
Unschätzbar. Die Kornaten vom Gipfel der Insel Levrnaka. Unsagbar dankbar für jeden dieser sichtbaren, fühlbaren, aber unhörbaren Augenblicke in einer nur per Boot erreichbaren Wüste im Meer
©PREUSSER, KLING, VOLLNHOFERWandelbar. Ein zweiteiliger Abenteuer-Törn durch das Paradies Dalmatien mit Jürgen Preusser als Skipper. Fünf Jahrzehnte von Titos Jugoslawien, über furchtbare Kriegssplitter, kostbare Abenteuer, wunderbare Familientörns bis in die unplanbare Zukunft. Fortsetzung folgt …
Jugoslawien war für mich tabu. Ich habe Bilder von spektakulären Strandseglern auf dem festgepressten Watt-Sand bei St. Peter-Ording an der Nordsee im Kopf. Ab und zu flackert auch ein dänischer Leuchtturm am Horizont meiner Erinnerung auf. Mein Vater stammte aus der Segel-Metropole Kiel an der Ostsee. Urlaub hieß für meine beiden Brüder und mich Sandburgen, Strandkörbe, Möwennester in den Dünen. Und natürlich halsbrecherische Wellenbäder in der oft meterhohen Nordsee-Brandung. Jugoslawien war auch tabu, weil mein Vater bei der US-Botschaft in Wien arbeitete. Das Reich des kommunistischen Rebellen Josip Broz Tito war für unsere Familie Sperrgebiet wie auch die Ostblock-Staaten. Beim Schulausflug nach Budapest wurde am Grenzübergang Nickelsdorf ein 13-jähriger Internatsschüler namentlich aufgerufen und von Zollsoldaten aus dem Bus gezerrt. Erst ein Wutanfall meines Chef-Erziehers, eines ungarischen Salesianer-Paters (in seiner Muttersprache ohne Untertitel), verwandelte den Uniform-Grobian in einen frommen Zwerg. Ich durfte wieder einsteigen.
Schulfreunde erzählten vom Bootfahren auf dem Plattensee, vom Camping auf der Insel Krk, von ihrer Schiffsreise Rijeka – Dubrovnik. Ich beklag‘ mich keineswegs, obwohl all das tabu war. Meer war für mich Nordsee. Ohnehin ein Privileg.
In meiner Zeit als junger Sportjournalist in den Achtzigern wurden den Wiener Fußball-Klubs im Europacup ständig Ostblock-Gegner zugelost. Meine Mutter schlug die Hände über dem Kopf zusammen, wenn mich Dienstreisen hinter den Eisernen Vorhang führten. Darum gab ich meinen Basketball-Kollegen vorerst einen Korb, als jene mit dem Segeln in Dalmatien begannen. 1985 endete mein Gehorsam. „Um Gottes willen“, trompetete meine Mutter. „Bist du des Wahnsinns?“ Ihre Darbietung war zwar oscarreif, ihre Angst aber nicht ganz unbegründet: Tito war seit fünf Jahren tot, doch seine Nachfolger versprachen nichts Gutes …
Meine erste Balkan-Reise war aus anderen Gründen lebensgefährlich: Schon in Slowenien schlitterten wir mit beiden Autos von der Fahrbahn in einen Acker, weil die Jugoslawen einen legendären Bitumen-Asphalt verwendeten, der bei leichtem Regen Schmierseife bildete. Die Parkgebühr am Flughafen Zagreb machte nur einige Dinar aus. Doch zwei Kilo Wiener Kaffee zauberten ein Lächeln ins Gesicht des grimmigen Wächters. Jetzt waren unsere Fahrzeuge in Sicherheit.
In der Propellermaschine nach Dubrovnik bekamen wir jugoslawischen „Kaffee“. Schon vor dem ersten Schluck war mir klar, warum Wiener Röst-Mischungen hier als beliebtes Zahlungsmittel galten. Der Touchdown auf einer der anspruchsvollsten Landebahnen Europas entwickelte sich nach dem Genuss der Ersatz-Bohnenbrühe aus Feigen (?), Linsen (?) oder Schlimmerem zur verdauungstaktischen Herausforderung. Die Taxifahrt zum Hafen bescherte mir dann noch die vermutlich lebensgefährlichsten vierzig Minuten meiner seither 93 Segeltörns: „Hast du Jakobs Monarch?“, fragte der Taxler, der uns zur Marina bringen sollte, während er den Zündschlüssel umdrehte. Wir hatten. Und er gab Gas. Der Zastava – ein grundsätzlich blaugrauer Jugo-Fiat – rauchte mit halsbrecherischen 80 km/h entlang der Schlagloch-Piste. Hätte ich bloß auf meine Mutter gehört!
In manchen Kurven standen noch kleine Wolken aus Schweröl-Schmiermittel-Gemisch, die zuvor ein Lastauto beim Zwischengasgeben abgesondert hatte. Diese hartnäckigen Flatulenzen bringst du ewig nicht aus der Nase. Wahrscheinlich hab ich mich deshalb sofort in das wohlige Aroma des Schiffsdiesels verliebt. Die komplette Story lesen Sie in der Yachtrevue 3/2026 – am Kiosk ab 30. April.

