Dringender Aufholbedarf

Die Sehnsucht nach unbeschwerter Zeit auf dem Wasser ist groß wie nie. Exotische Winterreviere liegen brach, stark gefragt für 2021 sind Ziele in der Adria. Einhelliger Tenor in der Charter-Branche: Wer konkrete Vorstellungen hat, muss bald buchen

Dringender Aufholbedarf

Als das Jahr 2020 jung und frisch war, sah es blendend aus für die Charterunternehmen. „Wir hatten auf der boot in Düsseldorf so viele Buchungen wie noch nie in den vergangenen fünf Jahren“, erinnert sich etwa Larin Heero, Geschäftsführer von Masteryachting Deutschland, an die Situation im Jänner. Dann kam Corona, stellte alles auf den Kopf und Veranstalter wie Agenturen vor völlig neue Aufgaben. Diese wurden, das kann man heute rückblickend sagen, durch die Bank gut bewältigt. „Die Unternehmen haben um jeden einzelnen Kunden gekämpft und versucht individuelle Lösungen zu finden“, fasst Eva Mayrhofer, Vorsitzende des Verbands österreichischer Vercharterer und Chefin von Mayer Yachten, zusammen. Die Agenturen leisteten als Bindeglied zwischen Flottenbetreiber und Charterkunden ganze Arbeit. „Wir haben moderiert, diskutiert, vermittelt und versucht, auf beiden Seiten den Druck herauszunehmen“, beschreibt es Thomas Hickersberger von Müller Yachtcharter stellvertretend. Törns wurden umgebucht oder verschoben, Gutschriften ausgestellt oder sogar Gelder rückerstattet. Für weltweit operierende Unternehmen wie die Online-Plattform GlobeSailor stellte speziell der deutschsprachige Raum eine große Herausforderung dar. „In Deutschland und Österreich gibt es, anders als etwa in Italien oder Spanien, einerseits sehr viele Frühbucher und andererseits großes Interesse an der Vorsaison“ erzählt Kirsten Richarz, die als Country Managerin für die DACH-Region zuständig ist, „dementsprechend arbeitsintensiv war das Frühjahr.“ Man habe aber proaktiv alle betroffenen Kunden kontaktiert und sich mit der überwiegenden Mehrheit auf eine zufriedenstellende Vorgangsweise einigen können.
Die Veranstalter reagierten ihrerseits mit einem ganzen Bündel an Maßnahmen auf die veränderte (und sich ständig ändernde) Situation. „Wir haben unsere Flotten so verlegt, dass unsere Kunden möglichst in der Nähe ihres Wohnortes segeln konnten, und uns zudem sehr umfangreiche Covid19-Schutz-Bestimmungen auferlegt“, schildert Alice Russeil, die beim Big Player Dream Yacht Charter für das Marketing in Europa zuständig ist. Josie Tucci vom Mitbewerber Sunsail und The Moorings schlägt in die selbe Kerbe: „Wir haben viel und schnell in neue Service- und Hygienemaßnahmen investiert und von der Ankunft bis zur Abreise sämtliche Schritte nach Covid19-Kriterien überarbeitet.“ 70 % der europäischen Kunden, so Tucci, hätten so trotz Pandemie ihren Charterurlaub antreten können.

Als Mitte Juni die Infektionszahlen zurückgingen und viele Beschränkungen fielen, läutete das einen regelrechten Boom ein. „Die Leute haben kurzfristig gebucht wie verrückt“, weiß Alexandra Hofinger vom gleichnamigen Charterunternehmen zu erzählen. Albert Grassl vom Tiroler Traditionsunternehmen Trend Travel Yachting kann das bestätigen: „Im Frühsommer gab es sehr gute Umsätze. Wir hätten auch einen hervorragenden September und Oktober gehabt, aber mit der neuerlichen Reisewarnung für Kroatien ist alles zusammengebrochen.“

Insgesamt, so die Bilanz, habe man zwischen 40 und 50 % von Umsatz in einer normalen Sommersaison gemacht. Ob das als sprichwörtliches blaues Auge, das weh tut, sich letztlich aber verschmerzen lässt, empfunden wird oder eine existenzbedrohliche Katastrophe darstellt, hängt von den Rücklagen und der Stabilität der jeweiligen Firma ab.

Kein Winter unter Palmen

Dann stand die kalte Jahreszeit, in der üblicherweise exotische Fernziele stark nachgefragt sind, vor der Tür. Tatsächlich könnte man derzeit einen Charterurlaub in den typischen Übersee-Revieren buchen. „Unsere Basen in den Seychellen und in der Karibik sind seit Mitte November offen, in den BVI heißen wir Segler seit 1. Dezember willkommen“, betont Josie Tucci. Die Buchungslage für die Seychellen sei gut, in der Karibik verschiebe sich das Interesse von Dezember auf Februar und März. Bei Dream Yacht Charter, wo man auch Thailand und Polynesien anbietet, versucht man, die Kunden mit einem neu zusammengestellten Dreifach-Schutz zu einem Winter-Törn animieren. Er umfasst laut Alice Russeil eine flexible, kostenlose Umplanung bei Grenzschließungen, Reisewarnungen und behördlichen Einschränkungen im Charterrevier, die ein Auslaufen unmöglich machen (nicht aber bei Ausfall einer Flugverbindung – siehe auch Kasten auf Seite ??). Das Paket beinhaltet weiters optional einen erweiterten Versicherungsschutz (Kosten: 400 Euro), der bei Abreise bis Ende April 2021 eine Rückerstattung der Charterkosten garantiert, sowie eine spezielle Reiserücktrittsversicherung, die greift, wenn Skipper oder Crew positiv auf Covid19 getestet wurden. Neu ins Winter-Programm aufgenommen wurden bei Dream Yacht Kuba, ein Stützpunkt auf Teneriffa sowie One-Way-Törns zwischen Mallorca und Teneriffa.

Die heimischen Agenturen berichten indes, dass es so gut wie keine Nachfrage nach exotischen Destinationen gibt. „Die Situation ist zu unberechenbar. Wenn man um die halbe Welt fliegen will, muss man sehr, sehr flexibel sein“, macht sich Klaus Pitter vom gleichnamigen Charterunternehmen nichts vor, „wir empfehlen Fernreisen daher nicht, sondern raten unseren Kunden lieber auf nächstes Jahr zu warten und dann eventuell länger Urlaub zu machen.“

Die ganze Story inklusive Empfehlungen, was Kunden derzeit beachten sollten, wenn sie einen Chartertörn buchen, finden Sie in der Yachtrevue 12/2020, am Kiosk ab 4. Dezember!

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