Auf und davon

Indischer Ozean. Wenn hierzulande kurze Tage und fallende Temperaturen die Stimmung trüben, startet die Insel Mauritius in die Hauptsaison und bietet Wassersportlern ein ideales Umfeld, um ihrer Leidenschaft nachzugehen

Auf und davon

Rund 1.800 Kilometer östlich des afrikanischen Kontinents und knapp unterhalb des Äquators hebt sich mit Mauritius ein tropischer Flecken Land aus dem Indischen Ozean, der ans Paradies gemahnt. Glasklares Wasser und feinsandige Strände locken an seine Ränder, bewaldete Bergketten, Naturreservate und kulturelle Sehenswürdigkeiten ins Inselinnere. Die Bevölkerung, ein bunter, aber friedlich zusammen lebender Mix aus unterschiedlichen Kulturen und Religionen, ist außergewöhnlich freundlich, der Lebensstandard vergleichsweise hoch, die Kriminalitätsrate niedrig, die Zeitdifferenz zu Europa gering, die politische Lage stabil. Dass man hier prächtig Urlaub machen kann, versteht sich von selbst. Dennoch ist die Insel nicht überlaufen. Rund 1,4 Millionen Gäste kamen vor der Pandemie pro Jahr nach Mauritius – eine Anzahl, die heuer im etwa gleich großen Mallorca alleine im Monat Mai zu verzeichnen war.
Für Wassersportler ist der stetige Südostpassat ein weiteres starkes Argument. Am stärksten weht er zwischen April und Oktober, aber auch im europäischen Winter, wenn es auf Mauritius mit einer Durchschnittstemperatur von 30° am heißesten ist, bleibt er verlässlich und mehrere Flautentage hintereinander sind eine Seltenheit. Da die Insel beinahe durchgängig von einem Korallenriff umschlossen wird, ist klassischer Bareboat-Charter kein Thema, aber in den Lagunen innerhalb dieses Gürtels finden sich wunderbare Bedingungen für Boots- und Board-Aktivisten. Am Nordwestzipfel von Mauritius und an einem der besten Plätze überhaupt – perfekt vor Wellen geschützt, weiter Radius, ausreichende Tiefe auch bei Ebbe – ist seit 2014 das Segelzentrum Wildwind Adventures situiert. Gegründet wurde es von einem Deutschen, dem auf Mauritius lebenden Klaus Gerasch, der eine beachtliche Flotte anzubieten hat: Acht Hobie Cats (15, 16, Pacific), fünf Laser/ILCA mit unterschiedlichen Riggs, weitere Solo- und Zweimann-Jollen sowie Surf- und SUP-Boards stehen auf seiner Basis in Mont Choisy bereit. Brandneu im Programm ist Wingfoil-Equipment – Klaus Gerasch, der jahrzehntelang als Manager für internationale Konzerne tätig war, hat offenbar nicht nur ein feines Gespür für kommende Trends, sondern auch die Kraft, beizeiten auf den Zug aufzuspringen. Wer einen Segelschein machen möchte, liegt bei ihm ebenfalls richtig, denn Wildwind Adventures ist zertifizierte Ausbildungsstätte der Royal Yachting Association (RYA) und des Verbands Deutscher Wassersport Schulen (VDWS). Die meisten seiner Gäste, die primär aus Großbritannien, Deutschland und Österreich kommen, möchten aber nicht die Schulbank drücken, sondern unkompliziert Spaß am Wasser haben. Und dafür finden sie in Mont Choisy die allerbesten Voraussetzungen.

Leichtigkeit des Seins

Denn bei Wildwind wird den Kunden alles aus dem Weg geräumt, was ebendiesen Spaß vermiesen könnte. Boot aufbauen, Leinen einfädeln, sich mit dem Slipwagerl abmühen? Nicht nötig. Wer am Vortag bekannt gibt, wann er mit welchem Modell aufs Wasser möchte, findet es zum vereinbarten Zeitpunkt startklar vor; nur umziehen muss man sich selbst. Sechs Mitarbeiter, drei davon ganzjährig fix angestellt, arbeiten gut eingespielt zusammen und liefern großartigen Rundum-Service. Mit unerschütterlich guter Laune unterstützen sie die Gäste beim Lossegeln, nehmen diese nach der Ausfahrt wieder in Empfang und versorgen das Material. Fallen lassen, aussteigen, duschen gehen; bequemer geht es nicht. Sicherer übrigens auch nicht. Ein Teil der Crew hält stets die Augen offen und ist auf einem kraftvollen Schlauchboot verlässlich zur Stelle, wenn ein Wildwind-Gast am Wasser Probleme haben sollte. Je nach Bedarf gibt es gute Tipps oder tatkräftige Hilfe, etwa nach einer Kenterung, wer sich den Herausforderungen gar nicht mehr gewachsen fühlt, kann auf das Motorboot wechseln und den Platz an der Pinne einem der Wildwind-Jungs überlassen. Die zeigen dann, wie es geht, haben sie doch Boote wie Boards souverän im Griff. Als Beispiel sei der sympathische Kuna genannt. Der 20-Jährige zählte im Laser zu den besten Jugendlichen auf Mauritius und zirkelt die Halsen dementsprechend gekonnt über die türkisfarben schillernde Lagune, ist ein Könner am Kat, springt mit dem Windsurfer über jede Brandungswelle und hat sich auch das Wingfoilen in kürzester Zeit angeeignet – ein Multitalent, von dem man gerne lernt. Auf Wunsch legen er und seine Kollegen auch einen Regattakurs aus und lassen ein Startprozedere ablaufen.

Dass dieses Konzept die Bedürfnislage der Gäste trifft, beweist die hohe Anzahl an Stammgästen. Dazu zählen auch die Österreicher Tina und Gerhard Weinreich, engagierte Fixstarter in der heimischen und internationalen Finn-Szene, die derzeit ihren fünften Wildwind-Stopp planen. „Hier bist du keine anonyme Nummer, sondern wirst persönlich betreut“, schildert Tina Weinreich ihre Erfahrungen, „und die Aktivitäten lassen sich sehr individuell und flexibel gestalten.“ Dass sich mit Klaus Gerasch der Chef als Ansprechpartner vor Ort befindet, ist für das Paar ein weiterer Pluspunkt, gleiches gilt für den oben angesprochenen Sicherheitsfaktor sowie die effektive Nutzung der kostbaren Urlaubszeit. „Du kommst auf die Basis und kannst sofort aufs Wasser“, bringt es Gerhard Weinreich auf den Punkt.

Faszination Blauwasser

Zwei bis drei Mal pro Woche werden von einem Safety-Boot begleitete Tagestouren mit der Katamaran-Flotte angeboten, die aus der Lagune hinaus, aufs offene Meer und zu unterschiedlichen Sandstränden führen, etwa in die touristisch-trubelige Grand Baie oder die vergleichsweise ruhige Baie du Tombeau. Diese „Sail away“ genannten Ausflüge, bei denen zwischen 10 und 15 Seemeilen zurückgelegt werden, erfreuen sich großer Beliebtheit, bieten sie doch die Möglichkeit, nach einem detaillierten Briefing unter Aufsicht die langgezogene Ozeanwelle zu genießen und den seglerischen Horizont zu erweitern.

Die gesamte Story lesen Sie in der Yachtrevue 12/2022, am Kiosk ab 3. Dezember!

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