Fährten in die Vergangenheit

Hundert Jahre nach Ende des Ersten Weltkriegs brachte der YC Braunau Simbach eine elfteilige, historisch motivierte Törn-Reihe zum Abschluss, für die er mit dem Miramar-Preis ausgezeichnet wurde

Fährten in die Vergangenheit

Christian Haidinger, seines Zeichens Ehren-Commodore des Yachtclub Braunau Simbach, hat wieder einmal ein außergewöhnliches Projekt ins Leben gerufen. Unter dem Titel Mare Vostrum organisierte er über mehrere Saisonen hinweg elf Törns, in denen historisch interessante Reviere in der Adria, im Mittelmeer und in der Nordsee besegelt wurden. Gemeinsame Klammer war das Gedenken an die zahlreichen Opfer, die es im Ersten Weltkriegs auf See zu beklagen gab, aber auch die Würdigung der großartigen Leistungen der zivilen österreichischen Schifffahrt im 19. Jahrhundert. Warum sich Haidinger und seine Clubkollegen gerade für dieses Thema interessieren, ist leicht erklärt: Die k.u.k. Marineakademie hatte in Braunau am Inn ihren letzten Standort, wurde sie doch 1915 aus Sicherheitsgründen über mehrere Stationen von Rijeka (damals Fiume) ins tiefste Hinterland verlegt.

Das Projekt Mare Vostrum, das heuer, hundert Jahre nach dem Untergang der Monarchie und ihrer Marine, mit einer aufwendigen Multimediashow abgeschlossen wurde, startete im Mai 2014 mit einem Törn von Hamburg zur Hochseeinsel Helgoland, begleitet wurden die Segler dabei von einem Team des ORF. „Das 1864 dort geführte Seegefecht, in dem die Österreicher Preußen gegen Dänemark unterstützte, war zwar militärisch nicht entscheidend, begründete aber den Ruhm Tegetthoffs“, erzählt Hobby-Historiker Haidinger. Der Preis dafür war hoch: 69 Tote und über hundert schwerverwundete Seeleute waren zu verzeichnen.

Später im Jahr folgte ein anspruchsvoller Dalmatien-Törn von Pula zur Insel Vis, bei dem es Windspitzen von mehr als 40 Knoten abzuwettern galt. Die Braunauer gedachten damit der Seeschlacht vor Lissa (wie Vis damals hieß), bei der sich die ehemaligen Verbündeten Italien und Preußen 1866 als Feinde gegenüber standen. eine Schlacht, die ebenfalls mit Tegetthoff verbunden ist: Der legendäre Marinekommandant konnte damals trotz deutlich unterlegener Flotte den Angriff der Italiener abwehren. Die Replika des Löwendenkmals am Friedhof sowie das Schlachtengemälde im Speisesaal des Hotels Admiral zeugen in Vis bis heute von diesen historischen Ereignissen.

Erfolgreiche Forschungsfahrten

Da die Bedeutung der zivilen Seefahrt die militärischen Leistungen bei weitem überstiegen hätte, habe man sich dann der Erinnerung an österreichische Seeexpeditionen zugewandt, schildert Haidinger den weiteren Verlauf des Projekts. Man segelte im Velebitski Kanal, der damals Kanal Montana hieß und aufgrund der unwirtlichen Bedingungen gefürchtet war, sowie über das Novigradsko more bis tief in die Schlucht Zrmanja. Höhepunkt war laut Haidinger ein winterlicher Adria-Törn im Februar 2015, der an die Nordpolexpedition von Payer und Weyprecht (1872–74) gemahnen sollte. „Wir haben unser Schiff in Pula übernommen, danach ging es durch den Kvarner. Leere Ortschaften und Häfen, Schnee an Deck und schwarze Bora mit 40 Knoten – ein einmaliges Erlebnis“, ist dem erfahrenen Skipper der wilde Ritt durch Istrien noch bestens im Gedächtnis.

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