Vermisste Chartercrew in Kroatien sind Betrüger

Die Oceanis Clipper 510 wurde mit gefälschten Papieren gechartert, von Yacht und Crew fehlt nach wie vor jede Spur

Bei den sechs vermeintlichen Österreichern, die vorigen Samstag in Dubrovnik eine für zwei Wochen gecharterte Yacht zurückgeben hätten sollen, handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um Betrüger. Die Oceanis Clipper 510 (Baujahr 1990) wurde in Split gechartert, die Chartergebühr von 2.000 Euro pro Woche (laut Internetpreisliste) – wie im Chartergeschäft üblich – vorweg bezahlt. Seither scheinen Yacht und Crew wie vom Erdboden verschluckt, die Kontaktaufnahme via Handy oder Funk blieb erfolglos, ebenso eine groß angelegte Suchaktion in der Adria – wir berichteten.

Nach Aussagen des österreichischen Aussenministeriums sind die Personaldaten der Crew keinen Personen in Österreich zuordenbar, sowohl die Identitäten der Crew-Mitglieder, als auch der Bootsführerschein des Skippers dürften gefälscht sein. Vermisstenanzeigen liegen keine vor, der Ball liegt jetzt also bei Kroatien. Mittlerweile gehen die kroatischen Behörden davon aus, dass es sich um einen Betrugsfall handelt. Was die Kriminellen mit dem Boot gemacht haben, ist noch ungeklärt. Die Exekutive nimmt an, dass das Schiff wieder verkauft wurde.
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Dieser Theorie steht jedoch die Tatsache, dass es sich um ein älteres Schiff mit relativ geringem Wert handelt, gegenüber. Theoretisch wäre es auch möglich, dass die Yacht für (Menschen-)Schmuggel eingesetzt wird oder wurde. Fest steht, dass das Schiff – sofern nicht weiterverkauft oder versenkt – längst über alle Berge ist. In zwei Wochen kommt man mit einer angenommenen Geschwindigkeit von permanent sechs Knoten 2.000 Seemeilen weit, ist also längst an Gibraltar vorbei …
Warum das Schiff in Zeiten von GPS und Funk noch länger verschwunden bleiben könnte ist leicht erklärt: Längst nicht alle Charterfirmen setzen schon satelliten- und GSM-gestützte Transpondersystem ein, mit denen sich Yachten jederzeit orten und unerlaubte Schiffsbewegungen dokumentieren lassen – auch wenn viele aus einem der aufsehenerregendsten Fälle von Yachtnapping in der näheren Vergangenheit gelernt haben: Die österreichische Charterfirma Ecker Yachting stattet seit dem Diebstahl einer nagelneuen Privilege 465 durch einen Wiener beispielsweise sämtliche Yachten ihrer Flotte mit solchen Transpondern aus, "man sei seither auf der Hut", erinnert sich Kurt Ecker an den Alptraum jedes Vercharterers. Der Katamaran blieb damals trotz fieberhafter Suche ein halbes Jahr lang verschwunden und wurde letztlich in Thailand aufgespürt.

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