Ein Hauch von Hochsee

Unterwegs in der Kvarner Bucht. Zum ersten Mal als Skipper. Und mit einer waschechten Blauwasseryacht, wie es sie im gesamten Mittelmeer nur einmal zu chartern gibt

Ein Hauch von Hochsee

Was hat mich dazu bewogen die Kvarner Bucht für meinen ersten Törn als Skipper auszuwählen? Vor allem der Wunsch, diesen heil zu überstehen. Und der ging in Erfüllung. Wir sind fast am Ende unserer Reise angelangt, segeln in die Abendsonne vor Premantura, vor uns die flachen Inseln rund um Medulin. Mir kommt der Seebär in den Sinn, der da meinte, der Kvarner sei abgegrast und könne nicht mehr überraschen. Da durchpflügen zwei Rückenfinnen die Horizontlinie und meine Gedanken. Ein Delfinpaar gesellt sich zu uns. Die Tiere begrüßen das Boot wie einen alten Freund. Sie kommen so nahe heran, dass wir sie fast berühren können. Doch, der Kvarner kann überraschen.
*
Wie viele Stunden haben wir damit verbracht die Route festzulegen. Anfangs plante ich jeden Schlag über 30 Seemeilen. Viel zu lang, prophezeite man mir. Stimmt. Es dauerte Wochen, bis Ying und Yang – Reisen und Rasten – aufeinander abgestimmt waren. Schließlich legten wir uns fest. Start- und Zielhafen sollte die Marina Veruda bei Pula sein. Dazwischen nahmen wir zwei Inseln und gut hundert Seemeilen ins Visier. Das erschien mir wenig. Aber was weiß man schon als Neuling.
Nun stehen wir – zwei Frauen und drei Männer, alle mehr oder weniger Segelneulinge – vor der Gorgo, einer Alubat Ovni 39 mit Integralschwert, der einzigen, die man im Mittelmeer chartern kann. Stützpunktmitarbeiter Paolo erklärt uns eine Stunde lang das Schiff, vor allem die Segelführung. Denn die Gorgo hat kein Rollreff, das durchgelattete Groß wird klassisch gerefft und eingebunden. In einer Achterkabine stoßen wir auf Schaltkästen, die uns Paolo als „Notstromweichen“ erklärt: Wenn die Batterien fast leer sind, wird ein Hebel umgelegt und der restliche Ladestrom Richtung Motor-Anlasser gebündelt. Wir verstehen nicht annähernd die Hälfte seiner technischen Ausführungen und scheitern zunächst sogar am Bunkern unserer Lebensmittel, weil die klassischen Stauräume in der Bilge mit Dieselfiltern und Seeventilen verbaut sind. Später finden wir unter den Sitzbänken in der Messe reichlich Platz für Bier, Brot & Co – alles ist gut.
Die Gorgo, das zeigt sich rasch, ist keine klassische Charteryacht, punktet nicht mit einfachem Handling und Espressokapsel-Komfort. Daher wohl auch der Schiffsname: Gorgo war in der griechischen Antike eine Königin der Spartaner; Überlieferungen zufolge soll sie auch grausam und berechnend gewesen sein. Uns kann sie hingegen mit ihren charmanten Seiten überzeugen.
Bevor wir am nächsten Tag Richtung Pomer aufbrechen, üben wir einige An- und Ablegemanöver. Der Radeffekt (rechtsdrehend) ist beim Aufstoppen vor dem Anleger enorm, die Gorgo bricht retour mitunter recht heftig nach backbord aus. Mit etwas Übung und Dosierung kann man sich das beim Einparken zunutze machen, wenn man vor dem Anlegen nach Backbord überdreht – vorausgesetzt man hat dort auch Raum. Letztlich benutzen wir der Einfachheit halber meistens das Bugstrahlruder, obwohl wir genau das eigentlich aus sportlichen Gründen hatten vermeiden wollten. Der Geist ist willig, das Fleisch schwach … Auch die Navigation am Kartentisch verwerfen wir rasch. Zu verlockend ist der Plotter-Display, der am Steuerstand montiert ist.
Kaum in der Marina Pomer eingelaufen, bildet sich eine Menschentraube um die Gorgo. Alle wollen das Boot inspizieren. Also bitten wir an Bord und erklären Dinge, von denen wir noch keine Ahnung haben. Das wird uns in den kommenden Tagen noch öfter passieren.
Abends sitzen wir im „Miramare“ unter einem Olivenbaum, essen mit Scampi gefüllte Calamari, Seezunge, Dondole und Jakobsmuscheln. Wir sind die einzigen Gäste, die Kellnerin sieht aus wie Uma Thurmans freundliche Schwester, die Zikaden zirpen, im Hafen wartet „unser Boot“. Das Leben kann so schön sein.
Duft der Freiheit
Für Tag drei unseres Törns hatten wir den ersten ernsthaften Segelschlag geplant. Doch der Wind weht mit 8 bis 10 Knoten nur mau. Umso intensiver widmen wir uns dem Segeltrimm. Rasch zeigt sich die Stärke des durchgelatteten Groß, das einfach super steht und im Zusammenspiel mit der Genua immerhin drei Knoten Fahrt aus der Gorgo holt.

Den gesamten Reisebericht lesen Sie in der Yachtrevue 2/2016, am Kiosk ab 5. Februar!

Der komplette Bericht als PDF-Download:

Ein Hauch von Hochsee, Seite 1 von 4 Ein Hauch von Hochsee, Seite 2 von 4
Ein Hauch von Hochsee, Seiten 1/2 von 4
Ein Hauch von Hochsee, Seite 3 von 4 Ein Hauch von Hochsee, Seite 4 von 4
Ein Hauch von Hochsee, Seiten 3/4 von 4

Weitere Artikel aus diesem Ressort

Ressort Revierberichte

Wie im Flug

Abwechslungsreiche Ziele, kurze Distanzen, einmalig schöne Landschaft und beständiger Wind machen die ...

Ressort Revierberichte

Vom Exil zum Paradies

Die Insel Elba war einst wild umstritten. Jürgen Preusser erkundete sie im Rahmen einer ebenso spannenden ...

Ressort Revierberichte
PDF-Download

Bella Italia

Die Pontinischen Inseln westlich des Golfs von Neapel sind nicht sonderlich berühmt und doch mehr als ...

Ressort Revierberichte
PDF-Download

Höllenritt im Paradies

Himmlische Ruhe, wüstes Treiben. Milde Dünung, wilde Brecher. Sanfte Brise, harte Kante. Helles ...

Ressort Revierberichte
PDF-Download

Gegen den Strom

Bei einer Bootsfahrt am Canal du Midi kommen nicht nur Schleusen-Fans voll auf ihre Rechnung, sondern auch ...

Ressort Revierberichte
PDF-Download

Balsam für die Seele

Die Inseln vor Sibenik sind alles andere als Lückenfüller. Mit kurzen Distanzen, sicheren Häfen und ...