Ein Mann für alle Fälle

Christian Bayer zählt zu den bekanntesten Gesichtern der österreichischen Seglergemeinde und fungiert seit Anfang des Jahres im OeSV als Anlaufstelle für alle Agenden des Breitensports. Mit Judith Duller-Mayrhofer sprach er über seine Anfänge in der Ruster Bucht, dunkle Zeiten und neue Herausforderungen

Ein Mann für alle Fälle

Edelstahlwerke, Yachtrevue-Redaktion, Schneeräumung, Segelschule, Hausbetreuung, Tankstelle. Wenn Christian Bayer seine beruflichen Stationen aufzählt, wird klar: Geradlinig war sein Weg nicht. Und zwar in keiner Hinsicht. Als frühes Scheidungskind wuchs er zunächst bei der Großmutter in Wien Alsergrund auf, erst mit zehn Jahren übersiedelte er zu Mutter und Stiefvater. Letzterer hieß Egon Kletzander und ist damit für den Spitznamen „Kletzi“, unter dem Christian Bayer bis heute landauf, landab bekannt ist, verantwortlich. Als Mitglied des Burgenländischen Yachtclubs brachte er zudem die Leidenschaft für das Segeln in die Familie, wobei seine Saat beim kleinen Christian auf besonders fruchtbaren Boden fiel. Mit einem Opti, der unter abenteuerlichen Umständen hinter einem Korsar von Neusiedl nach Rust geschleppt und dort als Überraschungsgeschenk präsentiert wurde, war es um den Buben geschehen. „Bei der ersten Ausfahrt und ersten Wende bin ich gleich einmal gekentert“, erinnert sich Bayer, „alle dachten, dass ich jetzt einen Schock hab, aber mir hat das überhaupt nichts ausgemacht.“ In Folge saß Bayer in jeder freien Minute im Boot und lieferte sich in der Ruster Bucht mit Freunden regelmäßig Rennen, die von Pfahl-Hütte zu Pfahl-Hütte führten. „Segeln war von Anfang an Wettkampf für mich und die wichtigste Frage lautete: Wer ist als Erster dort?“, schildert er seine Anfänge. Er bestritt höchst erfolgreich Opti-Regatten am Neusiedler See und auf der Alten Donau und stieg mit 15 Jahren auf den Laser um. Kampfgewicht beim Klassenwechsel: 48 Kilogramm. Am Laser Standard wohlgemerkt, denn das Radial-Rigg war Mitte der 1970er Jahre noch nicht erfunden. Bei bestimmten Bedingungen war er daher aus Gründen der Physik benachteiligt, bei Leichtwind hingegen eine Macht.

1977 endeten seine Schulzeit und gleichzeitig das leistungsorientierte Engagement im Segelsport. Bayer begann zu arbeiten – Edelstahlwerke, Yachtrevue-Redaktion, Schneeräumung, siehe oben – und setzte sich nur noch zum Spaß auf ein Boot. „Ich hatte nicht mehr so viel Zeit zum Trainieren, da werden die Leistungen zwangsläufig schlechter. Und verlieren wollte ich nicht, das hab ich auch nicht gelernt“, fasst Bayer die Zeit Anfang Zwanzig zusammen. Gemeinsam mit Onkel und Tante baute er ab 1986 die Firma Attensam auf, am Wasser war er primär als Wettfahrtleiter und Jurymitglied, aber kaum als Aktiver zu sehen. 1995 übernahm er eine Tankstelle im zweiten Wiener Gemeindebezirk und fand langsam wieder Gefallen am Segeln. Er bestritt Fahrtenseglerregatten à la Kornati Cup, kaufte einen Micro und segelte Dart. 1996 nahm er in dieser Klasse an der WM in Travemünde teil und fühlte sich gegen Ende der Serie körperlich so schlecht, dass er die letzten Wettfahrten auslassen musste. Zurück in Wien, machte er einen Gesundheitscheck. Der daraus resultierende Befund sollte sein Leben von Grund auf verändern.

Schlechte Nachrichten

Zystenniere lautete die Diagnose. Eine Vielzahl an flüssigkeitsgefüllten Bläschen hatte sich gebildet und schränkte seine Nieren in ihrer Filterfunktion erheblich ein; als Folge vergiftete sich sein Körper selbst. Genetisch bedingte Erbkrankheit, wurde dem damals 36-Jährigen mitgeteilt, lebensbedrohlich und nicht heilbar. Einziger Ausweg: Nierentransplantation. Bayer kam auf die zentrale Liste der Organisation Eurotransplant, die Spenderorgane aus acht Ländern verwaltet und verteilt, und musste sich daheim einer regelmäßigen Peritonealdialyse unterziehen. Über einen fix implantierten Katheter wurde mehrmals täglich eine sterile Flüssigkeit in seine Bauchhöhle ein- und wieder ausgeleitet, sein Bauchfell diente als eine Art biologischer Filter für die im Blut befindlichen Giftstoffe. 1997 entdeckten die Ärzte zudem ein Karzinom an der Schilddrüse, das befallene Organ wurde entfernt und eine Radiojodtherapie durchgeführt. Ein weiterer Schlag für einen vom Schicksal ohnehin schon kräftig Gebeutelten. An Aufgeben dachte Christian Bayer trotzdem nicht, er wurde aufgrund der Niereninsuffizienz allerdings schwächer und schwächer, lag meist nur noch dösend auf der Couch. Der erlösende Anruf erreichte ihn nach vier langen Jahren der Heimdialyse. Am 29. Oktober 1999 hörte er eine freundliche Stimme kurz vor Mitternacht sagen: „Herr Bayer, wir haben eine Niere für Sie.“

Die lebensrettende Operation erfolgte im Wiener AKH, die gespendete Niere versieht bis heute klaglos ihren Dienst. „Nach der Transplantation ist es sofort bergauf gegangen“, erzählt Bayer, „und ich hab mich endlich wieder fit gefühlt.“
So fit, dass er auf das Wasser zurückkehrte.

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