Unendliche Augenblicke

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Fantasie. Für manche Anlegestellen braucht man etwas nautische Kreativität, wie etwa an der Steinmole von Zapuntel auf Molat mit Blick auf die Insel Ist vor einer Inselwanderung bei Flaute

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Magie. Teil 2 von Jürgen Preussers Abenteuer-Törn über 5 Jahrzehnte durch Dalmatien handelt von verzauberten Sperrgebieten, von Geldsäcken, von italienischen Flotten, boomenden Kats und bedrohlichen Tornados

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Vanessa Gazzari

Ein paar Meilen vor der Westküste Istriens liegt „Titos Paradies“: Italienisch Brioni, kroatisch Brijuni. Die Gefängnis­inseln auf der anderen Seite von Istrien durften die erlesenen Gäste des Diktators nie zu Gesicht bekommen. Tito nutzte die Hauptinsel des kleinen Archipels als diplomatischen Brennpunkt im Kalten Krieg. „Brioni ist weit, weit weg von Goli Otok“, sagt Marco mit sarkastischem Schmunzeln. Italienisch ist die Muttersprache des knapp 80-jährigen Istriers aus Pola … kroatisch Pula. Er gehört zu einer Minderheit von heute etwa 13.000 kroatischen Italienern und verteilt Prospekte für Insel-Hopping. „Damals war ich Matrose auf einer Fähre, hab‘ einen feuchten Dreck verdient und besser meine italienische Papp’n g’halten.“ Wienerisch kann er also auch. „Ich war zwanzig Jahre Hackler in Wien.“

Josip Broz Tito habe sich in der Rolle des großen Vermittlers gesonnt. Der Marschall gab Empfänge für politische Figuren wie Indira Gandhi oder Kaiser Haile Selassie. Auch Gina Lollobrigida, Sophia Loren, Liz Taylor und Richard Burton veredelten seine Gästeliste. Burton verkörperte Tito danach im Kriegsfilm The Battle of Sutjeska, in dem ganz nebenbei die tiefe Kluft zwischen Serben und Kroaten aufblitzte.

Die beliebtesten Gastgeschenke der hohen Tiere? Exotische Tiere! Aus diesen Statussymbolen entwickelte sich mit der Zeit ein Safaripark, der auch heute noch über Elefanten, Zebras und Antilopen verfügt. Die Attraktion der jetzigen Touristen-Insel. Ein Ticket inklusive Hin- und Rückfahrt mit der Fähre von Fažana kostet 50 Euro. Nicht billig, jedoch hätte man sich im alten Jugoslawien im günstigsten Fall mit einem Panzernashorn oder Schabrackentapir einkaufen können.

Beim Ankern erweisen sich die Brijuni-Inseln als anspruchsvoll. „Ist schwierig für Fremde. Aber früher haben‘s scharf g‘schossen, wenn du Titos Paradies zu nahe gekommen bist“, erzählt Marco. „Des is‘ scho‘ a Fortschritt!“ Definitiv geschossen wurde, wenn jemand den militärischen Sperrgebieten Vis und Lastovo zu nahe kam. Diese Adria-Außenposten sah Tito als Bollwerke. Womöglich gegen bösartige Italiener. Doch erst seit der Öffnung Anfang der Neunzigerjahre erscheint Jahr für Jahr eine Armada unter der Trikolore am Horizont. Allerdings eine prinzipiell friedliche: Zu Ferragosta, ab dem 15. August, wird Dalmatien zum liebsten Urlaubsziel der einst suspekten Italiener. Nicht alle anderen (Segel-)Urlauber empfinden die lautstarken Anlegemanöver dieser Geschwader immer als friedfertig.

Lastovo zählt seit 2005 zu meinen Lieblingsinseln. Vis bereits seit 1990. Unser Ur-Skipper Walter hat offenbar den geheimen Wunsch, als einer der ersten das zuvor gut bewachte Sperrgebiet zu ergründen. Doch ein paar Österreicher mit donaumonarchistischer Schlagseite sind schneller als wir: Die 44er neben uns heißt Sissi. Allerdings fehlt der Doppeladler auf der Flagge. Das Revier um Vis, vormals Lissa, war 1866 Schauplatz des einzigen Sieges der österreichisch-ungarischen Marine. Bunker, U-Boot-Höhlen und verrostete Geschütze sind allerdings Mahnmale späterer Kriegshandlungen. Sissi ist eine Gib’Sea, eine damals höchst beliebte Marke, die 1996 von Dufour übernommen wurde.

52 Törn-Wochen habe ich in Kroatien verbracht. Ein ganzes Jahr. Ein Teil von Walters Ur-Crew hat an drei Ecker-Cups teilgenommen. Einmal haben wir die Klassenwertung dieser inoffiziellen Europameisterschaft der Fahrtensegler gewonnen. Fünf Mal durfte ich beim Round Palagruža mitsegeln. Dazu kamen Hochseemeisterschaften, Business Cup und ein Sieg bei Pitters 1000-Meilen-Rennen. So richtig wehmütig werde ich aber, wenn ich an das Wunder Familien-Törn denke: Maximum waren 30 Menschen, davon 16 Kinder. Dieser Sack voll Flöhe mag zeitweise eine Plage für andere Bucht-Urlauber gewesen sein. Doch gegen die Party-Flotten der Gegenwart waren wir ziemlich harmlos.

Die komplette Story lesen Sie in der Yachtrevue 4/2026 – am Kiosk ab 3. Juli.

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