
Elegante Schönheit. Die 54 Meter lange Chronos ist als Stagsegelketch getakelt, verfügt über ausgezeichnete Segeleigenschaften und nutzt daher primär den Wind für das Vorankommen
©YachtrevueSailing-Classics. Judith Duller-Mayrhofer segelte auf einem klassischen Zweimaster von Martinique nach Antigua und erkundete das Karibik-Revier der Kleinen Antillen auf ganz entspannte Weise
von

Judith Duller-Mayrhofer
So und nicht anders sollte jeder Tag beginnen: Noch schlafwarm die Admiralitätsleiter hinuntersteigen, ins kristallklare Wasser gleiten lassen, drei Mal ums Schiff schwimmen und sich dann von der Morgensonne trocknen lassen. Wir liegen in der Bucht von St. Anne, dem Ausgangspunkt einer Oneway-Segelreise, die uns vom äußersten Süden der Insel Martinique bis nach Antigua führen wird. Die rund zwanzig Gäste, die gestern auf der Chronos eingecheckt haben und aus Deutschland, Österreich, Gibraltar, Malta oder der Schweiz stammen, bilden ein sympathisch bunt gemischtes Grüppchen: Jüngere und ältere Paare, ein erwachsenes Vater-Sohn-Gespann, ein Einzelreisender, eine Familie mit zwei kleinen Jungs. Viele sind ambitionierte Segler, besitzen selbst ein Boot oder chartern regelmäßig und bewegen sich mit sicherer Selbstverständlichkeit auf ihrem in den Wellen schaukelnden Heim auf Zeit. Für andere ist dieser Urlaub ein lang gehegter Traum vom Leben auf dem Wasser und die Chronos eine aufregende fremde Welt, mit der sie sich erst Stück für Stück vertraut machen müssen. Ungeachtet der unterschiedlichen Vorkenntnisse finden sich alle frohgemut zum Frühstück ein, das die aufmerksame Service-Crew als Buffet auf dem Achterdeck aufgebaut hat. Nachdem kräftig zugelangt wurde, gibt es einen Ausblick auf den kommenden Tag. Saint-Pierre ist unser heutiges, rund 30 Seemeilen entferntes Etappenziel, die Route führt uns entlang Martiniques Westküste. Bald heißt es Anker auf und es werden die Segel gesetzt; jeder kann, niemand muss dabei helfen. Die zwei Masten, die auf dem 54 Meter langen, blendend weißen Rumpf der Chronos hoch in den Himmel ragen, tragen eine maximale Segelfläche von 1.000 Quadratmetern, der vordere verfügt über einen Wishbone genannten Gabelbaum, der Assoziationen an das Rigg eines Windsurf-Boards weckt. Tatsächlich ist diese ebenso ungewöhnliche wie auffällige Takelung von traditionellen Fischerbooten inspiriert: Sie verspricht schnelle Fahrt, lässt sich aber auch von einer kleinen Crew und bei viel Wind problemlos und sicher bedienen.
Geruhsamer Einstieg
Wir haben es aber im Moment nur mit einer leichten Brise zu tun. Während sich die Chronos gemächlich am imposanten Diamond Rock vorbei schiebt, sucht sich jeder Gast eine Beschäftigung. Man fachsimpelt mit der Crew, liest, hört Musik oder schaut einfach in den von Schäfchenwolken gesprenkelten Himmel. Auf der Chronos steigt man sich nicht auf die Zehen, es gibt jede Menge Freiraum und zahlreiche Rückzugsmöglichkeiten. Teak und Mahagoni bestimmen das Ambiente, bequeme Pölster und Liegen laden zum Entspannen ein und erzeugen eine unaufdringliche Form von maritimer Gemütlichkeit, in der man sich auf Anhieb wohlfühlt. Die in der Türkei gebaute Bermuda Ketch ist seit dreizehn Jahren im Dauerbetrieb, sieht aber aus wie neu. Weder an noch unter Deck sind schäbige Ecken oder abgenutzte Stellen zu finden – mit Service und Pflege nimmt man es offensichtlich sehr genau. Am frühen Nachmittag erreichen wir den Küstenort Saint-Pierre, der bis 1902 die Hauptstadt von Martinique war und als „kleines Paris der Antillen“ bezeichnet wurde. Doch 1902 löschte eine massive Eruption des nahen Vulkans Mount Pelée die stilvolle Ansiedlung, in der damals rund 30.000 Menschen lebten, komplett aus. Der Wiederaufbau ging nur schleppend voran, Fort de France wurde zur neuen Hauptstadt ernannt und so ist Saint-Pierre heute nicht mehr als ein verschlafener Hafen, in dem wir uns ein wenig die Beine vertreten.
Den kompletten Reisebericht lesen Sie in der Yachtrevue 4/2026 – am Kiosk ab 3. Juli.
Über die Autoren

Judith Duller-Mayrhofer
