Ecker-Pleite schlägt Wellen

Chronologie, Hintergründe und mögliche Auffanglösungen in der Dezember-Ausgabe

Die Nachricht von der Zahlungsunfähigkeit des renommierten Yachtcharterunternehmens Ecker hat wie eine Bombe eingeschlagen. Mit insgesamt 238 Gläubigern, 19 Mitarbeitern und einer Überschuldung von mehr als 4,8 Millionen Euro ist das eine der größten Pleiten in der Geschichte der Yachtcharterbranche.
Aktiva von rund 1,9 Millionen Euro stehen Passiva in Höhe von 6,8 Millionen Euro gegenüber, darunter 1,75 Millionen Euro, die Ecker Schiffseignern schuldet. Schaut man sich das Aktivvermögen genauer an, wirkt die Lage noch trauriger. Eine Liegenschaft ist mit Hypotheken über den Verkehrswert belastet. Schiffe mit einem Verkehrswert von 1,6 Millionen Euro stehen unter Eigentumsvorbehalt. Das freie Vermögen beträgt lediglich € 81.000,–.
Über die Gründe für das Desaster kann derzeit nur spekuliert werden. Einige liegen bereits auf dem Tisch, andere sind noch im Verborgenen. Parallel dazu kocht die Gerüchteküche über und es werden Vorwürfe in alle Richtungen laut – wie es für eine solche Situation typisch ist.
Bereits kurz nach dem Einstieg 2008 stellte das neue Management rund um Hannes Kikinger fest, dass die Lage des Unternehmens nicht ganz so rosig war wie gedacht. In Kroatien lenkte ein Firmenkonstrukt von 32 Gesellschaften, in dem Schiffe kreuz und quer verschoben wurden, die Aufmerksamkeit der Finanz auf sich, weiß ein Insider. „Schon nach der Übernahme zeigten sich finanzielle Schwierigkeiten dadurch, dass in den einzelnen Partnerländern Steuerrechtsprobleme und Steuernachforderungen aufgetreten sind“, heißt es dazu im Insolvenzantrag. Die kroatischen Behörden waren nämlich zum Schluss gekommen, dass es sich bei Ecker Yachting nicht um ein Charter-, sondern ein reines Vermietungsunternehmen handle. Die Folge: 22 Prozent statt zehn Prozent Mehrwertsteuer plus Einfuhrzoll. Insgesamt forderte die Finanz 2010 rund 1,7 Millionen Euro. Dazu kam ein Veruntreuungsfall in Griechenland: Eine Basisleiterin führte die Lohnabgaben nicht ab, es entstand ein Schaden von 200.000 Euro.
Doch das alleine kann die Schieflage des Charterunternehmens nicht erklären. In der Yachtrevue, die am 6. Dezember erscheint, kommen auch betroffene Eigner zu Wort, die schwere Geschütze auffahren. So sollen Yachten, auf denen eine Hypothek lastete, verkauft worden sein ohne die neuen Eigner davon zu informieren. Weiters steht der Vorwurf der Konkursverschleppung im Raum.
Trotz aller offenen Fragen wird im Hintergrund eifrig an einer Auffanglösung gearbeitet. AWN-Chef Ortmüller bestätigt sein Interesse für eine Beteiligung und wünscht sich den Firmengründer Kurt Ecker mit an Bord. Wie dieser auf Ortmüllers Wunsch reagiert und welche Alternativen es für eine Weiterführung sonst noch gibt, erfahren Sie ebenfalls in der nächsten Yachtrevue.

Die betroffenen Eigner treffen sich am 7. Dezember in Ansfelden. Näheres erfahren Sie bei werner.kraus@ubk.at

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