Reifeprüfung

Die Rolle des Skippers ist mit viel Arbeit und noch mehr Verantwortung verbunden. Wer sich zum ersten Mal darauf einlässt, sollte sich besonders gut vorbereiten, rät Verena Diethelm

Reifeprüfung

Will jemand sein Debüt als Skipper feiern, kann man ganz unterschiedliche Herangehensweisen beobachten: Die einen buchen, sobald sie ihr Patent in Händen halten, eine 50-Fuß-Yacht irgendwo im Süden, laden Freunde und Familie ein und stürzen sich Hals über Kopf ins Vergnügen. Die anderen brauchen mehr Anlauf und trauen sich erst nach dem dritten Skippertraining und dem Studium sämtlich verfügbarer nautischer Literatur, das Ruder selbst zu übernehmen.
Kann man beides machen, muss man aber nicht. In den meisten Fällen reicht eine gewissenhafte Planung und Vorbereitung, damit der erste Törn nicht gleichzeitig der letzte ist und erfolgreich abgewickelt wird. Positiver Nebeneffekt: Mit der theoretischen Beschäftigung wächst auch die Vorfreude.

Planung

Spontanität kann erfrischend sein, beim ersten Törn als Skipper sollte man aber so wenig wie möglich dem Zufall überlassen. Mit der Planung beginnt man am besten ein halbes Jahr vorher, um sicherzustellen, dass die Wunschyacht zum Wunschzeitraum im Wunschrevier noch frei ist.

Revier. Die Wahl eines geeigneten Reviers hat oberste Priorität. Zentrale Faktoren sind moderate Wind- und Wetterverhältnisse, kurze Distanzen mit vielen Unterschlupfmöglichkeiten und eine gute nautische Infrastruktur. Starkwind- und Gezeitenreviere scheiden für den ersten Törn jedenfalls aus, gleiches gilt für Reviere, die mit Riffen gespickt sind, über eine Steilküste verfügen oder Nebel anfällig sind. Als anfängerfreundlich gelten Kroatien, die Balearen, die Ionischen Inseln, der Golf von Göcek in der Türkei und die British Virgin Islands. Trägt man zum ersten Mal als Skipper die Verantwortung, ist es eine große Erleichterung, wenn man in einem Gewässer unterwegs ist, das man schon gut kennt, etwa vom Prüfungstörn.

Yacht. Auch bei der Auswahl der Yacht empfiehlt es sich, auf bereits Bekanntes zu setzen und beispielsweise jenes Modell zu buchen, mit dem man bereits den Prüfungstörn oder ein Skippertraining absolviert hat. Zu groß sollte die Yacht allerdings nicht sein – ein Schiff unter 40 Fuß ist einfacher zu handeln und man entwickelt ein besseres Gespür für Manöver. Außerdem sollte man es sich beim ersten Törn so leicht wie möglich machen und daher auf eine Yacht mit Einzelruderanlage, einem einfachen Reffsystem, also Rollgroß oder Einleinenreff, sowie einer Selbstwendefock, sofern man mit kleiner Crew unterwegs ist, setzen.

Charterfirma. Billig ist nicht immer günstig. Speziell beim ersten Törn sollte man nicht vermeintlichen Schnäppchen im Internet nachjagen, sondern sich einen erfahrenen Anbieter mit fachlich kompetenter Beratung, gut gewarteten Charterschiffen und Unterstützung vor Ort suchen. Nicht viel falsch machen kann man, wenn man über eine jener Firmen bucht, die sich im Verband Österreichischer Vercharterer zusammengeschlossen haben.

Crew. Ein Großteil der Neo-Skipper nimmt den ersten Törn mit der eigenen Familie in Angriff und hat damit auf die Auswahl der Crew kaum Einfluss. Wichtig: Nicht versuchen, alles an Bord selbst zu machen, sondern jedes Familienmitglied je nach seinen Fähigkeiten und Kenntnissen in die Abläufe einbindet. Als Minimum sollte man jeden Törnteilnehmer noch vor (!) dem ersten Auslaufen mit der Handhabung von Leinen und Fendern vertraut machen. Eine gute Möglichkeit, die Abläufe an Bord zu üben und das Schiff besser kennenzulernen, bietet ein Profi-Skipper, den man am ersten Tag des Törns mitnimmt – ein sehr sinnvolles Service für Einsteiger, das mittlerweile viele Charterfirmen anbieten.

Stellt man die Crew aus dem Freundeskreis zusammen, hat man mehr Flexibilität und man kann darauf achten, dass nicht alle Anfänger sind. Idealerweise hat man einen erfahrenen Co-Skipper zur Seite, der einspringen kann, wenn Probleme auftauchen oder man in irgendeiner Weise verhindert ist.

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