Oceanis 51.1

Ein revolutionärer Rumpf hebt die neue Linie in Sachen Platzangebot auf ein neues Niveau und verleiht ihr ganz nebenbei ein ausgesprochen sportliches Auftreten

Oceanis 51.1

Es weht mit 15 Knoten Grundwind, die Böen, die immer wieder über uns hinwegfegen, sind deutlich stärker. Der Regen ist so heftig, dass die Tropfen schmerzhaft auf mein Gesicht prasseln. Bedingungen, bei denen man normalerweise dem Autopiloten das Kommando übergibt und sich unter die Sprayhood verzieht. Doch die Art und Weise, wie sich die Oceanis steuern lässt, ihr souveränes Verhalten und die Gelassenheit, mit der sie auf Böen reagiert, bereiten reine Freude. Also bleibe ich am Steuer und genieße den wilden Ritt.

Olivier Racoupeau, der es sich nicht hat nehmen lassen, beim Test vor Porto Giniesta in Spanien persönlich dabei zu sein, fällt das auf. Der aus La Rochelle stammende Konstrukteur beobachtet jede meiner Bewegungen; wenn sich unsere Blicke treffen, huscht sowohl bei ihm als auch mir ein Lächeln der Zufriedenheit über das Gesicht.

Kreative Pause

Racoupeau ist der Mann, der für die Neuaufstellung der Oceanis-Palette verantwortlich ist. Aufsehen erregte er bereits 2010, als er für Beneteau die Sense-Linie entwickelte, sowie 2017, als das von ihm gezeichnete Flaggschiff Oceanis 62 in der Kategorie Luxusyachten zu Europas Yacht des Jahres gewählt wurde. Mit dem innovativen Design setzte er in vielerlei Hinsicht neue Standards, von einer simplen Fahrtyacht ist die 62er aber ein Stück weit entfernt. So gesehen läutet die Oceanis 51.1 als eigentliches Flaggschiff der Oceanis-Palette den Beginn einer neuen Ära ein.

Ihre Entstehungsgeschichte ist reich an Hürden und Rückschlägen. Mehr als 25 Vorschläge legten Olivier Racoupeau und das italienische Styling-Team von Nauta Design auf den Tisch, ehe alle Beteiligten zufrieden waren. Die Schwierigkeit bestand darin, dass die Yacht nicht nur gute Segeleigenschaften aufweisen, sondern auch hinsichtlich Platzangebot und Komfort neue Standards setzten sollte – die Suche nach der Eier legende Wollmilchsau also. „Die Oceanis 51.1 kann Charter-, Eigner- sowie Performance-Yacht sein und die Bedürfnisse der ehemaligen Cyclades-Klientel ebenso erfüllen wie jene der Oceanis- oder First-Käufer“, erläutert Marketing-Chef und Konstrukteur Gianguido Girotti. Folgerichtig wird die Yacht in drei völlig unterschiedlichen Versionen angeboten, ein ambitioniertes Vorhaben, das eine komplette Neuentwicklung erforderte.

Revolutionärer Rumpf

Basis dafür bildet das Unterwasserschiff, das im Querschnitt einer Suppenschüssel ähnelt. Klingt befremdlich, generiert bei genauer Analyse aber eine Reihe von Vorteilen gegenüber einem herkömmlichen Design. Augenscheinlich ist die geringe benetzte Fläche, was bekanntlich den Leichtwindeigenschaften zuträglich ist. Außerdem ermöglicht diese Bauart speziell im Vorschiffsbereich einen tiefen U-Spant, der für weiches Einsetzen in die Welle sorgt. Spannend geht es über Wasser weiter: Der Rumpf gewinnt rasch an Breite und geht letztendlich via vom Bug bis zum Heck laufender Stufe in eine beinahe vertikal verlaufende Bordwand über; damit wird viel Platz unter Deck geschaffen. Ganz oben ist die Bordwand im Stil moderner Offshore-Yachten nach innen geneigt – eine in erster Linie kosmetische Maßnahme, die die Yacht weniger hochbordig wirken lässt.

Vielfalt statt Einfalt

Eine Yacht für drei Einsatzbereiche zu konzipieren, ist eine aus wirtschaftlicher Sicht nachvollziehbare Idee. Bislang haperte es stets an der Umsetzung, denn hohes Volumen, viel Komfort und gute Segeleigenschaften sind schwer unter einen Hut zu bringen. Der neue Rumpf soll das mit ermöglichen, nicht minder wichtig sind die Rahmenbedingungen. Gemeinsam ist allen Versionen eine Doppelruderanlage. Das geht zu Lasten der Manöverfreundlichkeit (Eindampfen etc.), aufgrund des breiten Rumpfes führt daran aber kein Weg vorbei.

In der Standard-Version wird die Yacht mit Rollgroß und Selbstwendefock angeboten.

Den gesamten Fahrbericht lesen Sie in der Yachtrevue 5/2018, am Kiosk ab 2. Mai!

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