Puma gewinnt die sechste Etappe

Volvo Ocean Race: Umjubelter Heimsieg für die Crew um Skipper Ken Read

Puma gewann Etappe Nummer 6 und ist damit auch in Sachen Gesamtsieg wieder im Spiel

Puma gewann Etappe Nummer 6 und ist damit auch in Sachen Gesamtsieg wieder im Spiel

Das US-Segelteam Puma Ocean Racing hat die zweite Etappe in Folge gewonnen. Die Crew um Skipper Ken Read wehrte die Angriffe der „Camper“ von Chris Nicholsonerfolgreich ab und kreuzte die Ziellinie vor Miama nach 4.800 Seemeilen eine Stunde, sechs Minuten und 25 Sekunden vor den Neuseeländern. In der Gesamtwertung bleibt es drei Etappen vor dem Ende Anfang Juli im irischen Galway spannend. Franck Cammas’ „Groupama“ aus Frankreich machte durch Rang drei fünf Punkte auf die führende „Telefoníca“ von Iker Martínez gut, hat aber nun selbst „Camper“ und „Puma“ im Nacken. Nach einem Hafenrennen am 19. Mai startet das Feld einen Tag später über den Atlantik zurück nach Europa (Lissabon/Portugal).

Stolz wehte der Sternenbanner hinter der Yacht „Mar Mostro“ aus, die „Puma“-Crew an Deck in Shorts und T-Shirts, entspannt und glücklich über ihren neuen Coup. Rund hundert Begleitboote empfingen das 21,50 Meter lange „Meeresungeheuer“, das spätestens jetzt von der Konkurrenz gefürchtet wird. Diesmal war es fast ein Start-Ziel-Sieg von Read & Co., denn schon nach der Hafenrunde im brasilianischen Itajaí hatte die Mannschaft die Etappenführung übernommen und sie unterwegs nur auf dem Papier zweimal kurz an die „Camper“ abgeben müssen. „Eine unglaulich starke Leistung von meinen Jungs“, lobte der Skipper, „denn die Verfolger haben ebenfalls ein tadelloses Rennen geliefert und uns nie auch nur einen Moment Luft gegeben.“

Auch wenige Stunden vor dem Ziel schmolz der Vorsprung auf dem Regattatracker im Internet noch einmal auf 0,6 Seemeilen. Doch auch das entpuppte sich bald als geschickter, taktischer Schachzug, indem „Puma“-Navigator Tom Addis noch einen Schlag nach Süden machen ließ, um der gegenläufigen Meeresströmung auf den allerletzen Seemeilen mit einem besseren Windeinfallswinkel zu begegnen. „Zu dem Zeitpunkt hatten wir die ‚Camper‘ sicher im Griff“, berichtete auch der Kieler Vorschiffsmann Michi Müller von einem souveränen Rennverlauf und traumhaften Segelbedingungen, die mit der Eiseskälte und den Stürmen des Südpolarmeers zuvor überhaupt nicht zu vergleichen waren. Oft segelten die Crews gar mit nacktem Oberkörper wie auf einer typischen Karibikreise. Die kritischsten Momente seien zwei totale Flauten gewesen, in denen einige seiner Crewkollegen sogar im warmen Atlantik baden gingen. Da hätten die Gegner von hinten im Bogen vorbeisegeln können, doch auch sie hingen letztlich im Windloch fest.

So blieb der Ausgang der Etappe über 17 Tage – drei mehr als ursprünglich gerechnet – zwar jederzeit offen, war aber am Ende nicht so knapp, wie die „Königsroute“ von Neuseeland rund Kap Hoorn nach Brasilien zuvor, als das Puma-Team nur wenige Minuten vor der „Telefoníca“ das Ziel erreichte. Die Top-Favoriten hatten die gesamte erste Hälfte des Rennens weiter vorn gelegen und dann lange zumindest den dritten Podiumsplatz verteidigt. Der reichte ihnen allerdings wohl nicht. Sie griffen das Führungs-Duo noch einmal an und mussten dabei ausgerechnet auch noch ihren ärgsten Verfolger „Groupama“ vorbeiziehen lassen.

Der Empfang für die Siegercrew war grandios. Freunde und Verwandte warteten sehnsüchtig auf dem Steg, wo die „Mar Mostro“ eine Stunde nach dem Zieldurchgang anlegte. „Jetzt genießen wir erst einmal den phantastischen Moment hier“, sagte auch Ken Read, der in der fast 40-jährigen Geschichte des ehemaligen Whitbread Round the World Race der erste US-amerikanische Skipper ist, der eine Etappe in seinem Heimatland gewonnen hat. Das war selbst John Kostecki mit der Leverkusener „illbruck“ trotz zwei US-Stopps nicht gelungen, obwohl er das Volvo Ocean Race 2001-2002 mit mehreren Etappensiegen insgesamt für sich entschied. Daran denkt der 51-jährige Read nach zwei vergeblichen Anläufen erst im nächsten Atemzug: „Warum eigentlich nicht wir? Wir haben einen Lauf und wollen die Regatta nicht nur gewinnen, wir können es auch.“ Nach der Aufgabe durch Mastbruch und null Punkte zum Auftakt landete Puma Ocean Racing zuletzt viermal in Folge auf dem Treppchen.

Nach erst zwei Dritteln des Volvo Ocean Race ist die Ausgangslage vor dem Transatlantiktrip spannender denn je. Die ersten vier Boote trennen nur 17 Punkte, etwas mehr als drei Einzelplätze auf den drei verbleibenden Hochseeetappen. Außerdem stehen noch vier Hafenrennen mit einem Zähler pro Platz auf dem Programm. Zwar hatte das härteste Rennen rund um die Welt mit sechs Meldungen bei dieser Auflage nicht die erhoffte Anzahl von Teilnehmern gefunden. Doch die Leistungsdichte an der Spitze sucht in der Historie Ihresgleichen. In Miami lagen die ersten vier Yachten keine sieben Stunden auseinander.

Endergebnis der 6. Etappe von Itajaí/Brasilien nach Miami/USA:
1. Puma (Ken Read/USA): 17 Tage, 1 Stunde, 13 Minuten und 59 Sekunden; 30 Punkte
2. Camper (Chris Nicholson/Neuseeland): 17 Tage 2:21,24 Stunden; 25 Punkte
3. Groupama (Franck Cammas/Frankreich): 17 Tage 7:39,03 Stunden; 20 Punkte
4. Telefoníca (Iker Martínez/Spanien): 17 Tage 8:06,38 Stunden; 15 Punkte
5. Abu Dhabi (Ian Walker): 17 Tage 15:57,36 Stunden; 10 Punkte
6. Sanya (Mike Sanderson/China): nicht gestartet; 0 Punkte

Zwischenstand nach sechs von neun Etappen
1. Telefoníca (Iker Martínez/Spanien): 164 Punkte
2. Groupama (Franck Cammas/Frankreich): 153 Punkte
3. Camper (Chris Nicholson/Neuseeland): 149 Punkte
4. Puma (Ken Read/USA): 147 Punkte
5. Abu Dhabi (Ian Walker): 68 Punkte
6. Sanya (Mike Sanderson/China): 25 Punkte

www.volvooceanrace.com

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