden sollte – erlitten 112 Schiffbruch, 77 Yachten kenterten vollständig, 15 Menschen verloren ihr Leben. Unzählige Ruderschäden sowie die Tatsache, dass die meisten Yachten die Kajüten nicht wasserdicht verschließen konnten – beides Designschwächen, die den damals üblichen Konstruktionen geschuldet waren –, hatten die Lage zusätzlich verschlimmert. Durch den Wassereintritt fielen reihenweise die Bordelektrik und damit auch Motoren und Funk aus. Rettungsmaßnahmen wurden damit deutlich schwieriger bis unmöglich. Die umfassenden Untersuchungen des Unglücks führten zu einer völligen Neuaufstellung des Regulativs; kein Stein blieb auf dem anderen. Von generellen Sicherheitsvorschriften für Yachten bis zur nachgewiesenen Erfahrung der Crews in punkto Seemannschaft wurde alles Erdenkliche überarbeitet, um eine Katastrophe dieses Ausmaßes in Zukunft zu verhindern. Aus sportlicher Sicht gab es einen neuen Streckenrekord zu vermelden: Die Condor of Bermuda von Bob Bell drückte ihn erstmals unter drei Tage.

Trotz allem wurde der Zwei-Jahres-Rhythmus beibehalten. 1981 gingen 250 Yachten an den Start und wieder kehrte Bob Bell als Erster nach Plymouth zurück, diesmal bei Leichtwind und mit dem damals noch jungen zweifachen America’s-Cup-Sieger Dennis Connor an Bord. Auch zahlreiche andere Stars gaben sich weiterhin ein Stelldichein und zementierten die Ausnahmestellung, die diese Hochseeregatta in der internationalen Szene einnahm. So fanden sich neben dem 1980er-Jahre-Popstar Simon Le Bon, dem Sänger von Duran Duran, auch der SAP-Gründer und erfolgreiche Wirtschaftskapitän Hasso Plattner oder America’s-Cup-Legende Brad Butterworth auf den Skipper-Listen.

Anfang und Ende

Ein herausragendes Jahr war zweifellos auch 1999, das den Eintritt der Multihulls in das Starterfeld mit sich brachte; der Franzose Loick Peyron stellte auf seiner Fujicolor mit einer Zeit unter zwei Tage prompt einen neuen Streckenrekord auf.

Die gesamte Story lesen Sie in der Yachtrevue 5/2023, am Kiosk ab 7. Juli!

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