Die Polizist von die Hafen

IQ-Test. Jeder Segeltörn bietet vom Einkaufen bis zum Anlegen sehr viele versteckte Denksportaufgaben

Die Polizist von die Hafen

Selbst in Kroatien wird das Sicherheitsdenken inzwischen nach dem Vorbild USA schwer überzeichnet. Oder sogar frei erfunden! Beispiel: Das aufdringliche Pickerl auf allen Charter-Yachten, wonach die Durchfahrt unter der Brücke zwischen den Inseln Pašman und Ugljan unbedingt zu meiden sei.

Ein Skandal! Die da oben wollen verhindern, dass unsereiner unter der Brücke durchfährt! Auch wir haben das Recht auf eine eigene Meinung! Und ich lasse mir von keinem so genannten Wissenschaftler meine Meinung verbieten, dass ich mit einem 19 Meter hohen Mast unter einer 16 Meter hohen Brücke durchpasse! Und die von der Brücken-Lobby bezahlten Mainstream-Medien spielen bereitwillig mit! Die fast wöchentlichen Fotobeweise im Internetz, wonach wieder ein Maßband-Skeptiker an der Brücke zerschellt ist? Fake News! Alles nur Foto-Shop!

Nein, so sind wir nicht. Im Gegenteil: Viele behaupten, Segler sind intelligenter als andere Menschen. Natürlich nur im Durchschnitt! Das heißt nicht, dass alle Segler intelligenter sind als alle anderen Menschen. Wenn einer während der Suche nach einem freien Liegeplatz in einer Marina plötzlich schreit: „Da vorn ist eine Lücke!“ Und wenn sich dann herausstellt, dass die Lücke zwischen den Rümpfen eines Katamarans liegt... Okay, ich fürchte, dass dieser Mensch daheim eine Straßenbahnschiene für einen Fahrradständer hält.

Die Denksportaufgaben beginnen meist lang vor jedem Törn: Großeinkauf im Supermarkt am Tag nach dem Ende der Maskenpflicht. Wir kommen mit zwei vollen Einkaufswägen zur Kassa und tragen trotzdem beide noch Mund-Nasen-Schutz. Die Kassiererin sagt: „Des dirfn S‘ nimma!“ Dürfen! Die junge Frau ist allen Ernstes der Ansicht, dass man jetzt keine Maske mehr tragen darf! Doch die Pointe kommt erst: „Des dirfn S‘ nimma!“ – und wir nehmen beide reflexartig die Maske ab. Dann sagt diese Perle des Hausverstandes auch noch: „Sie können die Selbstbedienungskasse benützen!“ Worauf mein genervter Mitsegler antwortet: „Sorry, Sie arbeiten hier! Nicht ich!“

Das hab‘ ich dann am Flugplatz beim Self Check-In ausprobiert. Wie komm‘ ich dazu, dass ich die Hack’n der Fluglinie mache? Fehlt noch, dass dir einer die Fernbedienung in die Hand drückt und sagt: „Hock dich ins Cockpit! Athen flieg ma heut!“ Ich hab‘ dann doch jemanden gefunden, der mir die Bordkarte ausgedruckt hat. Aber erst, nachdem ich mir von einer älteren Dame den Rollator ausgeborgt hatte.

Die kleinen Ärgernisse sind in Athen gleich weiter gegangen: Erst im Charter-Büro fällt mir auf, dass ich nur eine Schwarz-Weiß-Kopie meines Segelscheins mithabe. Die Office-Tante ist deshalb sehr traurig und sagt: „Tut mich sehr leid. Muss ich diese haben in Farbe. Die Polizist von die Hafen immer will Farbe.“

Doch in derselben Sekunde schlägt der erlösende Geistesblitz im Oberstübchen der jungen Frau ein: „Ach ja! Kann ich machen ein Farbkopie!“ Ich liebe die Flexibilität der Griechinnen! Leider hat ihre Kollegin kurz davor für alle Charter-Kunden offenbar im gesamten Mittelmeerraum eine Wetterseite ausgedruckt und den Druckauftrag nicht zurückgesetzt. Ergebnis: Hundert Farbkopien vom Schwarz-Weiß-Ausdruck meines Segelscheines!

Und genau in diesem Augenblick stolziert der Polizist von die Hafen wie ein Gockel bei der Tür herein. Er sieht die Blätter mit meinem Foto maschinengewehrartig aus dem Kopierer schießen, schnappt eines und sagt: „Aha! Isse Steckbrief das, äh? Bist du eine Seeräuber, äh?“ Jetzt stellt sich heraus, dass dem Herrn Inspektor mein Segelschein völlig wurscht ist. Er ist der heimliche, markant hormongesteuerte Verehrer der Intelligenzbestie am Kopierer. Der Satz „Die Polizist von die Hafen will immer Farbe“ bekommt eine völlig neue Bedeutung: Er bezieht sich eindeutig auf den knallroten BH der jungen Frau, der durch ihre weiße Bluse leuchtet und sich jetzt im Auge des Gesetzes spiegelt.

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