Fit

Wenn man jung ist, wirkt alles weit weg. Doch irgendwann kommt man an, in dieser fernen Zukunft. Und genau da bin ich jetzt: Ich werde im April 59. Lange dachte ich, dass mir das Alter wenig anhaben könne, denn Bewegung war immer ein fixer Bestandteil meines Lebens. Als Jugendliche war ich begeisterte Tänzerin; Ballett, Jazz, Standard, Disco. Dann lernte ich Wolf kennen und tauschte den Tanzsaal gegen die Berge. Wir sind gewandert und geklettert, haben Berge bestiegen und Skitouren unternommen. 1989 starteten wir unsere erste Weltumsegelung, seither führen wir ein Leben auf dem Wasser. In den letzten Jahren taucht allerdings immer öfter die Frage auf: Wie können wir auf unserem Boot, auf so engem Raum fit bleiben? Gerade für Langfahrtsegler ist die körperliche Verfassung entscheidend. Für viele Aktivitäten an Bord brauchst du Kraft und Schnelligkeit – beim Reffen der Segel, an der Winsch, beim Ziehen an den Schoten. Wir sind absolut keine Couchpotatoes, doch regelmäßig zu trainieren, ist eine große Herausforderung – vor allem in tropischer Hitze. Angeblich verliert man ab 30 jedes Jahr ein Prozent Muskelmasse, wenn man nicht aktiv gegensteuert. Also starten wir frühmorgens mit Yoga. Wir fallen praktisch aus der Koje direkt auf die Matte. Lassen wir die Übungen aus, fühlen wir uns steif und eingerostet. Ich habe einige Asanas gefunden, die dem „Segelrücken“ guttun, die Wirbelsäule beweglicher machen, Sehnen dehnen und Muskeln kräftigen. Nach 40 Minuten ist das Programm geschafft, dann springen wir zur Belohnung ins kühle Nass und der Tag kann beginnen. Wir nutzen jede Gelegenheit zum Wandern, Laufen, Schnorcheln und Schwimmen, dennoch, da brauchen wir uns nichts vorzumachen, nimmt unsere Kondition an Bord immer ab. Wenn wir nach Monaten oder gar Jahren nach Österreich zurückkehren, dauert es jedes Mal eine gefühlte Ewigkeit, bis wir wieder in Form kommen. Aber Jammern bringt nichts. Unsere Muskeln sollen brennen, der Wille auch. Wir müssen uns immer wieder selbst motivieren, um dranzubleiben. Wir kämpfen weiter – gegen den inneren Schweinehund und gegen die Schwerkraft des Alters.