Harmonie zwischen Stock und Stein

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Schären. Die schwedischen Felseninseln erfordern höchste navigatorische Konzentration. Zur Belohnung bieten sie Einsamkeit und Entspannung

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Sommersprossen. Sailing in the City, atemberaubende Stille, spektakuläre Naturerlebnisse, seemännische Gastfreundschaft. Jürgen Preusser segelte im Schärengarten nördlich von Stockholm einen unvergesslichen Slalom

lück muss man haben! Da sitz’ ich im Flugzeug von Wien nach Stockholm, neben mir ein Schwede namens Hendrik. Er befindet sich auf dem Heimweg von einem Wettkampf am Ottensteiner Stausee im Waldviertel. Swimrun? Nie gehört! „Zwei Frauen oder Männer sind durch ein Seil miteinander verbunden“, erklärt der 50-Jährige, „und du musst abwechselnd schwimmen oder laufen.“ Der Stärkere zieht den Partner in der jeweils schwächeren Disziplin buchstäblich mit. Erfunden wurde diese Sportart 2002, und zwar dort, wo es Inseln gibt wie Sommersprossen auf Pippi Langstrumpfs Wangen: im Schärengarten von Stockholm. Genau dorthin bin ich unterwegs. Apropos Strumpf: Das Gewand wird während des Wettkampfs nicht wie beim Triathlon gewechselt: „Wir schwimmen und laufen im Neoprenanzug und mit Laufschuhen.“ Die ursprüngliche Idee: „Du musst mehrere Inseln und das Wasser dazwischen in einem Zug überwinden.“ Wie so oft bei solchen Aktionen ging auch dem ersten Swimrun eine Wette zwischen ein paar jungen Leuten voraus …

Wieder etwas gelernt. Doch das Schließen dieser Wissenslücke stellte nicht den eingangs erwähnten Glücksfall dar. Zum Glück dauerte der Flug etwas mehr als zwei Stunden und zum Glück ist Hendrik­ ein ausgezeichneter Segler. Er hat achtmal an der prestigereichsten Ostsee-­Regatta Gotland Runt teilgenommen und sie einmal als Vierter von rund 300 Teilnehmern beendet. „Du kennst bestimmt jeden Stein in diesem Revier“, sage ich. „Nein, davon gibt es zu viele“, lacht er. Die ideale Route für einen Wochentörn mit einer siebenköpfigen Crew auf einer Bavaria 55 schüttelt er trotzdem locker aus dem Ärmel. Augenblicklich verwerfe ich meinen daheim in mühevoller Kleinarbeit erstellten Plan: Wir werden Hendriks Tipps exakt befolgen. Als wir vier Tage später zwischen den wildromantischen Inselchen von Norrpada weit weg vom Festland ankern, entlassen wir zu Ehren von Hendrik ein paar Riffs von Jimmy Hendrix in die freie Wildbahn. Wie störend und unpassend das ist, erklärt uns ein grantiger Schwan nach nicht einmal zwanzig Sekunden durch verächtliches Geschrei.

Ab diesem berechtigten Ordnungsruf des empörten Großvogels genießen wir hier draußen ausschließlich magische Stille. Am 9. Juli geht die Sonne um 22:10 Uhr unter und um 3:40 Uhr wieder auf. So richtig finster wird es dazwischen nicht. Um Mitternacht verschwindet der weiße Dreiviertelmond. Das reicht ein paar Sternen, um sich malerisch im glatten Wasser zu spiegeln. Zumindest, bis ein Fisch springt, oder ein Entenpärchen lautlos ein großes V in den Spiegel zeichnet. Hier will man auf keine Weise in die Natur eingreifen: „Wie kommt die einheimische Gelse dazu, von irgendeinem dahergelaufenen Alpenbewohner erschlagen zu werden?“, fragt einer von uns. Naja, man kann sogar Naturliebe übertreiben. Die Mückenplage dauert ohnehin nur je eine halbe Stunde in der letzten Phase der Abend- und in der ersten Phase der Frühdämmerung.

Das Morgenbad bei 17 Grad im salzarmen, grün schimmernden Wasser ist  … nun, nennen wir es erfrischend, aber erträglich. Diese Nacht im Norrpada-­Atoll werde ich nie vergessen. Die Namen der Inselchen Hallskär, Idskär und Storskärkobbarna verschwinden hingegen schon in dem Moment, als unser Anker vier Meter unter uns in den Schlamm sinkt, aus meinem Hirn. Nur Utterrumpan merk’ ich mir. Ja, es gibt hier tatsächlich eine Schäre namens „Otterhintern“.

Von höherem Informationsgehalt waren die Tipps meines Sitznachbarn im Flieger. Sein aktuelles Boot liegt im Mälaren, einem der großen Süßwasserseen westlich von Stockholm. Der zerklüftete See liegt einen knappen Meter über dem Meeresspiegel und ist durch die Schleuse (Slussen) im Zentrum der Hauptstadt mit der Ostsee verbunden. „Ich kann mit meiner 34er da jederzeit durch, das regelt die Hafenverwaltung ganz gut.“ Mit einer 55er sollte man den Mälaren eher meiden: „Die Schleuse ist nicht das Problem, eher die Höhe einiger Brücken. Und im See wird es dann wegen des Tiefgangs und der zu kleinen Anlegestellen unangenehm.“

Als Veteran der schwedischen Marine hat Hendrik noch weitere nützliche Infos in seiner Schatzkiste.

Den kompletten Reisebericht lesen Sie in der Yachtrevue 5/2026 – am Kiosk ab 4. September.

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